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Hotelgeschichten (2) – Wie man sich beim Housekeepingpersonal (un)beliebt macht

In der Reihe „Hotelgeschichten“ berichte ich in loser Folge von den Erlebnissen bei meiner Tätigkeit im Housekeeping eines kleinen 3***-Hotels. Nachdem es in Teil 1 einen generellen Einblick in den Aufgabenbereich der Zimmermädchen/Roomboys gab, widmet sich Teil 2 den Gästen und möchte vor allem der Frage nachgehen, wie man es als Hotelgast mit einigen simplen Tipps und Tricks schaffen kann, das Housekeepingpersonal geschickt auf seine Seite zu ziehen – oder aber auch mit wenigen Verhaltensweisen gegen sich aufzubringen.

Das Hotel, in dem ich arbeite, liegt etwas außerhalb der Stadt und wird unter der Woche hauptsächlich von Geschäftsreisenden besucht. Diese schätzen vermutlich die nächtliche Ruhe und das gute Essen – anders kann ich mir die Wahl eines solch doch recht abseits gelegenen Nächtigungsortes nicht erklären. In der Hochsaison und am Wochenende verirren sich auch ab und an Pärchen oder gar Familien mit Kindern dorthin.

Wenn ich den typischen Gast beschreiben sollte, so würde ich diesen wie folgt charakterisieren: Er ist männlich, ist zwischen 35 und 55 Jahren alt, ist beruflich vermutlich in mittlerer bis leitender Position tätig (Anreise im Firmenwagen) und ist ausschließlich geschäftlich in der Stadt. Da seine Unterbringung von der Firma bezahlt wird, nächtigt er komfortabel in einem Doppelzimmer, obwohl er natürlich allein reist. Im Zimmer finden sich wenige persönliche Gegenstände (ein paar Schuhe, evtl. etwas Kleidung über dem Stuhl oder Sessel, ein Buch/ein Wirtschaftsmagazin/eine intellektuell anspruchsvolle Tageszeitung auf dem Nachttisch), im Bad zumeist nur eine Zahnbürse und die Kosmetiktasche auf dem Waschbecken sowie etwas zum Duschen in der Dusche oder Wanne. Der vielbeschäftigte Geschäftsreisende frühstückt bereits früh am Morgen zwischen 7.00 und 7.30 Uhr und verlässt das Hotel in Richtung nächstem Geschäftstermin spätestens gegen 8.00 Uhr. Zurück kehrt er erst am Abend.

Ist der hier beschriebene standardisierte Gast – der so extrem natürlich nicht existiert! – mit einem solchen Verhalten nun jemand, der den Zimmermädchen ihren Job leicht oder schwer macht? Sagen wir es so: Er macht schon einmal Vieles richtig! Früh das Haus verlassen, spät wiederkommen, wenig Gegenstände herumliegen lassen – top! Damit können wir getrost unsere Tipps&Tricks-Liste beginnen…

„Ich bin Gast in einem Hotel und großer Fan des Housekeepingpersonals! Die leisten wirklich tolle Arbeit jeden Tag! Und so mache ich den Damen und Herren ihren manchmal doch beschwerlichen Job ein wenig leichter:

