Veröffentlicht in Fernsehserien

Kurzreviews: Mad Men (Staffel 4), The Wire (Staffel 3)

Dritter und letzter Teil der Kurzreviews. Heute dabei: die vierte Staffel Mad Men sowie die dritte Staffel The Wire. Los geht’s! (Achtung, Artikel ist nicht spoilerfrei!)

Mad Men (Staffel 4, 13 Folgen)

Mad Men, die Hochglanzserie über die Werbebranche im New York der 1960er Jahre, steht schon seit einiger Zeit immer mal wieder auf meinem TV-Speiseplan. Die Folgen der vierten Staffel habe ich relativ zügig hintereinander weggeschaut (ein gutes Zeichen, so viel kann ich schon verraten).

  • Zur Story: Nachdem die Hauptfiguren Don Draper, Roger Sterling, Bert Cooper und Lane Pryce sich am Ende der dritten Staffel mit ihrer eigenen Agentur „Sterling Cooper Draper Pryce“ (Das sag mal einer ständig am Telefon!) selbstständig gemacht haben, setzt die Handlung von Staffel 4 etwa ein Jahr später (im November 1964) ein. Die Agentur läuft einigermaßen, was v.a. daran liegt, dass sie Lucky Strike, einen absoluten Großkunden, betreuen. Don ist inzwischen von Betty geschieden und haust in einer kleinen Wohnung in New York, wo er seine Identitätskrise voll auslebt und sich mit Wein & Weib vergnügt, wann immer es geht. Betty hingegen ist mit Henry Francis verheiratet, aber auch in dieser Ehe nicht völlig glücklich. Ihre eigenen psychischen Probleme will sie nicht wahrhaben und lässt ihren Frust vornehmlich an Sally, ihrer und Dons Tocher, aus. Beide werden von einer Psychologin behandelt, wobei Sally wesentlich bessere Fortschritte zu machen scheint als ihre labile Mutter. Peggy ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Arbeit als Copywriter, die sie hervorragend und leidenschaftlich ausübt, ihrem Liebesleben (eine Beziehung zu einem gewissen Mark ist nur von kurzer Dauer – es magelt aber nicht an Ersatz) und den gesellschaftlichen Grenzen, die Frauen in den 1960er Jahren gesetzt sind (so vergleicht sie in einer Folge die Situation von Frauen mit der Situation der afroamerikanischen Bevölkerung). Pete, der jetzt Partner der Agentur ist, und seine Frau Trudy werden Eltern einer Tochter. Beide Ereignisse zeigen ihn in gesellschaftlich gefestigten Verhältnissen. Don hingegen muss im Laufe der Staffel einige Schicksalsschläge hinnehmen (u.a. den Tod seiner „Exfrau“ Anna aus Kalifornien), bevor es auch am Ende der Staffel für ihn (und den Zuschauer) ein überraschendes Happy End gibt. Düster sieht es jedoch für die Agentur aus, als es Roger nicht gelingt, Lucky Strike als Klienten zu halten. Daraufhin kündigen auch andere Firmen ihre Verträge mit „Sterling Cooper Draper Pryce“, was zu einer drastischen Reduzierung des Personals führt. Die Staffel endet mit Bettys und Henrys Auszug aus dem Haus, in dem Betty bereits mit Don gelebt hat.
  • Fazit: Mit Mad Men habe ich mit zeitweilig schwer getan. Schon mehrfach schrieb ich, dass mir die Serie zu langatmig sei und sich zu sehr auf Don als omnipräsenten Hauptcharakter fokussiere. Für die ersten drei Staffeln bleibe ich bei dieser Meinung. In Staffel 4 gelingt es endlich, ein besseres Gleichgewicht zwischen Don und den anderen Figuren zu finden. Klar, Mr. Draper ist immer noch der Mittelpunkt, aber auch andere Figuren bekommen mehr Leben eingehaucht: Joan macht sich wahnsinnige Sorgen, weil ihr Mann nach Vietnam muss und schläft daraufhin mit Roger, von dem sie nun ein Kind erwartet; Lane Pryce (Jared Harris finde ich ja einen super Schauspieler) lebt zeitweise von seiner Frau getrennt, stürzt sich mit Don ins Nachtleben und beginnt eine Liaison mit einer afroamerikanischen Kellnerin, bevor sein Vater ihn zwingt (!), zu seiner Frau zurückzukehren; über Petes Wandlung schrieb ich ja schon oben. Endlich, endlich, endlich spielt auch Peggy eine größere Rolle für das Geschehen in Staffel 4. Das tut der Serie merklich gut. Klar, Mad Men soll hauptsächlich Männer ansprechen, aber nun gibt es endlich auch für weibliche Zuschauer eine wahre Identifikationsfigur. Peggy ist klug, absolut überragend in ihrem Job und selbstbewusst. Sie geht aus und genießt das Leben. Dass die Probleme und Grenzen für Single-Frauen in der Gesellschaft der 1960er Jahre thematisiert werden, rundet das Ganze ab. Ich habe mich bei dieser Staffel Mad Men so gut amüsiert wie bei keiner der vorigen Staffeln. Daher ist es mir auch gar nicht schwer gefallen, die Folgen schnell hintereinander zu schauen: Ich habe mich stets auf die nächste Folge gefreut. Bitte weiter so!
  • Vorfreude auf die nächste Staffel: Zum ersten Mal ein klares Ja zu Mad Men! In der Hoffnung, dass Staffel 5 da weitermacht, wo Staffel 4 aufgehört hat, freue ich mich auf Neues aus dem Hause „Sterling Cooper Draper Pryce“.

