Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Drei Serien…

Irgendwie komme ich nicht los vom Thema „Anwaltsserien“. In der heutigen „Drei Serien…“-Ausgabe widme ich mich jedoch weniger der Serie selbst als vielmehr den Serien, die in ihr thematisiert werden. Ganz schön Metaebene, aber dies ist ein Blog mit Anspruch, wie Ihr wisst. 😉 Für alle, denen das jetzt zu verschwurbelt war, formuliere ich das Thema gerne auch noch einmal aus. Es lautet:

~ Drei Serien, die in Suits thematisiert werden ~

Mike und Harvey sind bekannt dafür, gerne mit Filmzitaten um sich zu werfen. Ich, die sich in dem Bereich nicht auskennt, erkenne diese im Normalfall selbstverständlich nicht. Also ich merke, dass das jetzt wohl gerade ein Filmzitat war, aber meistens fehlt mir der Kontext. Wenn es um Dirty Dancing oder Forrest Gump geht, komme ich noch klar, aber danach hört es auch schon auf. Anders sieht das natürlich bei Serienzitaten oder Anspielungen auf Serien aus, die zwar lange nicht so gehäuft, aber doch ab und an auftreten. Was ich daran so liebe, ist das Gefühl, mit den Protagonisten in derselben Welt zu leben und die Dinge zu mögen, die sie auch mögen. Das gibt einer Serie einen Realismus, der sie erdet und der sich – wie ich finde – auf andere Art schwer erzeugen lässt. Denn ehrlich, es gibt doch nichts Normaleres oder Alltäglicheres als fernzusehen, oder? Ich könnte Euch jetzt mit solchen Begriffen wie Erzähler, erzählte Welt und Intertextualität nerven, aber das lasse ich mal. Stattdessen trage ich einfach drei solche Erwähnungen zusammen. Ich hätte auch eine andere Serie als Suits wählen können, aber da Staffel 5 mir gerade so viel Freude bereitet, fand ich das passend. Los geht’s!

1. Staffel 3, Folge 16: No Way Out

Scottie und Harvey hatten einen Streit, aber da muss man doch nicht gleich schon morgens zu hartem Alkohol greifen. Oder etwa doch? Was Don Draper kann, kann Harvey Specter schon lange:

2. Staffel 3, Folge 4: Conflict of Interest

Mikes und Katrinas Zusammenarbeit in Staffel 3 steht anfangs unter keinem guten Stern. Bis, ja bis sie ihre gemeinsame Liebe für The Wire entdecken. Als Katrina kurz darauf auch noch Sil aus The Sopranos imitiert, ist der Bann definitiv gebrochen. Was Katrina dann sagt, da steckt so viel Wahrheit drin, dass ich es einfach mal umkommentiert stehenlasse…

3. Staffel 5, Folge 4: No puedo hacerlo

Mike und Katrina, die Zweite. Auch zwei Staffeln später besinnen die beiden sich bei einem beruflichen Treffen – Katrina arbeitet dank Rachel inzwischen für ihren Vater Robert Zane – auf ihre Gemeinsamkeiten. Was die Erwähnung von The Wire natürlich absolut großartig macht, ist die Tatsache, dass Robert Zane von Wendell Pierce verkörpert wird, der in The Wire den unfassbar unterhaltsamen Bunk „You happy now, bitch?“ Moreland spielte. Jetzt wird’s also wirklich Meta! 😉 Das „Shieeeet“-Zitat wiederum ist selbstverständlich eine Anspielung auf den guten Clay Davis, ebenfalls aus The Wire, der dieses Wort wie wohl niemand vor ihm geprägt hat.

Wie steht Ihr zum Thema Film- und Serienzitate in Serien? Zaubert Euch diese Form der Intertextualität ein Lächeln aufs Gesicht oder lässt Euch das völlig kalt? Und findet Ihr auch, dass man zuerst The Sopranos gesehen haben muss, um bereit für The Wire zu sein? 😉 

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Veröffentlicht in Media Monday

Media Monday #304

Nach dem Urlaub über Ostern fiel es mir letzte Woche schwer, wieder in den Alltag zu finden. Zumindest auf dem Blog lief alles wie von selbst, denn zum Thema Geist ist geil haben viele liebe Menschen eifrig mit mir und untereinander diskutiert. Das sind die Momente, in denen es so richtig viel Spaß macht, Bloggerin zu sein. Nicht weil sich mein Ego von 70+ Kommentaren geschmeichelt fühlt, sondern weil mich die Diskussionen zu Themen, die mir wichtig sind, einfach am Herzen liegen und mir Freude machen. In diesem Sinne: Lasst alles raus, was Euch einfällt – natürlich auch zum aktuellen Media Monday!

media-monday-304

1. Der Welttag des Buches ist am 23.04. Das weiß ich bereits sei meiner Kindheit, denn meine Mutter ist Buchhändlerin und bespaßt in der Buchhandlung, in der sie arbeitet, im Rahmen der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ an diesem Tag des Öfteren Schulklassen.

2. Bücher zu verschenken ist aufgrund des unter 1. aufgeführten Faktes in meiner Familie grundsätzlich meiner Mutter vorbehalten.

3. Lesen ist für mich in den letzten Jahren von anderen Hobby überrundet worden. Ich glaube, dass das etwas mit der Digitalisierung und der übermächtigen Präsenz des Internets zu tun hat.

4. Am liebsten lese ich Eure wunderbaren Blogs!

5. Das Buch Mängelexemplar von Sarah Kuttner hat mich zuletzt einigermaßen gut unterhalten, weil die Geschichte nichts Besonderes ist, sich aber gut und leicht lesen lässt und trotz des ernsten Themas (Depression) zu unterhalten weiß.

6. Und weil ja auch Welttag des Bieres heute ist: Bier ist für den Herrn Koch ein ernstes und wichtiges Thema. Diese und jene Sorte schmeckt prinzipiell nicht, diese und jene Sorte kann nicht gekauft werden, weil sie den falschen Fußballverein unterstützt (kein Witz!), diese und jene Sorte mundet nur frisch gezapft und nicht aus der Flasche. Einigermaßen befriedigt musste ich feststellen, dass das Bier aus meiner Heimat zu seinen liebsten zählt. ♥

7. Zuletzt habe ich lange nach einem Beitragsthema für die Kategorie Seri(e)ös in der nächsten Woche gesucht und das war anstrengend, weil ich gerne eine Review geschrieben hätte, aber noch keine weitere Staffel irgendeiner Serie beendet habe bzw. bis Mitte der Woche beenden werde. Das kommt davon, wenn man auf so vielen Serienhochzeiten gleichzeitig tanzt…

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Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Die Krux mit dem Seriennachschub

