Veröffentlicht in Fernsehserien

Wer ist eigentlich Ozan Ünal?

Früher war Bücher lesen mein Lieblingshobby. Mein Nachttisch quoll regelmäßig über, weil ich immer mehrere Bücher gleichzeitig in Arbeit hatte. Nur eins zur Zeit zu lesen, fand ich langweilig. Dann fing ich an Germanistik zu studieren und hörte mit dem Freizeitlesen auf. Zu anstrengend, das auch noch als Hobby zu betreiben, wenn man das schon für die Uni immer machen muss. Stattdessen widmete ich mich in meiner Freizeit vermehrt einer anderen Art des Erzählens: Der TV-Serie, bevorzugt der amerikanischen TV-Serie. Dabei handhabe ich es jedoch immer noch wie früher beim Bücherlesen: Nur eine Serie zurzeit zu schauen, finde ich langweilig. Ich habe immer mehrere gleichzeitig am Start. Ist manchmal eine Herausforderung (zeitlich und auch gedächtnistechnisch), aber ich will es so.

Nun gut, wann immer es geht, schaue ich diese Serien in der unsynchronisierten Originalfassung. Hat einfach mehr Charme. Dennoch habe ich auch nichts dagegen einzuwenden, mir Serien, die mich interessieren, im Fernsehen anzuschauen. Dabei fällt mir regelmäßig auf, dass das Synchronsprecherarsenal in Deutschland ziemlich dünn besetzt zu sein scheint. Gerade männliche Synchronstimmen scheinen Mangelware zu sein. Daher ist Ozan Ünal wohl so ein vielbeschäftigter Mann.

Ozan Ünal, 33, aus Berlin ist seit einiger Zeit wohl sowas wie der godfather of Seriensynchronisation. Dieser Mann leiht einfach jedem seine Stimme. Ian Somerhalder alias Damon Salvatore in The Vampire Diaries (Staffel 5 läuft immer donnerstags, 20.15 Uhr auf sixx). Johnny Galecki alias Leonard Hofstadter in The Big Bang Theory (Staffel 7 immer montags um 21.15 auf ProSieben). Patrick J. Adams alias Mike Ross in Suits (VOX hat den Sendetermin gerade auf montags um 20.15 (Doppelfolge) verlegt). Und das sind nur drei aktuelle Beispiele. Zuvor hat er schon Rollen gesprochen in Everwood, O.C., California, Brothers & Sisters, Men in Trees, Eureka, Fringe, Revenge, den Borgias und und und.

Ünal macht seine Sache gut, keine Frage. Dieser Beitrag ist keine Kritik an seiner Arbeit. Dass ich seine Synchronisation von Damon Salvatore anfangs nicht mochte, ist mein persönliches Pech. Es bleibt nur zu fragen, ob es wirklich ratsam ist, einen Synchronsprecher so viele verschiedene Schauspieler sprechen zu lassen. Was, wenn Somerhalder, Galecki und Adams in drei Jahren alle zusammen in einer supererfolgreichen Serie spielen? Wer kriegt dann einen anderen Synchronsprecher und wer nicht? Zudem lenkt es mich als Zuschauer immer ab, wenn ich eine neue Serie beginne und dann eine Figur mit der Stimme einer anderen Figur aus einer anderen Serie spricht. Von der ersten Folge Suits habe ich nur die Hälfte mitbekommen, weil ich die ganze Zeit darüber nachdenken musste, wer zur Hölle noch die gleiche Synchronstimme hat wie Patrick Adams. Ian Somerhalder, Johnny Galecki und gefühlte 512 andere.

Um fair zu sein, muss man hinzufügen, dass es mindestens noch eine weitere Person gibt, die genauso dick im Geschäft ist wie Ünal: Dennis Schmidt-Foß (der lustigerweise zwei Brüder und eine Schwägerin hat, die auch als Synchronsprecher arbeiten). Peter Bishop (Joshua Jackson) in Fringe, Alex Karev (Justin Chambers) in Grey’s Anatomy, Gregory Pratt (Mekhi Phifer) in Emergency Room, David Fischer bzw. Dexter Morgan (Michael C. Hall) in Six Feet Under bzw. Dexter…ich könnte die Liste noch endlos fortsetzen. Da kann einem doch keiner vorwerfen, wenn man verwirrt ist aufgrund der gleichen Synchronstimme so vieler Figuren. Zudem bedient Schmidt-Foß hier auch ähnliche Genres. Ich würde mal unterstellen, dass ER-Schauer (okay, seien wir ehrlich: Schauerinnen) auch Grey’s Anatomy oder Six Feet Under gucken.

