Veröffentlicht in Alltag, Prüfungen, Uni

Bibliotheksgeschichten (Teil I)

Bereits vor einiger Zeit schrieb ich ja, dass eine liebe Freundin so begeistert davon ist, in der Bibliothek an ihrer Masterarbeit zu schreiben. Nun gut, sie ist inzwischen fertig, hat die Arbeit abgegeben und befindet sich momentan in einer ausgiebigen Phase des – Achtung, O-Ton – „Freizeitstresses“. Ich bin ja sonst gerne beratungsresistent, durch ihr anhaltendes Schwärmen jedoch hat sie mich dazu gebracht, es auch mal mit dem Schreiben in der Bibliothek zu probieren. Die Ergebnisse könnten nicht schockierender sein.

Innerhalb von gerade mal zwei Wochen (also insgesamt 10 Tagen a jeweils etwa fünf bis sechs Stunden Nettoarbeitszeit – am Wochenende ist Wochenende!) habe ich fast 30 Seiten Text produziert. Und diese bereits auch zwei Mal überarbeitet. 30 Seiten. Wenn ich eine Bachelorarbeit schreiben würde, wäre ich jetzt schon fertig. Ich war ja schon immer tendenziell der Vielschreiber (Ehrlich, wie können Leute Probleme haben, bei einer Hausarbeit die geforderte Seitenzahl vollzukriegen? Ich musste mich immer bremsen…), aber das hat mich doch überrascht. Vielleicht ist es wirklich so, wie eine andere Freundin von mir sagt: „Mein Gott, in der Bibliothek ist es so langweilig – da muss man ja arbeiten!“

Muss man aber offensichtlich nicht, wie ich festgestellt habe. Die Bibliothek ist nämlich nicht nur ein guter Ort zum Schreiben, sondern auch ein hochspannender Ort, um das merkwürdige Verhalten von Kommilitonen zu beobachten. Da ich als Frau selbstverständlich multitaskingfähig bin, kann ich auch beides gleichzeitig. Dabei haben sich spannende Phänomene offenbart.

Phänomen Nr.1: Stundenlanges surfen bei Facebook und Co. Da sitzen sie nun, mit ihrem MacBook, ihrem Smartphone und den Kopfhörern auf. Neben sich zwanzig Bücher und tausend Kopien, verteilt über drei Tische. Gearbeitet wird allerdings nur sporadisch, weil stattdessen fleißig bei Facebook gechattet oder Bilder geliked oder WhatsApp-Nachrichten beantwortet werden müssen. Auch YouTube-Videos kann man sich mit Kopfhörer auf prima anschauen und anhören. Und wenn man dann auf diese Weise so fünf Stunden in der Bibliothek  verbracht und auch drei Sätze für die Hausarbeit geschrieben hat, kann man zufrieden mit sich nach Hause gehen. Man hat viel geschafft, denn man war ja fünf Stunden in der Bibliothek. Selbstbetrug at its best. Das mit Abstand am häufigsten gesehene Phänomen in den letzten zwei Wochen.

Phänomen Nr. 2: Pause! Ja, ich mache auch Pausen. Eine kurze Frühstückspause (Koffein!) und eine längere Mittagspause (Mensa! Frische Luft! Noch mehr Koffein!). Nachmittags schreibe ich so lange, bis ich wieder Hunger habe. Dann gehe ich nach Hause. Bei manchen Kommilitonen drängt sich mir allerdings der Eindruck auf, dass die Zeit in der Bibliothek eigentlich nur aus Pausen besteht. Ist ja auch nett. Ich schreibe in der Fachbibliothek Germanistik (die auch die Fachbibliothek für Geschichte/Latein/Skandinavistik/Islamwissenschaften (!) und Klassische Archäologie (!!) ist, aber das nur am Rande), da kennt man sich. Im Aufenthaltsraum ist eigentlich immer jemand, mit dem man gut plaudern kann. Außerdem gibt es da einen Süßigkeitenautomaten, tolle Sache. Und als Raucher muss man sowieso jede Stunde vor die Tür. Am besten geht das Pausemachen ja, wenn man eh schon mit Freunden zusammen in der Bibliothek sitzt. Dann kann irgendeiner alle halbe Stunde „Pause?“ in die Runde fragen und alle anderen nicken begeistert und erleichtert und springen auf. Ebenfalls zuhauf beobachtet die letzten Tage. Nervt auch gar nicht, wenn ständig Menschentrauben durch die Gegend pilgern.

Phänomen Nr. 3: Stöhnen, jammern, seufzen, Grimassen ziehen. Keiner sagt, dass es Spaß macht den ganzen Tag in der Bibliothek zu sitzen und an einer möglicherweise staubtrockenen Hausarbeit zu schreiben oder für die x-te dämliche und völlig überflüssige Multiple-Choice-Klausur zu lernen. Manche Kommilitonen verfügen über ein ganz erstaunliches Repertoire an Geräuschen und Grimassen, um ihrem Unmut darüber hör- und sichtbar Luft zu machen. Vom tiefen Ein- und geräuschvollen Ausatmen (Schande über mich, das passiert mir auch gelegentlich…) über tiefe Seufzer, genervtes Stöhnen, gequältes Husten und beeindruckende Gesichtsakrobatik habe ich wirklich viel gehört und gesehen in letzter Zeit. Stört allerdings längst nicht so wie Phänomen Nr. 2.

