Veröffentlicht in Fernsehserien

„I don’t have dreams, I have goals.“ – Suits (Staffel 1)

Männer in schicken Anzügen finde ich schon nett anzusehen. Ja. Doch. Vielleicht liegt das daran, dass mir solche in meinem Alltag nie begegnen (okay, wäre auch übertrieben in der UB, ich geb’s ja zu). Aber trotzdem, ein Mann in einem Anzug, das macht was her. Wenn der Anzug gut sitzt. Keiner will den viel zu kleinen und seit zehn Jahren im Schrank verstaubenden Konfirmationsanzug sehen. Und wenn der Mann, der den Anzug trägt, ihn zu tragen weiß. Falls er es nicht weiß, empfehle ich die Sichtung der TV-Serie Suits. Harvey Specter (Gabriel Macht) macht hier in Perfektion vor, wie’s geht und wie man dabei außerdem noch stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Nebenbei kann man sich von den Anwaltsgeschichten, den Liebeleien und sonstigen Problemchen der anderen Figuren (Harvey hat selbstverständlich nie Probleme) gut unterhalten lassen. Und darum gehts:

Die Ausgangssituation: Mike Ross (Patrick J. Adams), von der Uni geflogener Möchtegernjurist mit fotografischem Gedächtnis, verdient sich seinen Lebensunterhalt damit, für andere Leute gegen Bezahlung den Zugangstest fürs Jurastudium zu schreiben. Außerdem erledigt er auch gelegentlich Drogenbotengänge für seinen Freund Trevor. Bei einem solchen in einem Hotel wird er beinahe von der Polizei mit einem Koffer voller Marihuana erwischt und kann dieser nur entkommen, indem er in einen anderen Raum flüchtet und sich dort Harvey Specter, einem von New Yorks Top-Anwälten, gegenübersieht. Dieser führt gerade Vorstellungsgespräche und stellt Mike spontan ein – obwohl dieser keinen Abschluss hat. Von nun an arbeitet Mike als Harveys Assistent und lebt in ständiger Angst, dass jemand in der Kanzlei sein Geheimnis entdecken könnte.

Die Figuren: Mike Ross und Harvey Specter könnten nicht gegensätzlicher sein: Mike, der naive, aber intelligente Junge, der von einem Schlamassel in den nächsten patscht, mit allen Klienten mitfühlt, sich von anderen Mitarbeitern terrorisieren lassen muss und ständig Angst hat, dass jemand entdeckt, dass er gar kein Anwalt ist; Harvey hingegen, arrogant-selbstsicher-brillant, sieht bei Fällen v.a. den Fall (und damit den potentiellen Sieg) und nicht den Menschen und wird von Kollegen und Konkurrenten gefürchtet. In Kombination geben diese beiden erstaunlicherweise relativ schnell ein gutes und auch unterhaltsames Team ab, auch wenn es immer mal wieder knirscht und kracht. Die anderen Mitarbeiter der Kanzlei allerdings setzen Mike gehörig zu, allen voran Louis Litt (eklig-fies: Rick Hoffman), der schon immer neidisch auf Harvey war und ihm den neuen Mitarbeiter nicht gönnt. Weitere Figuren im Anwaltskanzleikarussell sind Donna Paulsen (Sarah Rafferty), Harveys schlagfertige Sekräterin, Rachel Zane (Meghan Markle), Anwaltsgehilfin und verhinderte Juristin mit Prüfungsangst sowie Jessica Pearson (Gina Torres), die Geschäftsführerin der Kanzlei Pearson Hardman.

Der Humor: Überraschenderweise ist Suits nicht nur wegen der eigentlichen Handlung und der doch ganz kreativen Ausgangssituation unterhaltsam, sondern v.a. auch wegen des Humors. Zum einen ist Harvey Specter eine unerschöpfliche Quelle flotter Sprüche. Zum anderen trieft die Serie nur so vor Popkulturanspielungen. Vor allem auf Filme und Serien (Batman, Star Trek, Top Gun, Der Pate, James Bond, Casablanca und wahrscheinlich noch viele weitere, die mir entgangen sind) wird hier wiederholt Bezug genommen, etwa wenn Harvey sich als Trekkie outet (Folge 7):

Captain Kirk is the man. I don’t wanna hear another word about it.

oder sich direkt mit Batman gleichsetzt (Folge 1):

Mike: „Does this mean we’re officially a team now?

