Veröffentlicht in Fernsehserien, Hingeschaut

Hingeschaut! #3 – Das kommt mir bekannt vor…

Eigentlich wollte ich in Hingeschaut! #3 über ein ganz anderes Thema schreiben. Eigentlich wollte ich heute auch überhaupt gar keinen Beitrag für die Rubrik Hingeschaut! schreiben, sondern ein Update darüber verfassen, was ich in letzter Zeit so zwischen den Fingern (Bücher) und im DVD-Player (Serien) hatte. Aber irgendwie erscheint mir das gerade nicht sonderlich reizvoll. Darauf komme ich also ein anderes Mal zurück. Heute muss ich mich den Erkenntnissen widmen, die ich gestern Abend hatte. Und das kam so:

Es war ziemlich warm hier in meinem kleinen Reich und ich war ziemlich müde. Für unbekannte Folgen der Serien, die ich gerade schaue, definitiv zu warm und zu müde. Also flugs wahllos eine Folge Fringe eingelegt. Die meisten kann ich praktisch mitsprechen, also ist dafür keine enorme geistige Anstrengung nötig. Perfekt. Es wurde die erste Folge der vierten Staffel. Ich gebe zu: Am Anfang hatte ich ein Problem mit Staffel 4. Alles war irgendwie anders. Kein Peter. Keine Olivia-und-Peter-Szenen. Keine Walter-und-Peter-Szenen. Dafür die im Raum schwebende Möglichkeit einer Romanze zwischen Olivia und Lincoln. Was zum…? Nein, Staffel 4 hat mir anfangs nicht gefallen. Erst nach mehrmaligem Schauen ist mir aufgegangen, wie genial die Idee war, Peter am Ende von Staffel 3 zu „löschen“ und welches erzählerische Potential diese „Löschung“ birgt. Seitdem betrachte ich Staffel 4 mit ganz anderen Augen. Zur Verdeutlichung hier nun also einige Gedanken zu Staffel 4, Folge 1:

Die Folge spielt eine Woche nach Peters „Löschung“. Daran erinnert sich selbstverständlich niemand, alle sprechen nur von dem Zeitpunkt, als die „bridge“, die Verbindung zwischen den beiden Universen, entstanden ist (Wie eigentlich?) und die beiden Seiten – ziemlich widerwillig – zusammenarbeiten. Man erfährt zudem direkt in der ersten Szene, dass Fauxlivia unsere Olivia vorher gekidnappt hatte und sich für sie ausgab. Die Vergangenheit wurde also komplett verändert, war doch Olivia in Staffel drei bei dem Versuch, Peter wieder nach Hause in „unser“ Universum zu bringen, im Paralleluniversum gefangen genommen worden. Wir sprechen hier also über eine Vergangenheit, in der Peter Bishop als Kind gestorben ist, genauso wie es immer vorgesehen war. Erzähltechnisch wird damit (nicht zum letzten Mal in der Serie…) die Reset-Taste gedrückt. Alles auf Anfang in einer Welt ohne Peter.

Die Macher der Serie haben mehrfach betont, dass es neuen Zuschauern mit Staffel 4 ermöglicht werden sollte, in die Serie einzusteigen. Mag sein, aber Staffel 4 ist meiner Meinung nach insbesondere im Kontext der vorigen drei Staffeln interessant. Als „neuer“ Zuschauer kann man viele der Geschehnisse und Anspielungen einfach nicht verstehen oder bemerkt sie gar nicht und kann die Folgen daher nicht in ihrer Gänze erfassen. So sind z.B. die Bezüge zur allerersten Folge (I,1: Pilot) bzw. generell zu Staffel I sowie zu Folge 17 der dritten Staffel (Stowaway), in welcher Agent Lee zum ersten Mal auf unserer Seite eingeführt wird, absolut offensichtlich. Olivia erzählt Lincoln in IV,1 beispielsweise, wie sie Walters Entlassung aus St. Claire’s erreichte, damit er John Scott rettet (was er auch in dieser Zeitlinie nicht geschafft hat). Wer Folge I, 1 gesehen hat, weiß, dass sie dafür eigentlich Peters Hilfe brauchte. In dieser veränderten Realität ging es aber wohl ohne ihn. Wenn Olivia im Verlauf der Folge auf einer Karte an der Wand die Orte der shapeshifter-Morde markiert, fühlt man sich zudem unweigerlich an die Karten aus Staffel I erinnert, auf denen gerne die verschiedenen Ereignisse ihm Zusammenhang mit dem Schema („The Pattern“) markiert wurden.

