Veröffentlicht in Fernsehserien, Musik, Zitate

The Sopranos – „Woke up this morning…

…got yourself a gun. Mama always said you’d be the chosen one. She said: You’re one in a million, you’ve got to burn to shine. But you were born under a bad sign, with a blue moon in your eyes.“

Ich gebe ja zu: Mit einem tollen Vorspann kriegt man mich fast immer. Kann wenig schiefgehen, wenn sich die Macher einer Serie schon damit Mühe gegeben haben. Denn mit dem Vorspann fängt das Serien-Erlebnis ja an. Ausnahmen bestätigen die Regel, so hat Lost es in all seiner Großartigkeit zum Beispiel nicht nötig, mit einem langen Vorspann aufzuwarten. Tony Soprano hingegen, der in einem seiner ranzigen Hemden mit der Zigarre im Mund von New York nach Hause in seine Welt, nach New Jersey fährt, ist einfach ein toller und passender Beginn für die Serie The Sopranos, deren Hauptperson er ist: Vorbei geht’s an der berühmten Skyline (erst mit, dann ohne die Twin Towers), über Brücken, durch die Vorstadt bis vor sein nicht gerade kleines Haus, unterlegt mit dem Song „Woke Up This Morning“ von Alabama 3.

Der Vorspann hat alles: Er zeigt uns die Hauptperson, er zeigt uns, was die Hauptperson für ein Typ ist und er zeigt uns, in welcher Umgebung sich die Hauptfigur bewegt. Dass die anderen (wichtigen) Personen der Serie dort nicht auftauchen, ist konsequent und absolut folgerichtig: Tony ist der Dreh- und Angelpunkt, er ist das Herz und die Seele der Serie. Völlig zu recht hat James Gandolfini für seine Darstellung dieser Figur Preise über Preise gewonnen. Sein Tod im Juni diesen Jahres betrübt mich nach wie vor und ich bedauere es, dass ich erst durch die mediale Berichterstattung darüber dazu gebracht wurde, mir die Serie The Sopranos anzuschauen. Sie hätte so viel mehr Beachtung verdient und sollte im Fernsehen rauf und runter laufen statt irgendwelcher Wiederholungen von Two and a half men oder den Simpsons.

Nun gut, hat man es durch den Vorspann geschafft und ist eingestimmt auf das Kommende, erwarten einen Folgen von ca. 40-60 Minuten Länge (so genau weiß man das vorher nicht), in denen Tony Soprano uns den Spagat zwischen seinen zwei Welten zeigt: Tony Soprano, der liebende Ehemann und Vater vs. Tony Soprano, der skrupellose Mafiaboss, der seine Frau betrügt, der tief in zwielichtige Geschäfte verstrickt ist, einen Stripclub leitet und ohne mit der Wimper zu zucken Feinde, Verwandte und Freunde um die Ecke bringt. Kein Wunder, dass bei so einem anstrengenden Doppelleben irgendwann Depressionen auftauchen und Dr. Melfi die Bildfläche betritt. Sie bringt beide Handlungsstränge zusammen, in ihrem Büro versucht Tony mehr oder weniger erfolglos, sein Alltagsleben zu verarbeiten. Über sechs wunderbare Staffeln lang kommt er dabei eigentlich keinen Schritt weiter. Interessant anzusehen ist es trotzdem. Hier eine kleine Zusammenstellung meiner Highlights der Serie:

  • Lieblingsfolge: Keine. Oder alle. Das hohe Niveau jeder einzelnen Folge macht es eigentlich unmöglich, eine Wahl zu treffen.
  • lustigste Folge: Das ist schon leichter: „Pine Barrens“ (3.11) – Christopher und Paulie verloren in irgendeinem tief verschneiten Wald in Jersey. Im Fokus: ein unauffindbarer Russe, ein verlorener Schuh, Ketchup in kleinen Plastiktüten sowie unglaublicher Neid auf eine Tic Tac-Packung.
  • Lieblingsszene: Junior Soprano wird Boss der Familie und das FBI dekoriert seine Mafia-Pinnwand neu; unterlegt mit Xzibits „Paparazzi“ („Pax Soprana“, 1.06). Gänsehaut!
  • lustigste Szene: Junior Soprano trifft „Marshall“ McLuhan
  • schockierendste Szenen: Richie Aprile schlägt Janice Soprano; sie erschießt ihn („The Knight In White Satin Armour“ 2.12); Dr. Melfis Vergewaltigung („Employee of the Month“ 3.04)
  • überraschendster Tod: Adriana La Cerva („Long Term Parking“ 5.12) , Johnny Sack („Stage 5“ 6.14)
  • heimlicher Lieblingscharakter: Christopher Moltisanti. Ein absolutes Arsch, aber irgendwie liebenswert.
  • beste Sprüche: Paulie Walnuts. Egoistischer Unsympath mit großer Klappe.
  • nervtötend: AJ (die ganze Serie über), Richie Aprile (Staffel 2), Ralph Cifaretto (Staffel 3/4)
  • Im Ohr bleiben: Alabama 3: Woke Up This Morning, Xzibit: Paparazzi, Little Steven an the Lost Boys: Affection, Journey: Don’t stop believing
  • drei Sätze, die man von Tony Soprano lernen kann:
  • 1. „I’m in the waste management business.“
  • 2. „What the fuck?“
  • 3. „Jesus fucking Christ!“

Ach ja, es waren schöne vier Monate mit den Sopranos. Auch das Ende (Achtung, Spoileralarm!) hat mir gut gefallen. Auch wenn ich zuerst dachte, die DVD wäre kaputt. Die Geschichte um die Mafia-Familie endet genauso wie sie beginnt: mitten im Geschehen, ohne Geplänkel, ohne Erklärung. Gradlinig. Symbolisiert der schwarze Bildschirm am Ende Tonys Tod? Wer weiß das schon. Der Zuschauer kann daraus machen, was er will. Das mutige Ende lässt Raum für Interpretation, für Diskussion. Ließ eine Zeitlang sicher auch Hoffnung für eine weitere Staffel. Mit James Gandolfinis Tod ist die Geschichte um Anthony Soprano, Mafiaboss und Familienmensch, allerdings endgültig zu Ende erzählt.

Wer die sechs Staffeln noch nicht gesehen hat, sollte mal darüber nachdenken, das zu ändern. Nicht, weil es eine dieser Serien ist, „die man gesehen haben muss“, sondern weil sie einfach Spaß macht. Punktum. Ich bin leicht für Serien zu begeistern, aber ein echter Fan bin ich nur von wenigen. Die Sopranos gehören nun definitiv dazu.

Advertisements

Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

Was denkst du darüber?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s