Veröffentlicht in Alltag, Fernsehserien, Zitate

Twin Peaks. Irgendwie…verstörend.

Nachdem ich mir im letzten Beitrag den Frust über sinnfreie universitäre Zusatzaufgaben von der Seele geschrieben habe, sitzt der Ärger darüber nun nicht mehr ganz so tief. Abgearbeit, abgehakt, weitermachen. Es hilft ja nichts.

Im Zuge der freiwilligen Bildung (wie ich sie ebenfalls bereits beschrieb) habe ich nämlich beschlossen, dass es mir egal ist, wie viele Extraaufgaben mir die Uni noch aufhalst oder wie viele Prüfungen ich in wenigen Wochen ablegen muss. Ich möchte mich mit Medienwissenschaft beschäftigen? Dann tue ich das jetzt auch. Ich möchte etwas über die Analyse von Fernsehserien lesen oder selber etwas dazu schreiben? Ja, dann mache ich das eben. Punkt. So viel Zeit muss sein.

Wie ich schon früher darlegte, widme ich mich ja unglaublich gerne – rein zu Bildungszwecken versteht sich – dem Konsum ausgewählter Fernsehserien, vorzugsweise aus den Genres Mystery/Sci-Fi, Comedy oder Drama. Lange habe ich dazu nichts mehr geschrieben. Das Ende meiner absoluten Lieblingsserie Fringe schmerzt mich immer noch. Ich vermisse Peter, Olivia und Co. mehr als ich zugeben möchte. In den letzten Wochen habe ich versucht (und tue es auch immer noch), meinen Kummer darüber in exzessivem Schauen der Staffeln 1-4 auf DVD zu ertränken. Klappt auch ganz gut. Dem Menschen, der die DVD erfunden hat, möchte ich gerne den Friedensnobelpreis verleihen. Oder meinetwegen auch dem Erfinder der VHS-Kassette. Die Welt ist dadurch definitiv ein besserer und schönerer Ort geworden.

Aber so schön es auch ist, sich die Abenteuer in unserem und im Paralleluniversum immer und immer wieder anzuschauen, kam doch langsam der Wunsch auf, dem serienhungrigen Herz neues Futter zu geben. Aber welche Serie soll es bloß sein? Die Auswahl an hoch gelobten und qualitativ anspruchsvollen Serien ist heutzutage wohl so groß wie nie zuvor. Mad Men? Dexter? Breaking Bad? Homeland? Game of Thrones? Nicht einfacher wird die Auswahl, wenn man die Suche auf bereits vollendete Kracher wie 24, Heroes oder  The Wire und Klassiker wie Twilight Zone, Star Trek – The Original Series oder 21 Jump Street ausweitet.

Um mich nicht völlig als Verräterin zu fühlen, weil ich mein geliebtes Fringe (zeitweilig) durch eine andere Serie ersetze, habe ich mich mal umgeschaut, was sich im selben Genre (Mystery/Sci-Fi) finden lässt. Ein Serienname taucht dort immer auf, egal, was man liest: Twin Peaks. Für Mysteryfans scheint diese Serie ein Muss zu sein, ich jedoch als in den späten 80ern geborenes Landei hatte bis dato noch nie davon gehört. Ups. Diese Bildungslücke muss umgehend behoben werden. Gesagt, getan. Twin Peaks, Staffel 1 und 2 liegen nun bei mir im Regal.  Die Reaktion in meinem Freundeskreis auf meine Ankündigung, diese Serie schauen zu wollen, war durchweg positiv. Mein medienwissenschaftlich interessierter und in diesem Bereich sehr bewanderter Lieblingskommilitone erging sich sofort in Lobeshymnen und gratulierte mir zu diesem Entschluss – die Serie sei großartig und sozusagen der Wegbereiter für Serien wie Lost (seiner absoluten Lieblingsserie, die auch ich sehr schätze) und eben auch Fringe. So weit, so gut.

Seit einer guten Woche begebe ich mich also nun abends, wann immer ich 45 Minuten Zeit für diese Art der Bildung erübrigen kann, auf eine Reise nach Twin Peaks, in ein kleines, auf den ersten Blick idyllisches Städchen irgendwo im amerikanischen Nirgendwo. Agent Cooper versucht dort herauszufinden, wer Laura Palmer ermordet hat und vertilgt dabei Unmengen von Kaffee und Kuchen – zwei Nahrungsmittel, von denen er leicht besessen zu sein scheint, was ihn mir unglaublich sympathisch macht. Schon bald stellt sich heraus, dass Laura wohl nicht das nette Mädchen war, das sie vorgab zu sein. Und irgendwie ticken auch sonst alle in Twin Peaks nicht ganz richtig. Die unfassbar große Anzahl an Figuren, die wirklich komplexen Beziehungen der Figuren untereinander sowie die vielen, auf den ersten Blick nur lose verbundenen Handlungsstränge machen es für den Zuschauer schwierig, den Überblick zu behalten. Nichtsdestotrotz hat mich die Serie sofort gefesselt. Bereits der ästhetische Vorspann sowie die charakteristische, immer wieder kehrende musikalische Untermalung der einzelnen Szenen erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Irgendwas stimmt nicht in Twin Peaks – so viel ist schnell klar. Das merkwürdige Gebaren einzelner Figuren, die plötzlich anfangen zu singen oder zu tanzen oder gruselige Visionen oder Träume haben, verstört zumindest mich als Zuschauer immens. Mehr als eine, maximal zwei Folgen pro Abend kann mein sanftes Gemüt daher nicht verdauen, daran ändern auch die komisch-grotesken Szenen nichts.

Ich bin unglaublich gespannt, was die Serie in Staffel 2, die ich gerade angefangen habe, noch zu bieten hat, wer Laura Palmer ermordet hat und warum, ja warum zur Hölle in Twin Peaks alle so unglaublich gestört und dabei trotzdem so faszinierend sind.

To be continued…

DALE COOPER: Diane, 7:30 am, February twenty-fourth. Entering town of Twin Peaks. Five miles south of the Canadian border, twelve miles west of the state line. Never seen so many trees in my life. As W.C. Fields would say, I’d rather be here than Philadelphia. It’s fifty-four degrees on a slightly overcast day. Weatherman said rain. If you could get paid that kind of money for being wrong sixty percent of the time it’d beat working. Mileage is 79,345, gauge is on reserve, I’m riding on fumes here, I’ve got to tank up when I get into town. Remind me to tell you how much that is. Lunch was $6.31 at the Lamplighter Inn. That’s on Highway Two near Lewis Fork. That was a tuna fish sandwich on whole wheat, a slice of cherry pie and a cup of coffee. Damn good food. Diane, if you ever get up this way, that cherry pie is worth a stop. (TWIN PEAKS Season 1, Episode 1: Pilot)

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

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