Süchtige sind immer auf der Suche nach neuem Stoff. Je nachdem, was das Suchtmittel der Wahl ist, kann der Bezug einfacher oder schwieriger sein. Alkohol und Zigaretten sind leicht zu bekommen, da sie überall und rund um die Uhr verfügbar sind. Auch andere Genussmittel wie Schokolade, Erdnüsse oder sonstiger Süß- und Knabberkram lassen sich leicht beschaffen. Dafür Geld zu bezahlen, finden wir selbstverständlich. Eine Schachtel Zigaretten kostet inzwischen sechs Euro, habe ich mir sagen lassen. Wenn es aber um den Konsum geistigen Eigentums anderer geht, nach dem viele von uns mindestens genauso süchtig sind wie nach der leckeren Schokolade oder dem teuren amerikanischen Markeneis, sieht das komischerweise anders aus. Illegale Downloads, zwielichtige kostenlose Streamingplattformen, deren Legalität ich als mindestens „tiefgrau“ einstufen würde, sowie Tricksereien mit ausländischen IP-Adressen sind nach wie vor beliebte Mittel, die Sucht zu befriedigen. Ich finde das faszinierend.

Die Menschen hinter der Story

Das kam jetzt falsch rüber, denn eigentlich finde ich es traurig. Hinter jeder Serie steckt nicht nur eine Produktionsfirma, sondern mindestens ein kreativer Kopf, meistens sogar mehrere. Das sind Menschen, die sich Geschichten überlegen, um andere wie dich und mich zu unterhalten. Um uns ein kurzes mediales Ausbrechen aus dem Alltag zu erlauben und in fremde Welten zu entführen. Damit tragen sie einen großen Teil dazu bei, unser Leben schöner zu machen, oder? Mein Leben wäre nämlich definitiv ärmer, könnte ich meine Abende nicht mit meinen aktuellen Serienobsessionen verbringen. Wie viele schöne, spannende und emotionale Stunden ich in den letzten Jahren mit den Sopranos, den Fishers, den Bishops, den hübschen kleine Lügnerinnen, den auf der Insel Gestrandeten oder den gut aussehenden Männern in Anzügen hatte, kann ich nicht einmal annähernd beziffern. Und das will ich auch nicht, denn ich bin einfach dankbar dafür, in einer Zeit zu leben, in der mir dieses kleine (fast) tägliche Vergnügen vergönnt ist. Dankbar, dass es Menschen und Firmen gibt, die meine Sucht nach seriell erzählten Geschichten befriedigen und sich immer wieder neue Storys einfallen lassen.

Legal schauen oder auf dem neuesten Stand sein – eine Grundsatzentscheidung

Auch ich bin der Seriensucht verfallen, wie den Lesern dieses Blogs schon lange klar ist. Auch ich möchte nicht ein Jahr auf neue Folgen meiner Lieblingsserie warten. Ich möchte mir aber genausowenig jede Folge sofort nach Erscheinen in den USA oder Großbritannien kostenlos irgendwo in einer zwielichtigen Ecke des Internets anschauen, denn in meinen Augen ist das Diebstahl geistigen Eigentums. Hart gesagt ist das nämlich nichts anderes, als sich in einer Buchhandlung den neuesten Bestseller unter den Mantel zu stecken und ihn kostenlos mit nach Hause zu nehmen. Man mag diese Einstellung krass oder übertrieben finden und mir ein „Aber die Firmen verdienen genug Geld daran – so what?“ zurufen. Für mich gibt es da trotzdem keine zwei Meinungen. Semilegales Streaming hat nämlich weitreichende Konsequenzen, setzt es doch einen Teufelskreis in Gang. Wer sich die aktuellen Folgen bereits online angesehen hat, wird sich diese kaum noch im TV oder im legalen Streaming anschauen. Auch die DVD wandert wahrscheinlich nicht ins Regal. Die Einnahmen aus diesem „Vergnügen“ belaufen sich für die Produktionsfirma und Co. also auf 0 Euro. 0 Euro für die Arbeit der Autoren, Regisseure, Darsteller, Produktionsfirmen, TV-Sender, Vertriebskompanien oder Streaminganbieter. Würdet Ihr für 0 Euro arbeiten? Ich nicht, weshalb sich in meinen Augen auch niemand, der solche tiefgrauen Methoden nutzt, jemals darüber beschweren darf, wenn seine Lieblingsserie wegen schlechter Quoten oder Aufrufzahlen eingestellt wird. Er ist Teil dieses Problems.

Eine Frage des Geldes? Eher eine der Einstellung…

Ich kenne alle Gründe, die dafür sprechen, diese Grauzone zu betreten, glaubt mir. Nicht nur die der Aktualität, sondern auch die finanziellen. Aber mal ehrlich: Amazon Prime kostet 69 Euro im Jahr, für Studenten sogar nur 34 Euro. Für ein Netflix-Abo für zwei Geräte fallen monatlich 9,99 Euro an; teilt man es sich mit einem Freund liegt der Preis für unbegrenztes Streaming hier monatlich unter fünf Euro. Ganz legale und kostenlose Unterhaltung bieten zudem die Mediatheken der TV-Sender sowie Portale wie MyVideo, Clipfish oder auch YouTube. DVDs und Blu-rays lassen sich wunderbar in der örtlichen Bücherei ausleihen, so uncool sich das zunächst auch anhört. Das Angebot dort ist meistens viel besser, breiter und aktueller, als man es sich vorher ausgemalt hat.

Ich bin darum der festen Überzeugung, dass das Betreten der genannten Grauzonen immer eine bewusste Entscheidung ist, die in den seltensten Fällen wirklich etwas mit der Finanzlage zu tun hat. Hier bahnt sich die Sucht ihren Weg, was ich sehr gut verstehen kann. Dennoch hilft auch hier, wie in so vielen Situationen des Lebens, die Gelassenheit weiter: Serienstaffeln sind kein vergängliches Gut, sondern haben auch ein paar Wochen oder Monate nach der Ausstrahlung im gelobten Land nichts an Qualität eingebüßt. Und Vorfreude ist bekanntlich immer noch die schönste Freude, oder?

