Veröffentlicht in Fernsehserien, Zitate

„You just got Litt up!“ – Suits (Staffel 3)

Nebenfiguren sind so eine Sache. Sie können eine Serie besser machen. Was wären die Gilmore Girls ohne Sookie? The Sopranos ohne Paulie? Sherlock ohne Mrs. Hudson? Oder gar Fringe ohne Astrid? Manchmal finde ich sie aber auch anstrengend, v. a. wenn sie gefühlt wenig zur Handlung beitragen und eigentlich den Hauptdarstellern nur Zeit auf dem Bildschirm stehlen. Skyler in Breaking Bad ist so ein Fall. Auch Jessica Brody in Homeland ging mir zeitweilig auf den Keks. Ebenso wie Louis Litt in der ersten und der zweiten Staffel von Suits, meiner aktuellsten Serienobsession. Mit Staffel drei hat sich dies nun aber geändert. Hier ein Rückblick, der natürlich in keinster Weise spoilerfrei ist.

Die wichtigsten Figuren in Staffel drei sind und bleiben nach wie vor Mike und Harvey. Ihre Beziehung hat sich aber definitiv verändert: Harvey kann Mike nur schwerlich dessen fehlende Loyalität (am Ende von Staffel zwei) verzeihen und so kommt es, dass Mike zunächst für Louis arbeitet. Natürlich währt dieser Zustand nicht lange und schon bald beackern die beiden Vorzeige-Anzugträger wieder gemeinsam einen Fall, in dem es um eine Unternehmerin namens Ava Hessington geht, der von Zeugenbestechung bis hin zu Mord so manches angehängt werden soll. Auch Louis ist in diesen Fall involviert, kümmert sich aber gleichzeitig um die Fusion von Pearson Darby Specter (ja, Harvey hat nun endlich seinen Namen an der Wand!), die einen Kleinkrieg mit seinem englischen Pendant Nigel Nesbitt beinhaltet, der in einen Sorgerechtsstreit um dessen Katze (!) mündet, den Louis verliert. Nichtsdestoweniger wird dies nicht der letzte Schicksalsschlag für den Mann mit dem Diktiergerät sein (on another topic: Erinnert Louis mit seinem Diktiergerät und den Nachrichten für seine Sekretärin Norma darauf noch jemanden an Agent Cooper und seine Tonbänder für Diane in Twin Peaks? Ich finde die Verbindung offensichtlich.), denn ihm stehen in Staffel drei noch ein Herzinfarkt und eine geplatzte Verlobung ins Haus. Aber auch für andere Figuren läuft das Liebesleben nicht besser. Donna beginnt eine Liaison mit Stephen Huntley, einem Antwalt der Kanzlei Darby, der sich als Strippenzieher in Ava Hessingtons Fall entpuppt und schließlich im Gefängnis landet. Harvey lässt sich auf eine ernsthafte Beziehung mit Scottie ein, die nun auch bei Pearson Darby Specter in New York arbeitet – aber beide Verbindlichkeiten (die persönliche und die berufliche) schnell wieder beendet. Lediglich Mikes und Rachels Beziehung übersteht die dritte Staffel; sie ziehen zusammen und Rachel wird an der Columbia Law School ein Jurastudium beginnen.

Betrachtet man den Verlauf der Handlung, so fallen in Staffel drei zwei Dinge auf: Der erste Teil (Folgen 1 bis 10) dreht sich größtenteils um den Hessiongton-Fall sowie die Fusion und direkte Wiederauflösung von Pearson Darby bzw. Pearson Darby Specter bzw. Pearson Specter (komm da noch einer hinterher!). Liebestechnisch stehen Mike und Rachel sowie Donna und Stephen im Fokus. Ab Folge 11 verlagert sich die Erzählung zunehmend auf die Beziehungen von Harvey und Scottie und Louis und Sheila, während bei Mike und Rachel ihre beruflichen Zukunftspläne in den Fokus rücken. Etwas heraus fällt Folge 6, die uns wie auch schon in Staffel zwei einen Flashback in die Vergangenheit der Figuren beschert. Dieses Mal geht es zehn Jahre zurück und die spannendste Enthüllung ist mit Abstand die Tatsache, dass der Zuschauer nun endlich erfährt, was Harvey und Donna meinen, wenn sie über „the other time“ sprechen (und es ist natürlich genau das, was man sich erhofft hat!).

Verwundert hat mich in Staffel drei ein wenig, dass die sonst so zahlreichen und in den vorigen Staffeln omnipräsenten Filmanspielungen weniger geworden sind. Zumindest fühlt es sich für mich so an. Das mag daran liegen, dass die beiden Hauptverantwortlichen Mike und Harvey zunehmend mit anderen Figuren interagieren und weniger gemeinsame Szenen haben. Mike löst sich in Staffel drei beruflich ganz eindeutig ein Stück von Harvey – er ist selbstständiger, darf alleine Fälle bearbeiten und auch mit anderen Partnern zusammenarbeiten. Außerdem ist das Privatleben der Figuren in Staffel drei so wichtig und präsent wie nie zuvor, was als weiterer Grund für den Rückgang dieses doch so charakteristischen Merkmals angesehen werden kann. Scottie und Rachel haben sicherlich ihre Qualitäten, aber spontane Filmzitatkonversationen gehören nicht dazu. Mal sehen, wie sich das in Staffel vier weiterentwickelt. Als Serienjunkie waren meine Highlights im Zitatebereich in Staffel drei definitiv Mikes und Katrinas Anspielungen auf The Wire („Shiiiiiiiiiit!“ – schöne Grüße an Clay Davis!) und The Sopranos sowie ihre Feststellung, dass niemand sich The Wire ansieht ohne zuerst The Sopranos geschaut zu haben (wie wahr…). Großartig war ebenfalls Mikes und Trevors Begegnung mit einem Drogendealer, der sich Omar nennt, weil er von The Wire besessen ist, aber äußerlich leider so gar nichts mit dem großartigen Omar Little gemeinsam hat.

