Veröffentlicht in Alltag

Lieber Winter, …

… ich weiß, wir haben eine schwierige Beziehung, aber du machst es einem auch nicht gerade leicht, dich zu mögen.

Trotzdem fange ich mal bei meinen Fehlern an, bevor ich mich über dich her mache.

Es stimmt, ich beschwere mich oft und gerne und lautstark über dich und die Phänomene, die du mit dir bringst. Das tut mir leid, du kannst ja auch nichts für deinen eiskalten Charakter. Schnee, Eisregen, Dunkelheit und Kälte zeichnen deine Persönlichkeit aus und was will man dagegen schon machen? Auch vergleiche ich dich gerne mit anderen Jahreszeiten, wobei du regelmäßig sowohl gegenüber dem Sommer als auch dem Frühling und dem Herbst den Kürzeren ziehst. Auch dafür entschuldige ich mich. In Pädagogik habe ich schließlich gelernt, dass man jeden Schüler an seiner individuellen Bezugsnorm orientiert bewerten soll, also sind hier soziale Vergleiche mit deinen dir überlegenen Klassenkameraden ausgesprochen fehl am Platz. Du befindest dich am unteren Ende der Leistungsskala, aber das ist okay. Hey, jeder gibt sein Bestes, das ist die Hauptsache. Weiterhin kann man dir nicht vorwerfen, momentan etwas Verbotenes zu tun. Wir befinden uns ganz klar noch in deinem Revier: Mitte März, da hat zwar der meterologische Frühling bereits begonnen, der astronomische aber noch nicht. Also alles paletti. Es tut mir leid, dass ich trotzdem schon so sehnsüchtig deinen Nachfolger herbeisehne, wenn ich eigentlich noch gar kein Recht dazu habe. Du siehst, ich mache es dir wirklich nicht leicht.

Nun aber zu dir. Auch du hast deine Fehler, das musst du zugeben.

Zum einen ist auf dich überhaupt kein Verlass! Wenn wir uns Schnee und Winterwetter wünschen zwischen dem 24.12. und dem  – sagen wir mal  – 01.01., bekommen wir nicht selten übelstes Schmuddelwetter der norddeutschen Sorte gespickt mit gnadenlosem Ostwind der Stärke 8 von dir. Der Weihnachtsspaziergang fällt dann flach, als Ersatz werden stattdessen noch drei weitere Kilo Plätzchen konsumiert. Wenn wir aber gar nicht auf Schnee eingestellt sind, stellst du Massen davon zur Verfügung. Gerne Ende Oktober, wenn ich die Winterstiefel noch nicht mal aus dem Schrank gesucht habe, oder so wie jetzt Mitte März, wo ich mir nichts sehnlicher wünsche, als die Winterstiefel endlich wieder in den Schrank verbannen zu können. Nein, an diesem kindischen „Ich-mach-mir-die-Welt-wie-sie-mir-gefällt-„Getue solltest du dringend mal arbeiten. Ich weiß, auch der Sommer zeigt sich nicht immer von seiner besten Seite, aber er ist eben Everybody’s Darling. Man verzeiht ihm schnell, wenn er einen dann wieder an einem sonnigen Tag anlacht. So ist das im Leben, komm damit klar und lass deine Launen nicht an der Welt im Allgemeinen und an mir im Speziellen aus.

Zum anderen müssen wir uns auch nochmal ernsthaft über deine Zukunft unterhalten. Soll das jetzt jedes Jahr so werden, so dunkel und schneereich wie dieses Jahr? Das kann ja wohl nicht dein Ernst sein. So verbesserst du dich auf der sozialen Bezugsnormskala jedenfalls nicht nach oben, mein Freund. Und auch der beste Pädagoge (der ich auf keinen Fall bin, aber das tut hier nichts zur Sache) ist irgendwann mit seinem Latein am Ende, wenn sein Schüler die individuellen Lernangebote nicht annimmt. Dann müssen härtere Saiten aufgezogen werden. Also, entweder du machst jetzt dem Frühling Platz und gelobst feierlich Besserung für deinen nächsten Auftritt – oder ich muss deinen Eltern einen Brief schreiben. Warte, die Adresse hab ich doch hier irgendwo…ah wo ist sie denn? Ah hier – aber oh nein! Gottes Stellvertreter auf Erden ist ja zurückgetreten, einen neuen gibt es noch nicht!  An wen wende ich mich denn jetzt?

Da hast du wohl nochmal Glück gehabt, Winter. Dann geh halt jetzt nach Hause und komm nicht so schnell wieder. Ich hab keine Zeit mehr, dich zu beaufsichtigen, ich muss schon mal ein paar Arbeitsblätter für den Frühling zusammenstellen.

Damit der sich nicht auch solche Kapriolen erlaubt.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

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