Eigentlich wollte ich nur über die verschiedenen Wege schreiben, auf denen Serien bezogen werden können – nun ist ein Plädoyer für legalen Konsum und Respekt gegenüber dem geistigen Eigentum anderer daraus geworden. Trotzdem möchte ich zum Abschluss noch eine kleine Umfrage starten, also verratet mir doch, welche Wege ihr nutzt, um Euch Serien auzuschauen.  Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse und auch auf Eure Meinung zu diesem doch brisanten Thema. Aber hey – wer nicht fragt, bleibt dumm, oder? 🙂

Veröffentlicht in Arbeit & Beruf

Geist ist geil! Warum die Arbeitswelt Geisteswissenschaftler braucht

Ich habe Geisteswissenschaften studiert. Genauer gesagt Germanistik und Romanistik (mit Schwerpunkt Spanisch). Wer diesen Blog schon länger verfolgt, hat auch meinen beruflichen Werdegang mitbekommen, der nicht ganz einfach war. Erst seit einigen Monaten bin ich auf einem Weg, der sich gut und richtig und so anfühlt, als sollte ich in diese Richtung weiterlaufen. Gefunden und bekommen habe ich meinen jetzigen Job durch drei Dinge: 1. eine freche Initiativbewerbung, 2. das Glück, dass eine Stelle frei, aber nicht ausgeschrieben war und 3. ein erfolgreiches Probearbeiten. Denn einen Geisteswissenschaftler einzustellen, ist für viele Unternehmen offenbar ein schwieriger Schritt, sodass sie sich absichern und den Bewerber erst einmal zu einem Probearbeiten einladen. Für mich war das kein Problem und völlig in Ordnung, denn – ohne jetzt arrogant klingen zu wollen – ich weiß, was ich kann und bin gerne bereit, das unter Beweis zu stellen. Andererseits schaue ich mir auch mit Interesse an, auf was ich mich einlasse und ein Probearbeiten bietet die aufschlussreiche Möglichkeit, ein Unternehmen „von innen“ zu erleben.

Dennoch kann ich mich der Ungerechtgkeit einer solchen Haltung Geisteswissenschaftlern gegenüber nicht ganz erwehren. Man stelle sich das Gesicht eines Ingenieurs oder Anwaltes vor, der erst einmal zwei Tage kostenfrei zur Probe arbeiten soll – und zwar nicht, um zu sehen, ob er oder sie ins Team und das Arbeitsumfeld passt, sondern um sich von seinem fachlichen Können zu überzeugen. Sie würden wahrscheinlich laut lachend den Raum verlassen und eines ihrer anderen zahllosen Jobangebote annehmen. Woher aber stammen nun diese Zweifel Geisteswissenschaftlern gegenüber?

Der geisteswissenschaftliche Absolvent, das unbekannte Wesen

Für mich liegt der Schlüssel darin, dass Unternehmer und Personalverantwortliche, die keinen geisteswissenschaftlichen Bildungsweg durchlebt haben, sich schlecht vorstellen können, was ein solches Studium beinhaltet und welche Qualifikationen (hard skills und soft skills) ein Bewerber mit einem Abschluss in Anglistik, Philosophie oder Ethnologie mitbringt. Wenn ich als studierte Germanistin zum Beispiel zugebe, die Rechtschreibregeln nicht 1:1 herunterbeten zu können und hin und wieder bei einigen Wörtern zu zweifeln, ernte ich nicht selten „Aber was hast du dann im Studium überhaupt gelernt“-Blicke. Ebenso wenn ich antworte, nicht jedes Werk von Goethe oder Kafka oder Mann gelesen zu haben. Die Gesellschaft denkt ganz offenbar, philologische Studiengänge wären Fortsetzungen des Deutsch- oder Fremdsprachenunterrichts aus der Schule.

Und man kann es ihnen noch nicht einmal verübeln, denn woher sollen sie wissen, dass dem nicht so ist? Schließlich entschließt sich ein nicht kleiner Teil der Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer für die Lehrerlaufbahn. Der Rest macht sich auf ins echte Leben (sorry lieber Lehrer, dieser kleine Seitenhieb aufs Beamtentum musste sein…), arbeitet als Angestellter in einer Firma, macht sich selbstständig oder einen Namen als Freiberufler. Der Weg dahin kann steinig sein, denn gerade auf der Suche nach einem Job als Angestellter gilt es, den Chef oder Personalverantwortlichen vom eigenen Können zu überzeugen – und zwar so sehr, dass er oder sie den Bewerber TROTZ des vermeintlichen Mankos „geisteswissenschaftlicher Abschluss“ zum Gespräch einlädt. Jeder weiß schließlich, dass diese Hürde die größte ist: Für einen Job, den vielleicht auch jemand mit einem nicht-geisteswissenschaftlichen Hintergrund machen könnte, in die engere Wahl zu kommen. Ich spreche hier vor allem von Stellen in den Bereichen Projektmanagement/Kulturmanagement/Medien, aber natürlich auch solchen in noch weiter vom Studienfach entfernten Tätigkeitsfeldern wie Verwaltung, Personalwesen, o. ä.. Einem BWLer werden Aufgaben wie Kundenkommunikation oder Prozessoptimierung ohne Weiteres zugetraut, obwohl sie ebensowenig mit Inhalten aus seinem Studium zu tun haben wie mit denen eines Geisteswissenschaftlers. Der BWLer gilt gesellschafltich allerdings als Allrounder, der diese Dinge schnell lernen kann. Dass der durchschnittliche Geisteswissenschaftler dazu genauso, in manchem Fall vielleicht sogar besser in der Lage wäre, steht leider oft nicht zur Diskussion. Schade, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Geisteswissenschaftler in vielen Berufszweigen hervorragend zurechtkommen und eine Bereicherung für Firmen sind. Warum? Das habe ich einmal zusammengefasst:

Sechs Gründe, warum Geisteswissenschaftler eine Bereicherung für jedes Unternehmen sind

1. Ihr Fachwissen

Bevor es um die soft skills gehen soll, die Geisteswissenschaftlern völlig zurecht nachgesagt werden, soll hier nicht vergessen werden, dass auch in einem philologischen oder sozialwissenschaftlichen Studium jede Menge Faktenwissen auf dem Lehrplan steht. Anderes als in klassischen Auswendiglern-Studiengängen, aber dennoch solches, das sich „überprüfen“ lässt. Wie war das genau mit drem Dreißigjährigen Krieg oder der Kubakrise? Frag den Historiker. Welche lexikalischen Unterschiede gibt es zwischen britischem und amerikanischem Englisch? Die Anglistin kann helfen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Elternhaus und Bildungsabschluss? Der Soziologe weiß es. Warum können Portugiesen Spanier leichter verstehen als Spanier Portugiesen? Die Romanistin erklärt es. Auf den ersten Blick mögen solche Fragestellungen nach Spezialwissen klingen, das im Arbeitsalltag eines (mittelständischen) Unternehmens wenig gefragt ist. Aber für Firmen, die Geschäftsbeziehungen in verschiedene englischsprachige Länder unterhalten, mag oben genannte Frage über kurz oder lang relevant werden. Und so manchem Unternehmen war beim Start von Handelsbeziehungen nach Südamerika vielleicht gar nicht klar, dass der argentinische und der brasilianische Partner sich nicht problemlos verstehen können. Diese Beispiele zeigen, wie hilfreich solches Faktenwissen sein kann, um vor allem im Bereich Interkulturelle Kompetenz peinliche Fauxpas zu vermeiden.

