Veröffentlicht in Fernsehserien, Freizeit

Seri(e)ös: True Detective (Staffel 1)

Ich kenne mich nicht so richtig aus in Hollywood. Bis vor ein paar Jahren war es für die großen Stars ja geradezu verpönt, in einer TV-Serie mitzuspielen. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert – Breaking Bad & Co. sei Dank – und so kommt es, dass mir nun bisweilen auch Hollywood-Kaliber wie Matthew McConaughey auf meinem Bildschirm begegnen. Neulich Abend habe ich bestimmt zehn Minuten darüber nachgedacht, ob ich den Mann schon einmal in irgendeinem Film gesehen habe. Die Wahrscheinlichkeit war eher gering, denn wie man weiß, schaue ich nur sehr, sehr selten mal einen Film. Kurzzeitig war ich fest davon überzeugt, dass er in Liebe braucht keine Ferien mitgespielt hat. Bis mir einfiel, dass das Jude Law war. So viel dazu.

So begegne ich Matthew McConaughey nun also das erste Mal in HBOs Anthologieserie True Detective. Nicht nur ob des hochkarätigen Hauptdarstellers hatte ich hohe Erwartungen an diese Serie. Alles, was mir bislang darüber zu Ohren kam, war durchweg positiv, ja begeistert. Zudem ist HBO ein Garant für gelungene Fernsehunterhaltung, zeichnet der Sender doch verwantwortlich für Perlen wie The Sopranos, The Wire oder Six Feet Under. Schrieb ich neulich noch, ich hätte diesen Sommer kein richtiges mediales Highlight, hat diese Staffel dazu durchaus das Potenzial. Ob sie den hohen Ansprüchen gerecht wurde?

(Achtung, der restliche Beitrag kann Spoiler zur Handlung enthalten!)

True Detective erzählt die Geschichte um einen mysteriösen Mord an einer jungen Frau im Jahr 1995, der mit einem Ritual oder Kult in Beziehung zu stehen scheint. Verantwortlich für die Ermittlungen sind die Detectives Cohle (M. McConaughey) und Hart (Woody Harrelson), die noch nicht lange Partner sind und den Fall schließlich heldenhaft aufklären. Geschickt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt: Cohle und Hart werden im Jahr 2012 – sie sind inzwischen beide keine Detectives mehr – getrennt voneinander von ihren Nachfolgern zu den Geschehnissen im Jahr 1995 befragt. Der Zuschauer bekommt diese Geschehnisse und die Klärung des Mordes in Rückblenden präsentiert. Erst nach einigen Folgen wird klar, warum man Cohle und Hart befragt. Es hat einen weiteren Mord gegeben…

Die zwei Zeitachsen holen sich am Ende der Staffel ein und die Geschichte läuft in der Gegenwart weiter. Das tut der Spannung keinerlei Abbruch, denn wie auch in den ersten Folgen wird sie durch die Erzählweise geschickt aufrecht erhalten. Mal weiß man als Zuschauer weniger als Cohle und Hart, mal mehr als einer von ihnen, mal mehr als beide. Fast könnte man von einem unzuverlässigen Erzähler sprechen, wenn etwa bestimmte Ermittlungsergebnisse so präsentiert werden, dass auf einmal der Eindruck entsteht, auch einer der beiden Detectives hätte 1995 der Mörder sein können. Solche Wendungen lassen es mir kalt den Rücken herunterlaufen und mich mit offenem Mund vor dem TV zurück.

Apropos kalt den Rücken herunterlaufen: Die düstere Geschichte wird verpackt in stimmungsvolle, teilweise fast mystische Südstaatenbilder. Das ländliche Louisiana als Kulisse für diese Geschehnisse war die perfekte Wahl. Weite Felder, heuntergekommene Industrie, Einsamkeit, rosafarbene Himmel, es ist alles da, bereits im Vorspann. HBO eben. Auch die beiden Detectives fügen sich hier perfekt ein, sind sie doch ebenso Projektionsfläche für den Ermittlungsstand wie die Landschaft. Je länger die Ermittlungen andauern, desto größer werden Cohles Augenringe und Paranoia und desto schlechter läuft es in Harts Ehe.

Neben der spannend erzählten Geschichte und den sehenswerten Bildern sind es vor allem die beiden Hauptfiguren und ihre Beziehung zueinander, die diese acht Folgen so sehenswert machen. Cohle und Hart, zwei völlig unterschiedliche Typen, auf ewig verbunden durch ihre gemeinsamen intensiven und gefährlichen Ermittlungen im Mordfall 1995. Hatte ich McConaughey vorher noch nie in einem Film gesehen, habe ich nun wirklich Lust darauf, ihn mir in anderen Produktionen anzuschauen, denn in True Detective überzeugt er auf ganzer Linie. Den ambitionierter Detective nimmt man ihm genauso ab wie den halb verwahrlosten Herumtreiber, der sein Leben nicht im Griff hat und den die Geschehnisse in der Vergangenheit nie losgelassen haben.

So habe ich es dann doch noch gefunden, mein mediales Sommerhighlight. Wer auf der Suche ist nach spannender und anspruchsvoller Unterhaltung mit Überraschungseffekt, dem sei die erste Staffel True Detective unumwunden empfohlen.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

14 Kommentare zu „Seri(e)ös: True Detective (Staffel 1)

    1. Das ist natürlich bei diesen Anthologieserien immer die Gefahr: Dass einen das komplett neue Setting nicht packt. Darum schiebe ich auch gerade Fargo, Staffel 2, noch ein bisschen vor mir her. Staffel 1 war so stark, dass die nächste Staffel dagegen eigentlich nur verlieren kann.
      Wortman schrieb mir gerade, ihm habe Staffel 2 von True Detective gut gefallen. Da scheiden sich offenbar die Geister.

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