Noch viel deutlicher sind die Bezüge zu Folge III,17. Damals half Agent Lee dem Fringe-Team dabei, den Fall um die vermeintlich unsterbliche Dana Grey zu lösen. Hier nun lernt Lincoln das Fringe-Team nach der Ermordung seines Partners Robert zum zweiten Mal kennen. Mehr als interessant ist, dass sich trotz der unterschiedlichen Fälle bestimmte Geschehnisse wiederholen. So besucht Lincoln in beiden Folgen das Labor und fragt dort völlig verstört: „Who are you people?“. Zudem verwendet Lincoln in beiden Folgen einen Spruch aus der Sesamstraße („One of these things is not like the other.“), um darauf aufmerksam zu machen, dass es ein aus der Masse herausstechendes Indiz gibt: Dana Grey besitzt in Folge III,17 viele klinische Bücher über den Tod, aber nur ein religiöses und in IV,1 sind alle Zeugen eines Mordes in einem Grüppchen versammelt, nur eine einzige Frau nicht. Beide Male trägt Lincolns Beobachtung maßgeblich zur Aufklärung der Fälle bei, jedoch sind seine Dialogpartner dabei unterschiedlich. Während er in III,17 stets mit Peter interagiert, ist es in IV,1 Olivia, die er mit seinen Hinweisen unterstützt. Es gibt noch weitere Parallelen, wie etwa die Anspielung auf Lincolns „security level“, das jetzt durch seine Mitarbeit an einem Fringe-Fall wesentlich tiefer ist oder die von Peter („Every answer you get just leads you to more questions.“ III,17) bzw. Olivia („Well, sometimes answers lead to more questions.“ IV,1) an Lincoln weitergegebene Erkenntnis, dass im Fringe-Team jede Antwort tausend neue Fragen aufwirft.

In der ersten Folge der vierten Staffel wird der (neue) Zuschauer somit zusammen mit Agent Lee in die Fringe-Welt eingeführt. Wer die ersten drei Staffeln nicht gesehen hat, entdeckt zusammen mit dieser Figur Walters Labor, die Arbeit des Fringe-Teams und wichtige Elemente der Welt von Fringe (Paralleluniversum, John Scotts Verletzung als Grund für die Zusammenarbeit von Olivia und Walter). Wer die vorigen Staffeln aufmerksam verfolgt hat, wird viele Anspielungen auf frühere Folgen erkennen und daraus bestimmte Rückschlüsse ziehen können. Wenn Walter in IV,1 z.B. konstatiert, dass Menschen eben sterben und einige dies auch zwei Mal tun („People die. It happens. Sometimes they even die twice.“) ist klar, dass sich diese Aussage auf seinen Sohn beziehen muss: In dieser Zeitlinie muss es Walter nicht gelungen sein, den Peter aus dem Paralleluniversum zu retten, so dass er Peter zwei Mal sterben sah. Es gibt keine andere Deutungsmöglichkeit für diesen Satz. Als „neuer“ Zuschauer muss man sich noch einige Folgen gedulden, bis man in Folge IV,3 (Alone In The World) erfährt, dass Walter früher einen Sohn hatte, dass dieser starb und dass er vergeblich versucht hat, auch den Peter aus dem Paralleluniversum zu retten. Als Kenner der vorigen Staffeln erinnert man sich daran, dass es zwar in Staffel I auch einige Hinweise darauf gibt, dass Peter irgendein Geheimnis umgibt. Dass er aus dem Paralleluniversum stammt, erfährt man aber auch hier erst in Folge II,15 (Jacksonville). Das Geheimnis um Peters Existenz ist also ein Thema, dass sich durch die ganze Serie zieht und mit Peters „Löschung“ am Ende von Staffel 3 der Serie jede Menge neues Erzählpotenzial beschert.

Hingeschaut! #3 feat. Fringe: Season I, Episode 1: Pilot; Season 2, Episode 15: Jacksonville, Season 3, Episode 17: Stowaway, Season 4, Episode 1: Neither Here Nor There sowie Season 4, Episode 3: Alone In The World

PS: Irgendwann schreibe ich in Hingeschaut! auch mal über andere Serien. Versprochen.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

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