2. Ihre Recherchekompetenz

Zig Hausarbeiten haben Spuren hinterlassen: Geisteswissenschaftler sind Meister darin, zu einem Thema umfassend zu recherchieren. Schon im Studium wurde ihnen eingetrichtert, nicht direkt dem ersten Sucherergebnis bei Google zu vertrauen, sondern jede gefundene Information sorgfältig inklusive ihrer Quelle zu archivieren und kritisch zu hinterfragen, ob es sich um eine vertrauensvolle Ressource handelt und die Information korrekt ist. Dafür nutzen sie sowohl digitale als auch analoge Quellen, denn Geisteswissenschaftler haben weder Angst vor dem Internet noch vor Bibliotheken. Auch mit Programmen zur Quellenverwaltung wie Citavi kommen sie hervorragend zurecht, sodass sie bereits nach kurzer Zeit eine umfassende digitale Bibliographie zum Recherchethema erstellt haben werden, egal ob es um romantische Lyrik, SEO-Optimierung oder Fragen zum europäischen Zoll geht.

3. Ihre Fähigkeit, sich selbstständig Wissen anzueignen

Die Seminarthemen im geisteswissenschaftlichen Studium sind breit gefächert. Ich habe mich im Germanistikstudium genauso mit Michel Foucault beschäftigt wie mit plattdeutschen Varietäten in Schleswig-Holstein und mittelhochdeutschen Minnegesängen. Die Referats- und Hausarbeitsthemen waren oft noch wesentlich spezieller, sodass es vonnöten war, sich möglichst schnell möglichst intensiv selbstständig (!) in ein Themenfeld einzuarbeiten. Gerade wenn das Thema selbstgewählt war, hat mir das immer viel Spaß gemacht und ich profitiere noch heute davon, dass ich im Studium viel Literatur sichten, bewerten und durcharbeiten musste. Man mag es selektives Lesen oder Querlesen nennen, aber normalerweise kann ich bereits nach wenigen Sekunden entscheiden, ob ein Text für meine aktuelle Aufgabe relevant ist. Und ist er es, extrahiere ich in kurzer Zeit die wichtigen Infos, um sie meiner Wissenssammlung über ebenjenes Thema hinzuzufügen. Gerade in Berufen, die Textproduktionsaufgaben umfassen, ist diese Kompetenz enorm wichtig, um sich nicht zu verzetteln und sich in angemessener Zeit ein Thema selbstständig zu erschließen.

Geist is geil 2
Geisteswissenschaftler @work (Symbolbild)

4. Ihr kritischer Blick

Zu Grund Nummer 2 und 3 gesellt sich noch ein weiterer aus dem Bereich „Recherche unf Information“, der Geisteswissenschaftler zu nützlichen, aber anfangs vielleicht auch, nun ja, unorthodoxen Arbeitnehmern macht. Ich spreche hier von ihrer Kompetenz, Fragen zu stellen bzw. Informationen, Aufgaben und Abläufe zu hinterfragen. Im Studium darauf getrimmt, Quellen nicht blauäugig zu vertrauen und den eigenen Verstand zu benutzen, eigene Fragestellungen zu entwickeln, eigene Rückschlüsse zu ziehen, werden sich Geisteswissenschaftler schwer tun, Aufgaben einfach abzuarbeiten, wenn sich deren Sinnhaftikeit nicht erschließt. Sie tun dies nicht, um Kollegen oder Vorgesetzte zu nerven, sondern weil es ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist, nichts als unumstößlich hinzunehmen. Das kann gerade für Unternehmen, die recht festgefahrene Prozessstrukturen aufweisen, anstrengend, aber auch äußerst gewinnbringend sein. Veränderung beginnt ja stets im Kleinen und wenn es zunächst nur minimale Verschiebungen bei Zuständigkeiten o. ä. sind. Dabei haben Geisteswissenschaftler garantiert nicht immer die perfekte Lösung parat, sind aber im Normalfall gerne bereit, Neues auszuprobieren – und sich auch eines Besseren belehren zu lassen, sollte der von ihnen vorgeschlagene Weg nicht funktionieren.

5. Ihre Liebe zum geschriebenen Wort

Okay, ich gebe zu: Diese Liebe trifft man besonders bei Philologen an. Die meisten von ihnen lesen gerne, haben immer gerne gelesen und im Laufe des Studiums jede Menge Erfahrungen mit der Erstellung formeller Texte gemacht. Den einen liegt der sachliche Schreibstil mehr, den anderen weniger, aber alle haben sich daran versucht. Und diese jahrelange Beschäftigung mit dem Schreiben, dem eigenen Schreibstil und der Problematik, komplexe Zusammenhänge möglichst verständlich, gut lesbar sowie sprachlich und stilistisch korrekt zu Papier zu bringen, hinterlässt ihre Spuren. Warum also so jemanden nicht in der Unternehmenskommunikation einsetzen? Wer Derridas‘ Dekonstruktion erklären kann, kann auch einem Kunden die Vor- und Nachteile verschiedener Rohre, IT-Programme oder Automodelle erörtern.

6. Ihre interkulturelle Kompetenz

Auch hier sind die Philologen natürlich die Vorreiter, aber auch Ethnologen, Politikwissenschaftler, Soziologen oder Pädagogen beschäftigen sich im Studium (mal mehr, mal weniger) mit den Themen Kultur und Gesellschaft. Zudem sammelt ein Großteil der Geisteswissenschaftler während des Studiums Auslandserfahrung: Denke ich an mein Spanischstudium zurück, fällt mir spontan niemand ein, der nicht mindestens ein halbes Jahr im spanischsprachigen Ausland verbracht hat. Neben den Sprachkenntnissen ist so ein Aufenthalt vor allem auch eine wichtige Lektion in Sachen Toleranz und sorgt dafür, die eigene Kultur zu reflektieren. Einen echten Einblick in ein Land erhält man eben nur, wenn man einmal dort gelebt hat. Ich würde zum Beispiel niemals versuchen, in einer spanischen Firma jemanden zwischen 14 und 17 Uhr zu erreichen und mich dann den ganzen Tag darüber ärgern, dass niemand ans Telefon geht. Nur weil wir unser Mittagessen in einer halben Stunde hinunterschlingen und um halb fünf gestresst aus dem Büro stürmen, muss der Rest der Welt das ja nicht genauso machen.

Geist ist geil – aber das muss auch kommuniziert werden!