Außergewöhnlich gut gefallen hat mir in Staffel drei – wie oben schon angedeutet – zudem Louis Litts etwas überraschende Wandlung. Hat Staffel zwei dafür gesorgt, dass der Zuschauer Harvey besser kennenlernt und neue Seiten an ihm entdeckt, so kann Staffel drei gut und gerne als die Staffel gelten, in welcher Louis Litt dem Zuschauer ans Herz wächst. Klar, er ist immer noch irgendwie ein Arsch und ein Freak, aber der Sorgerechtsstreit um Nigels Katze, sein Einsatz für Rachel und ihr Jurastudium, seine Beziehung zu Sheila und am Ende der Staffel auch seine entschlossene Hilfe für Mike und Harold lassen dem Zuschauer eigentlich keine andere Wahl mehr als anzuerkennen, dass Louis Litt aus den Geschichten rund um Pearson Specter nicht mehr wegzudenken ist und diese noch ein Stückchen interessanter macht. Für mich ist dies eine der erstaunlichsten Wandlungen einer Nebenfigur, die ich je gesehen habe. Ich bin gespannt darauf, in welche Richtung sich Louis Litt in Staffel vier noch entwickeln wird.

Apropos Staffel vier – dafür würde ich an dieser Stelle gerne ein paar Wünsche äußern: Zunächst hoffe ich inständig, dass die Tatsache, dass Mike und Harvey nun nicht mehr zusammen arbeiten nicht dafür sorgt, dass beide hauptsächlich in getrennten Handlungssträngen auftreten. Gerade zusammen sind sie meines Erachtens unschlagbar unterhaltsam. Ich kann mir deshalb nur schwerlich vorstellen, dass Mike nicht im Laufe der Staffel zu Pearson Specter zurückkehren wird. Zwei Nebenfiguren, die mir in Staffel drei besonders gut gefallen haben und die ich gerne wiedersehen möchte, sind definitiv Rachels Vater Robert Zane (gespielt von Wendell Pierce, den ich in The Wire einfach großartig fand) und Sheila Sasz, Louis scharfzüngige Ex-Verlobte. Ich glaube ja nicht, dass die Geschichte zwischen den beiden schon beendet ist, nein. Da geht noch was. Außerdem wäre es doch auch spannend zu erfahren, ob Norma wirklich das gleiche Schicksal ereilt wie Diane in Twin Peaks und wir sie niemals zu Gesicht bekommen werden. Gerne würde ich ja auch mal jemanden aus Jessicas Privatleben kennenlernen (und nicht nur den toten Exmann). Harveys Bruder wäre auch ein spannender Neuzugang. Oder warum nicht gleich Harveys sagenumwobene Mutter?

Die beiden Fragen aller Fragen in Suits wurden natürlich auch in Staffel drei nicht beantwortet und es ist fraglich, ob dies in Staffel vier passieren wird:

Werden Harvey und Donna jemals zusammenkommen?

Und noch viel wichtiger: Was zur Hölle tun sie mit dem Dosenöffner?!?

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

14 Kommentare zu „„You just got Litt up!“ – Suits (Staffel 3)

  1. Oh je, ich merk gerade, dass es eindeutig schon wieder viel zu lange her ist, dass ich die 3. Staffel gesehen hab… bevor ich endlich mal dazukommen solle, Staffel 4 zu schauen, muss ich mir unbedingt die 3. nochmal anschauen und sei es nur die letzte Folge, um wieder up-to-date zu sein 😉
    Aber du hast Recht, Louis ist mir in dieser Staffel auch rictig ans Herz gewachsen, ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde 😉

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    1. Das hätte ich nämlich auch nie gedacht! Wenn man sich Staffel 1 anguckt, hält man es nicht für möglich, dass Louis sich mal so wandeln würde. Das finde ich schon ziemlich beeindruckend und eine schlaue Entwicklung. Bin auch schon sehr gespannt auf Staffel 4. Bis dahin guck ich mir die dritte Staffel wohl auch nochmal an. 😀

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      1. Fringe könnte was sein aber ansonsten nicht so meine Welt 😉

        Ich schaue Sachen wie Walking Dead, Game of Thrones, Penny Dreadfull, The 100, The Last Ship, Elementary, Ripper Street, Defiance, Dracula usw…..

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    1. Also mir gefällt sie, ich finde sie sehr kurzweilig und perfekt für einen unterhaltsamen Fernsehabend.
      Und für Freunde von Filmzitaten sind v. a. die ersten beiden Staffeln wirklich eine wahre Freude. Wenn ich mich recht erinnere, bist du ja auch so einer, oder? 🙂

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