Veröffentlicht in Fernsehserien, Uni

Ein erkenntnisreicher Sommer

Es regnet. Ich befüchte, dass es das in den nächsten Wochen und Monaten nun zunehmend tun wird. Denn – seien wir mal ehrlich – der Sommer ist vorbei. Wie immer viel zu schnell, wie immer war er viel zu kurz. Ich persönlich bekomme von Sonnenschein und über 20 Grad ja nie genug, weshalb ich schon öfter über eine Auswanderung in die Nähe des Äquators nachgedacht habe. Aber – seien wir ein weiteres Mal ehrlich – das wird sich in den nächsten Monaten (und Jahren) vermutlich nicht realisieren lassen. Also bleibe ich erstmal im sich nun langsam auf Herbst und das kommende Wintersemester einstellenden Norddeutschland. Nützt ja nix.

Nichtsdestotrotz möchte ich den letzten Sommer nicht kleinreden. Der war schon okay, auch meteorologisch betrachtet. Ansonsten bestand er bei mir eigentlich hauptsächlich aus zwei Dingen: meinem Uni-Pflichtpraktikum und meinem Serienprojekt, dem ich mit ungebrochener Begeisterung nachgehe. Das war eine der besten Ideen, die ich je hatte (ohne mich hier selbst beweihräuchern zu wollen). Zunächst jedoch möchte ich mich dem Praktikum und meinen Erfahrungen dort widmen.

Ich habe so gut wie nichts darüber geschrieben die letzten Wochen, was vor allem daran lag, dass ich selber nicht genau wusste, was ich eigentlich davon halten soll. Es war nämlich ein Schulpraktikum. Da ich ein Doppelstudium absolviere und meine Fächer sowohl auf Lehramt als auch nicht auf Lehramt studiere (ich erspare der Welt die organisatorischen Details – wer mal Bekanntschaft mit Uni-Bürokratie gemacht hat, kann sich vielleicht vorstellen, welche Hürden es dabei JEDES SEMESTER WIEDER zu überwinden gilt), war es unvermeidlich, dass ich irgendwann für ein Praktikum an einer Schule lande. Nach längerem Hinauszögern war es diesen Sommer so weit: Ein nettes, ländliches Gymnasium irgendwo im sehr hohen Norden in Meeresnähe durfte sich über meine Anwesenheit freuen. Nach anfänglicher Euphorie ob der netten „Kollegen“, Kinder und Umgebung stellte sich nach ca. 2 1/2 Wochen gepflegte Langeweile ein. In der letzten Reihe zu sitzen und im Unterricht zu hospitieren gehört nicht zu den spannendsten Dingen, die man in den Semesterferien so machen kann. Und wenn man dafür auch noch zu einer völlig unchristlichen Uhrzeit aufstehen muss, macht es gleich noch weniger Spaß. Erst in den letzten beiden Wochen, in denen ich vermehrt selber unterrichten durfte, habe ich die Begeisterung wiedergefunden. Keinen schockiert diese Erkenntnis mehr als mich, aber es ist wahr: selbst Untericht zu planen und zu erteilen macht Spaß.

Dabei hatte ich mit dem Berufsziel „Lehrerin“ eigentlich schon abgeschlossen. Es war nicht mal mehr Plan B, sondern eher Plan Q oder R, frei nach dem Motto: „Wenn beruflich gar nichts geht, kann ich immer noch Kinden quälen.“. Jetzt ist es wieder Plan B. Für Plan A reicht es noch nicht, dafür ist der Wunsch zu promovieren und die wissenschaftliche Laufbahn zumindest zu versuchen einfach (noch?) zu stark. Aber wie ein Freund von mir sagt: Ein Doktortitel hat noch keinem Gymnasiallehrer geschadet. Warten wir’s mal ab. Erkenntnis Nr. 1 aus diesem Sommer ist somit, dass der Lehrerberuf doch nicht so abschreckend ist wie ich lange Zeit dachte. Puh, doch nicht umsonst studiert.