Gefühlt ist in jeder, aber auch wirklich in jeder synchronisierten Serie mindestens einer von beiden an Bord, Ünal oder Schmidt-Foß. Ich warte gespannt auf den Tag, an dem beide mal zusammen die männlichen Hauptdarsteller einer Serie synchronisieren. Dann würde ich es gerne so einrichten, dass in jeder Folge einer der anderen ihnen zugeordneten Schauspieler eine Gastrolle hat. Das wäre doch mal eine Herausforderung für die mit Synchronisation beschäftigten Firmen in Deutschland. Und die Gelegenheit, ein paar weitere Sprecher einzustellen…

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

14 Kommentare zu „Wer ist eigentlich Ozan Ünal?

  1. Als ich Gerrit Schmidt-Foss (den ich sehr als Derek im Hörspiel „Point Whitmark mag) einmal in drei Serien gleichzeitig beim zappen („Hawai Five O“, „George Gently“ und noch eine, die mir entfallen ist), gehört habe, und zwar fast synchron sprechend, habe ich mich endgültig von deutschen Fassungen abgewandt. Ich bin es satt, immer die gleichen Sprecher und Sprecherinnen zu hören. Immer und immer wieder. Egal wie gut sie sind. In US-Serien (vor allem in Procedurals) tauchen zwar auch immer die gleichen Gastdarsteller auf (meist sind sie dann der Täter, was einem die Spannung raubt), aber ganz so schlimm ist es nicht.

    Synchronsprecher werden sehr schlecht bezahl, und müssen deshalb viele Aufträge annehmen. Die müssen dann innerhalb kürzester Zeit eingesprochen werden, weshalb die Synchrostudios gerne immer die gleichen Sprecher nehmen, bei denen sie wissen, dass es schnell geht. Inzwischen tauchen diese wenigen Synchronsprecher und Sprecherinnen auch in den meisten Hörspielen auf. Und ich kann diese immergleichen Stimmen ehrlich gesagt nicht mehr hören.

    Über die Qualität der Synchros schweige ich mal, da gibt es gute und schlechte. Mir missfällt es auch inzwischen einen Schauspieler zu sehen, ohne seine richtige Stimme zu hören. Das empfinde ich sogar als unnatürlich. Deshalb bevorzuge ich immer das Original, und bei nicht-englischsprachigen Sachen dann mit Untertiteln.

    Von manchen älteren Sachen, mit denen ich aufgewachsen bin, liebe ich aber die Synchros. Wie z. B. bei „Alf“, „Die Simpson“, „Ein Käfig voller Helden“ oder „Magnum“.

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    1. Ah, guck mal, das wusste ich gar nicht, dass Synchronsprecher so schlecht bezahlt werden. Danke für die Aufklärung. Das erklärt natürlich, warum dann immer die gleichen Leute (von denen man weiß, dass sie es gut machen) gebucht werden.

      Ich bevorzuge auch definitiv die US-Originalversionen, deutsche Übersetzungen sind oft ganz schlimm und meilenweit vom Original entfernt (Sprachwitz ade, sage ich da nur…). Aber dafür können die Synchronsprecher ja nichts, die sprechen das ja nur ein und schreiben nicht die übersetzten Dialoge.
      Unschön ist es trotzdem, wenn man immer wieder die gleichen Stimmen hören muss, da gebe ich dir absolut recht. Aber ich bin noch nicht bereit dazu, das deutsche Fernsehen ganz abzuschreiben. Irgendwie mag ich mich manchmal auch nur auf deutsch „berieseln“ lassen…auch wenn das weniger geworden ist die letzten Monate…

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  2. Oh mein Gott, genau diesen Kerl habe ich neulich, als ich damit angefangen habe „Suits“ zu schauen, auch gegoogelt, weil ich nicht fassen konnte, dass schon wieder die altbekannte Synchronstimme auftaucht, die man echt schon aus etlichen Serien kennt. Dieselbe hat übrigens auch Nathan Scott aus „One Tree Hill“…Wäre wirklich mal interessant zu sehen, wie die das handhaben würden, wenn all die Schauspieler, denen er seine deutsche Stimme geliehen hat, zusammen in einer Serie auftauchen würden… 😀