Geisteswissenschaftler haben der Arbeitswelt viel zu bieten. Ihr größtes Problem ist und bleibt jedoch, dass vielen Unternehmen das (schuldlos) nicht klar ist. Darum gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit für uns Geisteswissenschaftler, das zu ändern: Wir müssen uns sichtbar machen und Gehör verschaffen! In der Arbeitswelt wartet niemand auf uns, die speziell für uns ausgeschriebenen Stellen sind rar. Also heißt es: Nach Alternativen suchen, sich initiativ bewerben und – am allerwichtigsten! – sich nicht selbst kleinmachen. Jeder Personalverantwortliche erkennt eine unsichere Bewerbung auf den ersten Blick. Ein bisschen Größenwahn schadet im Bewerbungszirkus darum nicht. Die Traumfirma sucht eigentlich einen BWLer fürs Marketing? Mache dir Gedanken, warum sie lieber dich einstellen sollten und schreibe genau das in deine Bewerbung! Im Projektmanagement wird ein Wirtschaftsinformatiker gesucht? Lege dar, warum du als Medienwissenschaftler viel besser geeignet bist! Die NGO braucht einen Politikwissenschaftler? Sammle Argumente, warum sie mit dir als Philosophen oder Pädagogen besser bedient wäre!

Auch mich hat diese Art, Bewerbungen zu schreiben, einiges an Überwindung gekostet. Vielleicht ist das ein Frauenproblem: Wir machen uns gerne klein, zweifeln an uns und finden es fast unverschämt, uns auf Stellen zu bewerben, auf deren Profil wir vielleicht nur zu 50 Prozent passen. Gerade als Geisteswissenschaftlerinnen können wir uns diese Form der Schüchternheit aber überhaupt nicht leisten. Denn mal im Ernst: Kann sich nicht jedes Unternehmen glücklich schätzen, eine ungewöhnliche und klug durchdachte Bewerbung zu erhalten? Standard kann ja jeder.

Seid Ihr Soziologe, Slawistin, Vergleichender Literaturwissenschaftler oder anderweitig geisteswissenschaftlich geprägt? Welche Erfahrungen habt Ihr in der Arbeitswelt gemacht? Und wenn Ihr aus einem ganz anderen Berufszweig kommt: Gibt es in Eurem Unternehmen Geisteswissenschaftler? Ich bin sehr gespannt auf Eure Erfahrungen und Geschichten zu diesem Thema!

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Veröffentlicht in Media Monday

Media Monday #303

Frohe Ostern zum Zweiten! Bevor sich mein Urlaub endgültig dem Ende neigt und am Mittwoch die Rückkehr in den Alltag ansteht, verbringe ich heute noch einmal Zeit mit der Familie und dem Herrn Koch, der sich passend zum Ostermontag ebenfalls in meiner Heimat einfindet. Zu allem Überfluss begehen wir heute nämlich nicht nur den zweiten Tag des Osterfestes, sondern – oh Schreck! – auch noch meinen Geburtstag. Kein runder oder besonderer, aber dennoch ein weiterer sehr guter Grund, noch einmal zu Kuchen und Co. zu greifen. In diesem Sinne: Lasst es Euch heute doch auch ohne schlechtes Gewissen schmecken! Trotzdem wollen wir natürlich den aktuellen Media Monday darüber nicht vergessen. Wo kämen wir denn da hin! 😉

1. Wenn es um gemeinsame, „mediale“ Freizeitbeschäftigung geht, bevorzuge ich persönlich die Serienabende mit dem Herrn Koch. Wir haben stets eine Serie, die wir nur gemeinsam schauen; im Moment ist das, wie ihr mitbekommen haben solltet, die grandiose Geschichte rund um die Sons of Anarchy. An den fünf Abenden pro Woche, an denen er arbeitet, muss ich mich dann quasi gezwungenermaßen anderen Serien widmen… 😉

2. Und wenn Familie und/oder Freunde sich gemeinsam zum Spielen einfinden, landet derzeit meist Memory auf dem Tisch, denn ich komme aus einer Familie, in der nicht viel gespielt wird. Höchstens meine Schwester und ich spielen bei schlechtem Wetter mal eine Partie Memory, bei der sie mich gnadenlos abzieht. Da wir in verschiedenen Bundesländern wohnen, kommt das aber leider viel zu selten vor.

3. Ansonsten unterhalte ich mich ja gerne oft und ausgiebig über meine Lieblingsserien. Meistens jedoch hier mit anderen Bloggern und nicht im realen Leben. Dort teilt einfach fast niemand meine Vorlieben für Fringe und Co.

4. Hingegen bei meinem Faible für meine jeweils aktuellste Serienobsession würde ich mir ja oft wünschen, das würde sonst noch jemanden interessieren, schließlich trägt der Austausch darüber ja einen nicht unbedeutenden Teil zur Freude bei!

5. Immerhin was wenige Serien angeht, existiert eine gemeinsame Interessen-Basis, denn meine Schwester und ich freuen uns beide zum Beispiel auf die vierte Staffel Chicago Fire, die kommenden Freitag (neuer und selten dämlicher Sendetermin!) bei VOX startet.

6. Im Gegensatz dazu bleibt das Bloggen wohl mein ganz persönliches Interesse/Hobby, aber das macht auch nichts.

7. Zuletzt habe ich den Ostersonntag mit Kopfschmerzen verbracht und das war ungewöhnlich, weil ich überhaupt nicht zu Kopfschmerzen, schon gar nicht zu länger anhaltenden, neige. Bauchschmerzen ja, Rückenschmerzen auch, aber der Kopf ist gar nicht meine Schwachstelle eigentlich. Sehr seltsam.

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Veröffentlicht in Krimskrams

Frohe Ostern!

Frohe Ostern und ein schönes langes Wochenende wünsche ich Euch! Ich hoffe, Ihr könnt die Feiertage genießen – egal ob mit der Familie oder einfach nur mit Zeit für Euch und Euer Hobby. Ich verbringe den heutigen Ostersonntag bei meiner Familie im stürmischen Norden, der mir in der vergangenen Woche wirklich kein schönes Urlaubswetter gegönnt hat. Aber hey – ich kenne es nicht anders, also ist das schon okay. Ein besonderer Gruß geht heute an alle in der Gastronomie, die dafür sorgen, dass andere ihren freien Tag in vollen Zügen und mit leckerem Essen genießen können. Der Herr Koch ist selbstverständlich auch fleißig und wird sich erst morgen auf dem Weg zu mir ins schönste Bundesland der Welt machen.

Habt es schön, sucht und findet viele Ostereier, esst zu viel Schokolade und seid faul, so wie es sich für einen Feiertag gehört. Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen… 🙂Frohe Ostern

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Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Sons of Anarchy (Staffel 5)

Oder auch: There will be blood. Hätte die Staffel einen Untertitel, dann wäre es wohl dieser…

Ich dachte ja nicht, dass mich nach den vorangegangenen vier Staffeln mit den Herren Motorradfans noch etwas erschüttern kann. Wie falsch ich lag, hat mir Staffel fünf gezeigt, die äußerst blutig daherkommt und außerdem mit der wirklich ekligsten Szene der Serie bis dato aufwartet. Welche das ist und wie mir Staffel fünf gefallen hat, lest Ihr in dieser Review, die leider nicht spoilerfrei bleiben kann!