The Wire (Staffel 3, 12 Folgen)

Baltimore ist eine dreckige Stadt. Voller Drogen und Gewalt, mit einer unglaublich hohen Mordrate, machtlosen Polizisten und korrupten Politikern. Keine andere Serie zeigt dies so realistisch und konsequent wie David Simons The Wire.

  • Zur Story: Nachdem die zweite Staffel sich vorwiegend um einen Fall im Hafenmilieu Baltimores drehte (was mir auch sehr gut gefiel), nimmt Staffel 3 den Faden aus der ersten Staffel wieder auf und kehrt einerseits zum Problem des massiven Drogenhandels auf Baltimores Straße zurück, nimmt aber auch zwei der Hauptakteure aus Staffel 1 erneut in den Fokus: Avon Barksdale und Russell „Stringer“ Bell. Wir erinnern uns: Während Avon am Ende von Staffel 1 ins Gefängnis wandert, bleibt Stringer auf freiem Fuß und treibt die Geschäfte voran. Am Anfang von Staffel 3 ist er zum alleinigen Boss des Netzwerks, dass Avon und er aufgebaut haben, aufgestiegen und bemüht, durch Investitionen im Bausektor die Geschäfte vermehrt in den legalen Bereich zu verlegen. Konflikte ergeben sich, als Avon aus dem Gefängnis entlassen wird und nur schwer akzeptieren kann, dass sein Partner seriöse Geschäftsambitionen dem Straßenkampf vorzieht. Nichtsdestotrotz entbrennt im Laufe der Staffel ein Krieg mit einer verfeindeten Drogengang, deren Anführer Marlo Stanfield ist. Auf Seiten der Polizei ist Lieutenant Daniels bemüht, den Barksdale-Fall am Laufen zu halten, kann dies aber nur, weil McNulty seine Beziehungen spielen lässt, was zu einem Vertrauensbruch zwischen den beiden führt. Zudem hat der Barksdale-Klan die Vorteile von Prepaid-Handys für sich entdeckt, was den Polizisten das Abhören ungemein erschwert, da sich all paar Woche sämtliche Nummern ändern. Ein weiterer Erzählstrang zeigt, wie Major Colvins zu drastischen und unkonventionellen, aber erfolgreichen Mitteln greift, um die Drogendealer in seinem Bezirk von den Straße  zu holen und so die Verbrechensbekämpfung zu verbessern und die Mordrate zu senken. Neben diesen Geschehnissen thematisiert die dritte Staffel zudem das Problem der Korruption und Bestechlichkeit auf allen politischen Ebenen. Zahlreiche weitere Erzählstränge um z.B. Omar Little, Roland Pryzbylewski, Bubbles und Figuren, die neu eingeführt werden, komplettieren die komplexe Geschichte.
  • Fazit: The Wire ist eine anspruchsvolle Serie, die wahnsinnig viele Erzählstränge bedient und dabei nichts erklärt. Und wenn ich nichts sage, dann meine ich nichts. Der Zuschauer bekommt die wichtigen Informationen nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern muss sich im Gewirr der Erzählung selbst ein Bild machen und eigene Schlüsse ziehen. Wenn man nach einem anstrengenden Tag etwas Entspannung sucht, empfiehlt sich die Serie daher nur bedingt. Mal zwei Minuten nicht so aufmerksam sein, ist hier nicht. Die Erzählweise spiegelt nämlich den Inhalt der Serie wieder: In jeder Staffel wird ein Fall bearbeitet und genauso undurchsichtig, wie dieser Fall für die Polizisten ist, ist er es auch für die Zuschauer. Wer ist woran beteiligt? Wer kennt hier wen und macht mit wem Geschäfte? Wer deckt hier wen? Wer ist der Strippenzieher? Ein komplexer Fall braucht eine komplexe Erzählweise. Mir gefällt Staffel 3 genauso gut wie die vorigen beiden Staffeln. Das liegt v.a. auch an den Figuren und an der Konsequenz der Erzählung. Die Figuren sind authentisch und dabei wenig klischeebehaftet. In The Wire ist keiner nur gut oder nur böse – die Polizisten nicht und die vermeintlichen Kriminellen auch nicht. Es wird gezeigt, dass jede Medaille eben zwei Seiten hat. Nur, weil jemand Drogen verkauft, heißt das nicht, dass er keine Werte oder Moralvorstellungen besitzt. Und nur, weil jemand Polizist ist, heißt das noch lange nicht, dass er ein moralisch einwandfreies Leben führt. Wir sind alle das Produkt unserer Welt und so ist es auch in The Wire. Neben den Figuren finde ich die Konsequenz, mit der die Geschichte erzählt wird, bemerkenswert. In The Wire wird keine Figur am Leben gehalten, weil die Zuschauer sich an sie gewöhnt haben oder sie so mögen. Auch in Staffel 3 stirbt eine Hauptfigur, was dem ganzen Fall eine andere Richtung gibt und mich völlig unerwartet traf. Gerade diese konsequente Unberechenbarkeit unterscheidet The Wire von anderen Krimiserien.
  • Vorfreude auf die nächste Staffel: The Wire hatte es schon nach Staffel 1 in meine All-time-favorite-Liste geschafft. Staffel 4 wird direkt im Anschluss an Staffel 3 geschaut und die Vorfreude ist groß. Anspruchsvoller gemachte Unterhaltung gibt’s nicht.

Damit endet die kleine Serie der Kurzreviews fürs Erste. Vor dem Schreiben steht ja bekanntlich das Schauen und diesem werde ich mich nun erstmal widmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in näherer Zukunft weitere mehr oder weniger kurze Reviews schreiben werde, ist aber durchaus gegeben…

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

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