  • Ich stehe früh auf und verlasse mein Zimmer im Laufe des Vormittags, möglichst deutlich vor 12 Uhr. Ich weiß, dass die meisten Angestellten in Teilzeit oder als Aushilfen arbeiten und mittags bereits Feierabend haben. Sie bekommen ein Problem, wenn ein „Stubenhocker“ sie nicht ihre Arbeit verrichten lässt und das möchte ich nicht.
  • Möchte ich ausschlafen oder den Vormittag ungestört in meinem Zimmer arbeiten, so hänge ich das „Bitte nicht stören“-Schild an die Tür. Habe ich mich dafür entschieden, bleibe ich auch konsequent dabei und verzichte an diesem Tag auf den Service. Das Schild lasse ich also den ganzen Tag hängen und entferne es auch nicht, wenn ich z. B. um 13 Uhr das Hotel verlasse. Dann müsste nämlich eine Mitarbeiterin des Spätdienstes dieses Zimmer noch zusätzlich säubern, obwohl für sie am Nachmittag andere Tätigkeiten vorgesehen waren (Wäsche, Vorräte sortieren und auffüllen, Flure säubern,…).
  • Habe ich vergessen, das „Bitte nicht stören“-Schild an die Tür zu hängen und klopft das freundliche Personal darum an meine Zimmertür, während ich noch im Zimmer weile, so begegne ich diesem höflich und mit Respekt. Keinesfalls brülle ich „Nein!“, „Jetzt nicht!“ oder „Ich geh in ner Stunde, kommen Sie dann wieder!“ durch die geschlossene Tür. Das ist einfach nur unhöflich.
  • Verlasse ich das Zimmer, so öffne ich das Fenster. Dann ist bereits gut gelüftet, wenn das Zimmer gereinigt wird und das Personal kann in einer angenehmen Atmosphäre zu Werke gehen. Bei Minusgraden oder Sturm verzichte ich natürlich drauf.
  • Müll werfe ich in den Mülleimer und verteile ihn nicht dekorativ im gesamten Raum. Das mache ich zu Hause ja auch nicht.
  • Bücher, Zeitschriften u. ä. lagere ich auf dem Nachttisch und nicht im Bett. Das Personal darf meine Besitztümer schließlich nicht anfassen und außerdem stelle ich so sicher, dass abends ein gemachtes Bett und ein Stück Schokolade auf mich warten.
  • Schlafe ich als Einzelperson in einem Doppelzimmer, so bemühe ich mich, das zweite Bett nicht ebenfalls zu verwüsten. Ich wuchte auch nicht meine Koffer auf das unbenutzte Bett, weil ich weiß, dass dieses Bett bei meiner Abreise dank der entstandenen Falten ebenfalls komplett neu bezogen werden muss.
  • Meine Kleidung lasse ich im Koffer oder hänge sie in den Schrank. Keinesfalls verteile ich diese auf dem Fußboden, sodass das Personal um diese herumstaubsaugen muss.
  • Im Bad lasse ich so wenig Kosmetikartikel wie möglich herumliegen. Die Belohnung in Form eines komplett gesäuberten Waschbeckens erwartet mich bei meiner Rückkehr.
  • Toilettenspülungen finde ich großartig und ich betätige diese viel und gerne. Manchmal auch mehrfach, einfach nur zum Spaß und zur Sicherheit. Auch Klobürsten finde ich toll und ich plädiere für eine eifrige Benutzung dieses nützlichen Utensils.
  • Nach dem Duschen lasse ich das Wasser noch ein, zwei Minuten weiterlaufen. So stelle ich sicher, dass keine Schaumberge zurückbleiben, die das Hauspersonal minutenlang beseitigen muss und deswegen in Zeitnot gerät.
  • Duschtüren und Duschvorhänge sind meine besten Freunde. Niemand mag schließlich überflutete Bäder!
  • Möchte ich neue Handtücher, so lege ich diese auf den Boden. Es ist nicht nötig, die Handtücher extra so aufzuhängen, dass das Personal die Flecken sieht. Es versorgt mich schließlich gerne mit frischer Wäsche!
  • Bei meiner Abreise – und erst dann!lasse ich dem Housekeepingpersonal ein angemessenes Trinkgeld da. Zwei Euro für jeden Tag, an dem ich den Service erhalten habe, finde ich nicht übertrieben. Das Geld lasse ich direkt im Zimmer auf dem Nachttisch (oder dem Schreibtisch oder zur Not auch dem Bett) liegen. Über ein kurzes „Danke!“ auf einem Notizzettel freuen sich die MitarbeiterInnen ebenfalls immer sehr. Keinesfalls gebe ich das Trinkgeld für das Housekeepingpersonal beim Auschecken an der Rezeption – dann wandert es nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit einfach in die Kasse der Rezeptionsmitarbeiter und die fleißigen Bettenmacher und Badputzer sehen davon keinen Cent…“

 Weiter geht es demnächst mit…

Teil 3: Ein Hotel besteht nicht nur aus Zimmer – Was es sonst noch zu tun gibt und warum keiner merkt, wieviel Arbeit das ist.