Zum Inhalt

Was schreibt Amazon denn, was den geneigten Zuschauer in Staffel fünf erwartet?

Die fünfte Staffel der adrenalingeladenen Serie Sons of Anarchy von Kurt Sutter ist noch härter und explosiver (…). Als neuer SAMCRO-Boss hat es Jax mit skrupellosen Gegnern und bitterem Verrat zu tun. Während Gemma um die Kontrolle über die Familie kämpft und der blutrünstige Clay auf Rache sinnt, wird Jax von den Sünden seiner Vergangenheit eingeholt. Es geht um neue Bündnisse, Freundesmorde und um Loyalitäten, die auf eine harte Zerreißprobe gestellt werden. Jetzt, wo die Wahrheit ans Licht kommen könnte, muss Jax alles tun, um das Erbe der Bruderschaft zu sichern und seine Familie zu schützen – auch wenn er dafür den ultimativen Preis zahlen muss…

Dröseln wir das Ganze doch noch etwas auf: Die „skrupellosen Gangster“ sind hier vor allem Damon Pope, ein als Geschäftsmann getarnter Krimineller, und seine Crew, die durch Tigs unüberlegte Racheaktion am Ende von Staffel vier gegen die Niners nun ein Hühnchen zu rupfen haben mit SAMCRO. Der „bittere Verrat“ sowie die Frage nach Loyalitäten hingegen zielen eher auf interne Clubprobleme ab, so etwa Clays Deal mit den Nomads oder Juice‘ erzwungene Kooperation mit dem Sheriff, die Jax‘ endlich zu Ohren kommt. Eine große Rolle spielt zudem Otto, der nach wie vor im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet, von Tara aber dazu gebracht wird, seine Aussage gegen den Club zunichte zu machen. Gleichzeitig stellt er mit seinem Mord allerdings die Weichen dafür, genau sie hinter Gitter zu bringen. So ist es nicht verwunderlich, dass Tara noch stärker darauf pocht, ihre Söhne aus Charming fortzubringen und Gemma noch erbitterter dagegenhält. Am Ende findet Jax‘ einen Weg, sich seiner Probleme mit Clay und Pope auf einen Streich zu entledigen, muss dafür aber ebenfalls einen Preis zahlen.

Das Thema Gewalt

Die Gewaltspirale in Staffel fünf ist letztlich ein Resultat unglücklicher Umstände, die bereits am Ende von Staffel vier beginnen, nämlich in dem Moment, in dem Jax‘ Tig in dem Glauben lässt, die Niners hätten etwas mit Pineys Tod zu tun und dieser (mal wieder) im Alleingang auf Rache sinnt. Kann ja keiner ahnen, dass er aus Versehen die Tochter des mächtigsten Gangsters in Oakland tötet. Frei nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ muss Tig diese Handlung teuer bezahlen, indem er mit ansieht, wie Pope seine Tochter bei lebendigem Leib verbrennt. So schlägt der Zuschauer bereits in Folge 1 der fünften Staffel das erste Mal die Hände vors Gesicht, weil es kaum zu ertragen ist, sich diese Verbrennung anzuschauen. Noch schlimmer wird es einige Folgen später, wenn Opie im Gefängnis um sein Leben kämpft, verliert und Jax‘ zusehen muss, wie sein bester Freund seit Kindertagen zu Brei (und zwar wirklich zu Brei) verarbeitet wird. Damit erreicht die fünfte Staffel schon in ihrem ersten Drittel ein neues Level an Brutalität, das auch in der Folge nicht abnimmt. Bei Ottos Mord an einer Krankenschwester spritzt das Blut in alle Richtungen und auch Jax‘ selbst gönnt sich zum Ende der Staffel noch genüsslich einen Mord.

Tatsächlich habe ich mich im Laufe der Folgen gefragt, warum die explizite Gewaltdarstellung gerade in dieser Staffel so gehäuft auftritt. Die Verbrennung von Tigs Tochter war grausam und für den weiteren Verlauf der Handlung nicht unbedingt notwendig. Ottos Mord hätte ebenfalls weniger brutal ablaufen können, jedoch passt es natürlich zum Bild des Wahnsinnigen, wenn er x-mal brutal mit einem Kreuz auf eine unschuldige und wehrlose Person einsticht. Opies brutaler, sinnloser und doch irgendwie aufopfernder Tod hingegen trifft Jax tief und lässt ihn einerseits noch skrupelloser werden (Stichwort: Tig), zeigt ihm andererseits aber auch, dass der Club wirklich dringend dem Zyklus aus Gewalt entkommen muss. Wie das gehen soll ohne noch mehr Gewalt – dafür findet er allerdings keine Lösung. Und vielleicht ist genau das der Grund für die brutalen Szenen: Sie sollen zeigen, dass es kein Entkommen gibt aus der Gewaltspirale: Gewalt erzeugt immer noch mehr Gewalt, sodass es nicht möglich ist, diesem Kreislauf je zu entrinnen. Außer man stirbt.

Für mich fühlt es sich rückblickend so an, als ob Staffel fünf die Weichen stellt für den weiteren Verlauf und auch das Ende der Serie. Es bleiben nur noch zwei Staffeln und somit nicht mehr viel Zeit für Jax‘ und Co., den Club endlich (wieder) in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Ob ihnen das gelingen wird, daran habe ich meine Zweifel. Ich habe eine starke Vermutung, wie die Serie enden wird, aber diese behalte ich noch für mich. In einigen Wochen wissen wir dann, ob ich damit recht hatte. Bis dahin halte ich ein Kissen bereit, um es mir im Falle von zu viel Blut vors Gesicht zu halten. Das habe ich übrigens auch bei der wirklich ekligsten Szene getan. Ich sage nur: Ottos Zunge…

Fazit

Jetzt habe ich mich in der Review sehr auf das Thema Gewalt versteift. Natürlich gibt es viele weitere unblutige Handlungsstränge und Szenen, die den Zuschauer in die SAMCRO-Welt mitnehmen, die er in den ersten vier Staffeln liebgewonnen hat. Das Thema Familie ist nach wie vor ein wichtiges für Jax und Tara, aber natürlich auch für Gemma. Dennoch überlagert die deutlich rauere und blutigere Handlung in Staffel fünf für mich (fast) alles andere. Die Serie funktioniert dennoch weiterhin exzellent, was einfach auch daran liegt, dass der Zuschauer in Staffel fünf so angekommen ist in Charming und dieser gewalttätigen Welt, dass ein Mord mehr oder weniger ihn oder sie nicht verschrecken. Für mich setzt diese Staffel dennoch einen neuen Ton und ich bin gespannt, ob dieser in Staffel sechs beibehalten wird.

