Veröffentlicht in Alltag, Prüfungen, Uni

Beschäftigungstherapie für Fortgeschrittene

Das Sommersemester, es plätschert so vor sich hin. Und das meine ich jetzt ausnahmsweise mal nicht meteorologisch, denn wir hier an der Küste werden momentan mit dem schönsten Spätfrühlings-/Frühsommerwetter verwöhnt. Nein, ich beziehe mich damit tatsächlich auf die Uni. Das Sommersemester, es plätschert so vor sich hin. Ohne große Höhen und Tiefen. Aber trotzdem bin ich das, was man bei der erwerbstätigen Bevölkerung als „vollbeschäftigt“ bezeichnen würde. Ich wage noch hinzuzufügen: vollbeschäftigt (Tag in der Uni) plus Überstunden (Abende und Wochenenden am Schreibtisch). Referate. Texte, die wöchentlich produziert und abgegeben werden müssen. Prüfungsvorbereitungen. Und dann auch noch das Neueste: Extraaufgaben für ausgefallene Veranstaltungen. Ja, richtig. Ich habe auch Bauklötze gestaunt. Als ob es meine Schuld wäre, wenn der Dozent sich auf irgendeiner Tagung vergnügt und deshalb seine Lehrveranstaltungen nicht abhalten kann.

Einen Kommentar dazu, dass den meisten ihre eigene Forschungstätigkeit sowieso tausend Mal wichtiger ist als die Lehre, verkneife ich mir jetzt mal. Aber dann Studierenden eine Aufgabe aufzudrücken, die wenig bis gar nichts mit dem Veranstaltungsthema zu tun hat, nur um sagen zu können, dass die Veranstaltung zwar ausfällt, die Teilnehmer aber trotzdem mit Arbeit versorgt sind, klingt wie Hohn in meinen Ohren. Es ist ja auch so, dass ich oft zu Hause sitze, mich langweile und mich frage, wie ich meine unendliche Freizeit sinnvoll gestalten kann. Gott sei Dank kann ich sie nun mit dieser Aufgabe füllen! Gott sei Dank muss ich nicht bereits um 2o Uhr (nach acht Stunden in der Uni und vier Stunden am Schreibtisch) Feierabend machen, sondern darf mich daran noch erfreuen! Gott sei Dank bin ich durch diese Aufgabe zwar nicht klüger geworden, war aber wenigstens beschäftigt.

Wenn diese Art der Beschäftigungstherapie die Zukunft des Studiums sein soll, bin ich froh, dass nur noch ein Semester mit Veranstaltungen vor mir liegt. Und dabei studiere ich wirklich gerne. Und ich habe auch kein Problem damit, viel zu arbeiten – sonst hätte ich mir schließlich kein Doppelstudium aufgehalst. Nur kann ich nicht verstehen, warum man fortgeschrittene Studierende mit solchen Aufgaben behelligt. Es gibt viele Aspekte meiner Studienfächer, die ich gerne mal vertiefen würde. Zu denen ich gerne mal etwas lesen würde. Etwas Einführendes zur Medienwissenschaft (die in meinem Studium bisher zu kurz gekommen ist, mich aber unglaublich interessiert) zum Beispiel.  Aber offenbar traut man Studierenden den sinnvollen Umgang mit „freier Zeit“ nicht (mehr?) zu. Glaubt nicht mehr, dass sie sich freiwillig bilden würden. Nein, Zwang muss dahinter stehen. So habe ich dann also nicht ein Thema vertieft, dass mich wirklich interessiert hätte, sondern diese Extraaufgabe abgearbeitet.

Beschäftigungstherapie für Fortgeschrittene.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

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