Neben der Zeit in der Schule habe ich meine Abende gerne dem TV-Serienkonsum gewidmet, selbstverständlich stets im Rahmen meines Projektes. Für die Zeit des Praktikums musste ich nämlich wieder bei meinen Eltern auf dem Land einziehen und die Möglichkeiten für abendliche Aktivitäten sind dort doch arg begrenzt. So wurden die DVD und ich noch bessere Freunde als wir es vorher eh schon waren. Hauptsächlich habe ich in den letzten Wochen The Sopranos geschaut. Mittlerweile bin ich bei Staffel 5 angekommen und die Serie macht mir nach wie vor viel Spaß. Das allein ist schon ein Qualitätsmerkmal, denn seien wir ein drittes Mal ehrlich: Eigentlich bleiben die großen Ereignisse dort doch aus. Tony ist nach mehreren Staffeln nach wie vor depressiv und hat regelmäßig sowohl Probleme mit seiner richtigen als auch seiner Mafia-Familie. Drogen, Erpressung, Prostitution, Mord und Totschlag in allen denkbaren Varianten sind das Gerüst dieser Probleme. Dennoch ist die Darstellung dieser sich wiederholenden Ereignisse so unterhaltsam und immer wieder anders, dass man als Zuschauer einfach dranbleiben muss. Die Sucht nach den Mafiageschichten stellt sich schleichend ein, ist dafür aber umso schwerer zu besiegen. Ich weiß jetzt schon, dass mir der nicht mehr allzu ferne „Abschied“ von dieser Serie unglaublich schwer fallen wird.

Ergänzend schaue ich ab und an auch immer noch Folgen aus der dritten Staffel von Mad Men. Definitiv geringerer Suchtfaktor als The Sopranos, aber auch eine gut gemachte Serie mit interessanten Charakteren. Mir persönlich steht ja die Figur Don Draper (und dessen Familie) zu sehr im Mittelpunkt. Ich würde gerne mehr Folgen sehen, in denen es um Peggy Olson und die Arbeit in der Agentur geht, aber das ist nur meine Meinung. Seit einigen Wochen verfolge ich zudem immer mittwochs auf Pro Sieben Under the Dome, eine Serie, zu der ich mir irgendwie noch keine richtige Meinung gebildet habe. Dazu also ein anderes Mal mehr.

Letzte Woche starteten aber auch endlich im deutschen Fernsehen zwei US-Serien, die mich schon länger interessieren: Arrow und The Following. Von ersterer hat mir die erste Folge ziemlich gut gefallen und das nicht nur wegen des verboten gutaussehenden Hauptdarstellers. Sowas ist nett, aber kein Kriterium für mich, eine Serie zu mögen. Wenn die Story schlecht ist, nützt auch der schönste Schauspieler nichts mehr. Das war bei Arrow aber nicht der Fall; ich fühlte mich gut unterhalten, fand die erste Folge kurzweilig und werde nächste Woche wieder einschalten.

Über The Following nun wusste ich recht wenig vor der Sichtung der ersten Folge. Eigentlich nur, dass Kevin Bacon (den ich mag) die Hauptrolle spielt und dass es irgendwie auch um Edgar Allen Poe geht. Dementsprechend schockiert war ich von der Spannung und Brutalität dieser Serie. Definitiv nichts für Menschen mit schwachen Nerven! Zartbesaitete Gemüter wie mich regt so viel Gewalt und Spannung um die späte Uhrzeit (22.15 Uhr) ja ziemlich auf; ich habe daher noch nicht entschieden, ob ich weiterhin am Dienstagabend dabeibleibe oder mir die aktuelle Folge lieber an einem anderen Wochentag zu einer früheren Uhrzeit online einverleibe. Dass ich weiterschauen werde, steht aber fest. Auch hier machte die erste Folge wie bei Arrow neugierig auf mehr. Was hat es mit dieser vom Massenmörder Joe Carroll gegründeten Sekte auf sich und was ist ihr Ziel? Wie konnte er diese aus dem Gefängnis heraus gründen und wie viele Menschen stecken mit ihm unter einer Decke? Jede Menge Fragen, jede Menge Erzählpotential. Ich bin gespannt!

Erkenntnis Nr. 2 aus diesem Sommer somit: Die Entscheidung für das Serienprojekt war goldrichtig und die Durchführung macht mir unheimlich viel Spaß. Auch falls ich mich entscheiden sollte, mich nicht wissenschaftlich mit TV-Serien zu befassen, trägt dieses Projekt doch zur Bildung bei und ist keineswegs verschwendete Zeit. Der Mensch braucht schließlich auch Hobbies!

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

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