Weiterempfehlung: Die fünfte Staffel der Serie rund um Jax‘ Teller und seine SAMCRO-Jungs nimmt den Zuschauer mit auf eine emotionale, aber gleichzeitig spannende und wirklich blutige Reise, in deren Verlauf so einige Freunde und Feinde ihr Leben lassen müssen. Damit positioniert die Serie sich vor ihren letzten beiden Staffeln noch einmal neu, rückt Hierarchien zurecht und entledigt sich einiger alter Probleme, während neue hinzukommen. Wer vor expliziten Gewaltdarstellungen keine Angst hat, kann auch dieser Staffel einiges abgewinnen. Alle anderen wappnen sich am besten innerlich dagegen und wagen trotzdem den erneuten Ausflug nach Charming. Auch im fünften Jahr verliert die Geschichte nämlich nichts von ihrem Reiz.

Ganz schön blutig, was da in Staffel fünf in Charming los war! Ist Euch dieser Unterschied zu den früheren Staffeln auch aufgefallen? Und wie steht Ihr zum Thema Gewalt in Serien?

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Veröffentlicht in Media Monday

Media Monday #302

Viele Grüße aus dem stürmischen Norden! Ich weile diese Woche im Heimaturlaub bei der Familie, deshalb verzeiht, sollte ich auf Kommentare verspätet reagieren und es hier eventuell in den nächsten Tagen etwas ruhiger sein. Das echte Leben ruft, ihr kennt das. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, ein paar Schnappschüsse bei Instagram zu posten. Stay tuned! 🙂 Jetzt aber flugs zu den aktuellen Fragen des Media Mondays, die sich rund um das schönste Thema der Welt drehen: TV-Serien! Toll! 🙂

1. Animations- oder Zeichentrickserien haben es bei mir schwer. Als Kind habe ich ganz gerne Cartoons geguckt, daran aber irgendwann das Interesse verloren. Heute habe ich Serien mit echten Schauspielern deutlich lieber.

2. Die ersten fünf Staffeln Sons of Anarchy habe ich regelrecht durchgesuchtet, aber leider geht es gerade nicht mehr so gut voran mit Staffel 6, weil der Dienstplan des Herrn Kochs das nicht zulässt und ich diese Woche auch noch im Urlaub bin. Grmpf.

3. Wenn es um handfestes Drama geht, bin ich dabei. Und es gibt wirklich, wirklich gute Dramaserien. Six Feet Under zum Beispiel. Oder The Wire. Oder auch meine aktuellste Entdeckung The Good Wife.

4. Pretty Little Liars erfüllt so ziemlich jedes Klischee, ist das doch eine unlogische Teenieserie der schlimmsten Sorte, die aber gleichzeitig so süchtig macht, dass ich einfach nicht aufhören kann, sie zu verfolgen. Gibt es eigentlich schon eine Info, wann Netflix endlich Staffel 6 zeigt?!?

5. Eine Serienstaffel, auf die ich mich richtiggehend freue, ist die fünfte Staffel Suits, deren erste Folge ich Samstagabend geschaut habe. Mal abwarten, wie sich die Story entwickelt. Ich sage nur Harvey und Donna…

6. Seth Gabel hat mit seiner Rolle als Agent Lincoln Lee in Fringe mein Herz erobert, denn wie kann Frau diesem liebenswert-nerdigen Charme widerstehen? Und dann noch die Brille! ♥

Fringe GIF - Find & Share on GIPHY

7. Zuletzt habe ich über fünf Stunden für eine Bahnfahrt von Braunschweig nach Schleswig gebraucht und das war erneut eine Meisterleistung der Deutschen Bahn, weil der ICE nach Hamburg wegen einer Oberleitungsstörung in Hannover mit 35 Minuten Verspätung in der Hansestadt ankam und mein Anschlusszug dann natürlich schon lange weg war.

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Veröffentlicht in Schreibtischliebling

Schreibtischliebling #4

Der Frühling ist da! Und zeitweise fühlte er sich fast schon nach Sommer an, inklusive Eis essen und Kaffee trinken in der Sonne. Gleich um die Ecke unserer Wohnung befindet sich der Botanische Garten Braunschweigs, wo mehrere Tulpenbäume in den letzten Tagen so richtig losgelegt haben. Die Fotos entstanden am 01.04. bei über 20 ° C und ich finde es wirklich erstaunlich, wie weit die Natur hier im östlichen Niedersachsen Anfang April schon ist. Meine Eltern im nördlichen Schleswig-Holstein haben ebenfalls einen Tulpenbaum im Garten und der blüht teilweise zu meinem Geburtstag Mitte April noch nicht so stark wie dieses Exemplar. Das ist wohl dem Seeklima geschuldet… 😀

Blütenpracht vor blauem Himmel
Sieht nach Frühling aus!
Auch von Nahem schön anzusehen

Diese Fotos gab es übrigens neulich auch bei Instagram, ebenso wie ein Foto davon, wie der Herr Koch das erste Eis des Jahres verspeist. Habt Ihr die Eissaison auch schon eröffnet? 🙂

Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: The Good Wife (Staffel 1)

Letzte Woche drehte sich in der Kategorie Seri(e)ös alles rund um das Thema „Serien mit Anwälten„. Setzen wir dieses Thema doch einfach fort, denn am Wochenende habe ich die erste Staffel rund um Alicia Florrick und ihre Erlebnisse in einer Chicagoger Kanzlei beendet. In Kürze werden ich außerdem die fünfte Staffel Suits beginnen (Sendestart auf Netflix: 05.04. 🙂 ), auf die ich schon lange sehnsüchtig gewartet habe. Reviews mit Anwälten werden mich und Euch somit durch die nächsten Wochen und Monate begleiten. Gibt Schlimmeres. Die folgende Review ist spoilerfrei, ich stelle lediglich die Ausgangssituation der Geschichte dar.

The Good Wife und ich

Als die Serie 2010 ins deutsche TV kam, interessierte sie mich nicht brennend, aber immerhin doch so sehr, dass ich zum Start einschaltete. Die ersten Folgen packten mich allerdings nicht, dann verpasste ich einige Episoden und hatte damit den Anschluss verloren. In der Folge wanderte die Ausstrahlung der Serie von ProSieben zu Kabel 1 zu sixx, was verdeutlicht, welch schlechte Karten sie und ich hatten, doch noch wieder zueinanderzufinden. Wenn ich nämlich einer Serie, die mich nur mäßig interessiert, treu bleiben soll, dann geht das nur mit in Stein gemeißeltem Sendeplatz. Grey’s Anatomy ist das perfekte Beispiel. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass die Serie quotenmäßig unfassbar einbrechen würde, wenn ProSieben sie auf einmal nicht mehr mittwochs ausstrahlen würde.