Harvey: „I wouldn’t move my things into Wayne Manor just yet.“

Mike: „So now you’re Batman?

Harvey: „I’m closer to him than Clemenza.

Mike: „Oh yeah, Kilmer.

Harvey: „Clooney.“

Mike: „Keaton.

Mir gefällt das extrem gut, weil es die manchmal doch ernsten Fälle auflockert, ohne aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil, es unterstreicht, mit was für Menschen man es hier zu tun hat. Ich sage ja schon immer: „Sag mir, was du im TV/Kino schaust, und ich sag dir, wer du bist“. Das gilt insbesondere für Mike und Harvey, die ihre Dialoge regelmäßig wie hier beschrieben mit Filmzitaten oder -anspielungen aufpeppen. Wenn ich Literaturwissenschaftlerin mit Belehrungsdrang wäre, würde ich jetzt noch was schreiben über postmodernes Erzählen, aber das lasse ich mal bleiben. Stattdessen nehme ich den Humor einfach so hin und erfreue mich daran.

Fazit: Anwaltsserien sind ein Genre, dass ich in meinem Serienprojekt bislang sträflich vernachlässigt habe. Warum eigentlich? Inzwischen weiß ich das auch nicht mehr. Denn Suits ist eine gut gemachte und unterhaltsame Serie, die mich v.a. mit pointierten Dialogen und humorigen Popkulturanspielungen überzeugt. Ähnlich wie ich es schon für Arrow feststellte vor einiger Zeit haben wir es auch bei Suits natürlich nicht mit unglaublich anspruchsvoller Unterhaltung zu tun. Aber ganz ehrlich: Who cares? Und über die Vorzüge gutaussehender Männer in Anzügen schrieb ich ja schon weiter oben…

Vorfreude auf die nächste Staffel: Jap. Mehr davon! VOX zeigt Staffel 2 ab nächsten Montag (20.15 Uhr) in Doppelfolgen.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

6 Kommentare zu „„I don’t have dreams, I have goals.“ – Suits (Staffel 1)

  1. Ich habe die Serie auch vom ersten Augenblick an geliebt – als Donna sagte: „Is there a reason why I should let you in?“ Und Mike mit „Look, I’m just trying to ditch the cops, okay?“ geantwortet hat. 🙂

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    1. Ich war vorher etwas skeptisch und hab mir die erste Folge dann noch ein bisschen lustlos angeschaut, fand es aber auch schnell ziemlich unterhaltsam. Inzwischen gefällt mir die Serie – wie ich ja schon ausführlich schrieb – wirklich gut. Ich gucke gerade auch noch parallel u.a. The Wire und Homeland und Suits ist da immer eine nette Auflockerung zwischen so viel Drama und Düsternis. 😀

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    1. Ich glaube, Harvey ist ein Fall von „harte Schale, weicher Kern“, wie man so schön sagt. Der lässt Mike nicht hängen. Nicht, nachdem er schon so ein großes Risikio eingegangen ist, als er ihn eingestellt hat. Mit wem sollte er sonst auch zusammenarbeiten? Mit Lois wohl kaum…
      Ich hab ja auch angefangen, mich für die Donna-Harvey-Beziehung zu interessieren. Bin gespannt, ob da nochmal was geht in Zukunft. Bei Mike und Rachel ist das ja nur noch eine Frage der Zeit…

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      1. Ah, da weißt du also schon mehr als ich. Hab auch schon überlegt, einfach weiterzugucken und mich nicht an die TV-Ausstrahlung zu halten, weil’s mir so viel Spaß macht gerade…mal sehen. Aber danke fürs nicht-spoilern. 😉 Ich bin allerdings überzeugt, dass sich da in sehr naher Zukunft (sprich: am Anfang von Staffel 2) etwas entwickeln wird bei Mike und Rachel. Nicht von ungefähr sagt er ja schon in der allerersten Folge „I love you“ zu ihr… 🙂

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