Teil 4: Sammelsurium der Merkwürdigkeiten – Dinge, die man nur erlebt, wenn man im Housekeeping arbeitet.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

13 Kommentare zu „Hotelgeschichten (2) – Wie man sich beim Housekeepingpersonal (un)beliebt macht

  1. Danke für die Einsichten! Da ich bisher noch nie im Hotel genächtigt habe, werde ich mir deine Tips zu Herzen nehmen und bei künftiger Gelegenheit auch anwenden. 🙂
    Also, diejenigen, die sich nicht bereits von selbst verstehen – Klo und Müll, echt jetzt?! 😯

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    1. Klo und Müll – ja, da fragt man sich auch immer, ob die Menschen das zu Hause auch so handhaben… :-/
      Beim Müll ist das Paradoxe ja noch, dass wir tatsächlich nur den Mülleimer leeren dürfen und alles, was daneben oder irgendwo anders im Zimmer liegt, nicht mitnehmen dürfen. Könnte ja sein, dass der Gast seine leeren Chipstüten usw. noch behalten will…

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      1. Besser nicht vorstellen, wie die zu Hause leben. Wobei, manchmal sind das dann genau die, die zu Hause auf jedes Staubkorn achten und ultranervige Putzteufel sind…

        Hm, sag bloß, du kennst das nicht, leere Chipstüten zu sammeln und aufzubewahren? 😯
        Das ist doch voll der neue Trend! „Schaut her, wie viele Chips ich futtere, obwohl ich in size 0 passe!“. XD

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      2. Das denken wir uns auch manchmal – dass die richtigen Hotelchaoten zu Hause entweder total ordentlich sind oder dort auch jemanden haben, der ihnen permanent hinterherräumt. 😀

        Den Trend mit den Chipstüten habe ich wohl völlig verpasst. Aber ich bin immer spät dran mit sowas. Werde dann also jetzt mit dem Sammeln beginnen. 😀

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  2. @Trinkgeld: In den USA würde ich zur Sicherheit jeden Tag Trinkgeld z. B. aufs Bett legen. Ich habe dort schon erlebt, dass ich keine frischen Handtücher oder neues Klopapier bekam, wenn ich das nicht gemacht habe. 😉

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    1. Oha, das sind ja raue Sitten… 😀

      Bei uns ist es so, dass wir das Geld nicht annehmen dürfen, wenn der Gast noch eine oder mehrere Nächte bleibt. Wenn Geld auf dem Nachttisch oder dem Bett liegt, können wir ja nicht 100% sicher sein, dass es auch für uns bestimmt ist. Vielleicht hat dort nur jemand sein Kleingeld aus dem Portmonee geräumt…

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  3. Sehr interessanter Artikel. Ich glaube, dann war ich bisher kein schlechter Gast als ich während meiner Dienstreisezeit jede Woche in Hotels gewohnt habe. Trotz des netten Personals und der angenehmen Atmosphäre sehne ich mich allerdings nicht nach dieser Zeit …

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    1. Hab ich mir gedacht, dass du bestimmt ein toller Hotelgast warst und bist. 🙂
      Ich kann aber verstehen, dass du dich nicht nach der Dienstreisezeit sehnst. Ist ja nett, mal woanders zu sein, aber in einem Hotelzimmer könnte ich mich auch nicht heimisch fühlen. Stelle ich mir schwer vor, nach einem anstrengenden Arbeitstag da zur Ruhe zu kommen…

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  4. Ein wirklich guter Artikel, nur eines habe ich nicht verstanden, weshalb soll ich dem Personal sein Trinkgeld nicht schon ,wenigstens teilweise geben,wenn ich noch Gast bin? Ich habe es immer so erledigt,daß das personal nach spätestens 3 Tagen , schon einmal eine „Anzahlung“ bekommen hat. LG KuR

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    1. Dankeschön! 🙂

      An sich ist nichts falsch daran, dem Personal schon zwischendurch Trinkgeld zu geben. Zumindest in dem Hotel, in dem ich arbeite, dürfen wir es dann aber nur annehmen, wenn die Gäste explizit gekennzeichnet haben, dass das Geld für das Personal bestimmt ist (z.B. indem sie einen Zettel daneben legen, auf dem „Trinkgeld“ steht). Liegt das Geld lose auf dem Nachttisch o.ä. können wir nicht sicher sein, dass es auch wirklich für uns bestimmt ist. Vielleicht hat der Gast ja auch nur zu viel Kleingeld im Portmonee gehabt und es vorübergehend ausgeleert. Dann könnte man uns des Diebstahls bezichtigen. Deshalb gilt bei uns diese Regelung.

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