Ich hätte mal doch Soziologie studieren sollen. Verdammt. Werde mit den Beobachtungen fortfahren nächste Woche. Bin mir sicher, dass es da noch mehr Skurriles zu entdecken gibt…

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

7 Kommentare zu „Bibliotheksgeschichten (Teil I)

    1. Ja, Selbstbetrug geht an vielen Orten… 😉
      Ich hab mich ehrlich gesagt nicht überarbeitet die letzten zwei Wochen (wie gesagt, freie Wochenenden und jeden Tag ca. 5 Stunden schreiben). Das geht definitiv noch besser – muss es aber gerade nicht, also kein Stress. 😀

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    1. Uhh, das klingt fies. Ich bin ja nicht so handyabhängig, kenne aber viele echte Smartphonejunkies. Weiß ja nicht, wie du da so drauf bist. 😀
      Ich bin ansonsten ja ein Freund von Ultimaten a la „Kein Facebook bis das Kapitel nicht fertig ist/…bis ich nicht mind. 3 Seiten geschrieben habe/…bis zur Mittagspause“ usw. Bei mit funktioniert das erstaunlich gut. Ansonsten habe ich viele Freunde (s.o.), die ihr Handy z.B. drei Stunden ausmachen beim Lernen, es dann wieder anmachen, Nachrichten schreiben und es wieder ein paar Stunden ausmachen. Man muss sich ja nicht völlig der Cyberumwelt entziehen. 😉

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  1. Haha, habe herzlich gelacht beim Lesen deines Artikels. Zwar habe ich nie in der Bibliothek gearbeitet, weil ich da zuhause auch so ganz gut klarkomme und keinen Bock hab meine wichtigste Waffe (Laptop) immer mitzunehmen. Aber die Phänome 1 und 3 kenne ich von kürzeren Bibliotheksaufenthalten noch ganz gut. 😉
    Das mit dem Freizeitsstress kenne ich aber auch und lebe den gerade auch aus … da merkt man erstmal was alles liegen geblieben ist neben der Arbeit (Warum zur Hölle sieht mein Schrank aus, als hätte da eine Bombe eingeschlagen? Wann habe ich diese ganzen Zeitungen alle NICHT gelesen? Wie – ich hätte was wichtiges beim ???-amt abgeben sollen??? Ehrlich??). Und dann mischen sich dazu vielleicht noch Bewerbungsbemühungen oder sinnlose Besuche bei der Agentur für Arbeit und dann kommen alle und sagen „Ist ja nicht so schlimm, du hast doch jetzt frei“. 😥 Ja, aber ich wollte lustige Sachen machen, wenn ich frei hab … . Luxusprobleme 😉

    Wieviele Seiten müsst ihr da so verfassen bei einer Masterarbeit? Und wie sehr magst du dein Thema bis jetzt (noch)?

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    1. Du solltest mal sehen, wie ich immer voll bepackt in der Bibliothek aufschlage morgens: großer Rucksack plus weitere Tasche voller Bücher. Und dann muss man alles auspacken und die Taschen einschließen und seinen Arbeitsplatz für den Tag einrichten und hinterher wieder alles einpacken und nach Hause schleppen. Das nervt schon, keine Frage. 🙂 Habe aber am Wochenende wieder festgestellt, dass ich zu Hause total abgelenkt und unmotiviert bin (dann fange ich immer an, hier etwas zu schreiben). Da schleppe ich lieber täglich meinen halben Hausstand durch die Gegend… 😀

      Ich habe ehrlich gesagt das Gefühl, dass ich gerade so viel Zeit für mich habe wie noch nie während des Studiums. Endlich komme ich mal dazu, regelmäßig laufen zu gehen und zu lesen (Fernsehen tue ich immer, egal wie viel zu tun ist! :-D). Wenn der Abgabetermin dann näher rückt, wird es bei mir wahrscheinlich auch aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Diese Ämter-Sache kann ich übrigens auch immer gut: „Was, wo muss man das abgeben? Warum? Warum sagt mir das denn keiner?!?“

      Momentan mag ich mein MA-Thema noch sehr, es geht auch gut voran. Nach Ostern beginne ich mit der Umfrage für meinen empirischen Teil. Insgesamt müssen es 80-100 Seiten werden…ich weiß aber jetzt schon, dass es 100 werden, weil ich erst 3 Kapitel (von 7) beendet habe und schon bei 40 Seiten bin. 😀
      Im Sommer habe ich dann aber hoffentlich auch Freizeitstress-Luxusprobleme (obwohl ich mich dann auch mit der Arbeitsagentur rumärgern werde vermutlich. Naja, das verdränge ich noch ein paar Wochen…). Ich hoffe, du kannst ein paar von den schönen Dingen machen, die du machen wolltest – jetzt ist die Zeit dafür (und verdient hast du’s auch!)! 🙂

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