So dauerte es also sieben Jahre, bis The Good Wife wieder auf meinem Bildschirm landete. Die Gründe dafür, dass ich ihr noch eine zweite Chance gab, sind recht simpel: Trotz geringen Interesses des deutschen TVs hat sie gute Kritiken erhalten und die Hauptdarstellerin Julianna Margulies gewann gleich zweimal den Emmy als beste Hauptdarstellerin einer Dramaserie (2011 und 2014). Zudem hatte ich Lust auf eine gute Dramaserie, die etwas leichter und weniger brutal daherkommt als Sons of Anarchy, aber dennoch mehr als nur seichte Unterhaltung bietet. Dass Netflix seit Kurzem alle sieben Staffel im Programm hat, erleichterte mir die Entscheidung für diese Serie zusätzlich.

Zum Inhalt

Worum geht es nun aber in The Good Wife? Weil ich es präziser nicht hinbekomme, zitiere ich hier die Inhaltszusammenfassung aus oben genanntem Beitrag. Diese lautet wie folgt:

In The Good Wife kehrt Alicia Florrick nach längerer Auszeit wieder in ihren Beruf zurück: Sie wird Junioranwältin in der Chicagoer Kanzlei Stern, Lockhard und Gardner. Die Tür zu dieser Stelle steht ihr offen, da sie mit Will Gardner, einem der Partner, einst zusammen studierte. Ganz freiwillig ist Alicias Rückkehr in die Berufswelt freilich nicht, denn nach der Verhaftung und Inhaftierung ihres Mannes Peter, seines Zeichens früherer Staatsanwalt, muss sie nun für das Familieneinkommen sorgen und zwei Kinder über die Runden bringen. Schnell jedoch gewöhnt sie sich an ihre neue Situation und geht in ihrem Beruf so richtig auf. Zusammen mit ihrer Kollegin Kalinda verteidigt sie die verschiedensten Klienten, während sie nebenbei mit der Wiederaufnahme des Prozesses gegen ihren Mann beschäftigt ist und auch dessen eheliche Untreue verarbeiten muss.

Eine Frau zwischen den Stühlen

Alicia Florrick ist das, was man eine Powerfrau nennt: Tagsüber toughe Anwältin, abends Mutter, außerdem noch eine Ehefrau, die damit klarkommen muss, dass ihr Mann sie betrogen hat und im Gefängnis sitzt. Dabei versucht sie, es allen recht zu machen und jedem gerecht zu werden: ihren Kindern, ihrer Schwiegermutter, ihren Chefs, ihrem Mann, allen Klienten. Wie sie selbst sich ihr Leben eigentlich vorstellt, für diese Art von Reflektion bleibt ihr zumindest zu Beginn der Serie keine Zeit. Erst nach und nach merkt der Zuschauer, wie sie damit hadert, ihren Job an einen anderen Junioranwalt verlieren zu können und wie es an ihr nagt, dass ihr Mann sie betrogen hat. Zunehmend fragtn sie sich, ob sie nach seiner Entlassung wirklich wieder mit ihm unter einem Dach leben kann oder ob die in der Luft schwebende Romanze mit ihrem Studienfreund Will vielleicht doch die bessere Option wäre. The Good Wife zeigt den Spagat einer Frau zwischen Beruf und Familie, zwischen Pflichterfüllung und Selbstverwirklichung, zwischen Abhängigkeit und Freiheit. Durch die Verwebung einer folgenübergreifenden Geschichte mit „cases of the week“ schafft sie eine gute Mischung aus interessanten, teils spannenden juristischen Fällen und familiär-amourösen Geschichten.

Fazit

Vielleicht war ich vor sieben Jahren einfach noch nicht reif für diese Serie. Die Hauptfigur eine zweifache Mutter, die ins Berufsleben zurückkehrt – nicht unbedingt die ideale Identifikationsfigur für eine 21-Jährige. Heute hingegen hat mir die erste Staffel viel Freude und gute Unterhaltung bereitet. Ich habe knapp fünf Wochen für die 23 Folgen gebraucht, was – wenn man bedenkt, dass ich weiterhin Sons of Anarchy verfolge, wann immer es geht – wirklich fix war. Auch wenn mir manche Szenen vielleicht etwas zu rührig waren und ich auch (noch?) nicht ganz verstehe, warum Alicia ihrem Mann so ohne Weiteres seine Fehltritte verzeiht, funktioniert die Story richtig gut. Ein bisschen Büroleben, eine bisschen Gerichtssaal, ein bisschen Streit mit der Schwiegermutter, ein bisschen Flirten mit dem Chef – The Good Wife findet zwischen diesen Dingen genau die richtige Balance. Neben Juliana Margulies in der Hauptrolle gefallen mir vor allem Christine Baranski und Josh Charles als Diane Lockhart und Will Gardner, Alicias Chefs. Mal abgesehen davon, dass ich Baranski sowieso zum Niederknien finde (ich liebe, liebe, liebe sie als Dr. Beverly Hofstadter in The Big Bang Theory!), ist Diane Lockharts „Romanze“ mit einem schnauzbärtigen republikanischen Ballistik-Experten einfach nur zauberhaft und so voller Witz, dass dieser kleine, wirklich nebensächliche Handlungsstrang, die Staffel für mich enorm aufwertet. Dass es für mich auch ein Wiedersehen mit Matt Czuchry, seines Zeichens bekannt als Logan aus den Gilmore Girls, gab, rundet den guten Eindruck ab.

Weiterempfehlung: The Good Wife ist eine amerikanische Dramaserie, die den beruflichen Neuanfang der Anwältin Alicia Florrick erzählt und es dabei schafft, die Geschichten rund um ihre Arbeit mit einer folgenübergreifenden Storyline rund um ihr Privatleben zu verknüpfen. Das schafft Kontinuität und erzählerische Qualität. The Good Wife ist daher nicht nur explizit etwas für Fans von Anwaltsserien, sondern spricht ein breiteres Publikum an: Freunde gut gemachter Dramaserien, aber auch Krimifans können hier auf ihre Kosten kommen.

Ach ja, Anwaltsserien! Habt Ihr The Good Wife bzw. die erste Staffel der Serie gesehen? Wie hat sie Euch gefallen? Und gebt ihr Serien noch einmal eine zweite Chance, wenn es beim ersten Versuch zwischen Euch nicht „funkte“ oder sortiert ihr knallhart aus? 😉