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    1. Bei „Suits“ war bei mir auch das Maß voll und ich hab den Typen mal gegoogelt! 🙂
      Mich hat das früher schon aufgeregt, aber inzwischen ist das echt ausgeufert mit den immer gleichen Synchronsprechern.
      Mir gefällt „Suits“ eigentlich richtig gut, daher versuche ich tapfer (bzw. werde es auch gleich wieder versuchen, weil die Serie ja jetzt montags läuft), dabei nicht an Leonard aus TBBT oder Damon aus Vampire Diaries zu denken. 😀 Ich bin auch gespannt, was passiert, wenn mal mehrere Schauspieler mit der gleichen Synchronstimme in einem Blockbuster oder einer gehypten Serie mitspielen! Irgendwann muss das ja mal so weit sein, wenn es nur so wenig Sprecher gibt…ich schreib drüber, wenn es mir irgendwo auffällt! 😀

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  3. kenne das Problem 🙂
    Letztens sitze ich an meinem Computer und recherchiere etwas, als plötzlich die Stimme von Meredith Gray aus den Boxen dröhnt. Aber anstatt Greys Anatomy lief eine andere Serie auf dem Computer meines Freundes. Als ich den Blick wieder abgewendet habe, hatte ich vor meinem inneren Auge wieder Meredith. Argh!
    Schade, dass man so an den Synchronsprechern „spart“ und immer die selben besetzt. Besonders für Serienjunkies ist das irritierend und nervig.

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    1. Da stimme ich dir absolut zu! Die beste Synchronisation nützt nichts, wenn alle Figuren von den immergleichen Personen gesprochen werden. Ich glaube, das ist inzwischen mit einer der häufigsten Gründe, warum Serienjunkies so oft aufs Original umsteigen.
      Gestern Abend habe ich „Suits“ auf Vox geguckt und da gibt es auch eine Figur, die mit der Stimme von Meredith Grey spricht! Ist mir gestern das erste Mal aufgefallen (bin wohl sensibilisiert für das Thema gerade 🙂 ). Das Problem scheint also auch für Frauen zu gelten…

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  4. Hey cool, dass du dich dem Thema widmest. Synchronsprecher bekommen meiner Meinung nach sowieso irgendwie zu wenig Aufmerksamkeit. Ich finde das gar nicht so schlimm, wenn einige Stimmen überpräsent sind, solange sie ihre Arbeit gut machen. Solange es nicht so wird wie im Trailer eines bestimmten Kinofilms …

    Etwa ab 1:00 😉 Arnie hat dort dann einen anderen Synchronsprecher im tatsächlichen Film bekommen

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    1. Ja, irgendwie hat mich das Thema gejuckt! Kritisieren möchte ich die Synchronsprecher auf keinen Fall, ich finde auch, dass die beiden, die ich erwähnt habe, ihren Job gut machen. Und wenn man gut ist, wird man wahrscheinlich öfter gebucht, ist ja nur logisch. Aber irgendwann ist es halt mal zu viel (mir zumindest). Ist so ein bisschen das „Matthias-Schweighöfer-Phänomen“ – der ist gut, aber man will ihn auch nicht in jedem Film sehen. Oder?
      Bei Arnie ist es mir eigentlich ziemlich egal, wer ihn spricht – ich will nur seine Originalstimme nicht hören. DIE ist wirklich mal grausam…und dann noch der Akzent… 😀

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      1. Ja, ich fand den Trailer bloß lustig, weil der worst-case da eingetreten ist, dass ein synchronsprecher zwei Charaktere spricht und versucht denen ein unterschiedliches Timbre mit auf den Weg zu geben und es so … unfreiwillig komisch ist XD

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  5. Mir geht Sprecher Jürgen Kluckert (Benjamin Blümchen, Chuck Norris, Mr Krebs von Spong Bob etc etc etc pp) furchbar auf den Keks – Gibt es Serien wo er nicht an Board ist ?

    Manche Filme machen dann ganz eifach keinen Spaß mehr :-//

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    1. Oh, den finde ich gar nicht so präsent. Aber das hängt wahrscheinlich immer davon ab, in welchem Genre man unterwegs ist.
      In den Dramaserien scheint halt nichts ohne Ünal und Schmidt-Foß zu gehen. Aber ich stimme dir zu, dass es stört, wenn man immer nur die gleichen Stimmen hört…

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