Veröffentlicht in Krimskrams, Referendariat

„Sei Pippi, nicht Annika!“ – Von der Krise zum Neuanfang

Erinnert ihr euch noch? Im Juli schrieb ich einen Beitrag über das Thema Selbstbestimmung. Es brannte mir unter den Nägeln damals dieses Thema, hat mich nicht losgelassen und der Beitrag schrieb sich darum fast von selbst. Ich habe darin gefordert, dass Menschen sich mehr zutrauen, mehr an sich glauben sollten; dass sie ihren Leidenschaften folgen und sich nicht von gesellschaftlichen Konventionen daran hindern lassen mögen; dass Scheitern okay und als Chance begriffen werden sollte. Viele Rückmeldungen gabe es dazu, 17 likes und 38 Kommentare. Es ist einer meiner liebsten Beiträge inzwischen, weil er mir so wichtig ist. Die Botschaft ist mir wichtig. Und auch für mich persönlich war dieser Beitrag sehr wichtig.

Sei Pippi, nicht Annika!

Entstanden ist er in einer Phase, in der es mir nicht gut ging und ich sehr unglücklich mit meiner beruflichen Situation war. Als dann noch ein Todesfall in der Familie hinzukam, hat dieser das Fass zum Überlaufen gebracht. Ihr wisst, was dann passiert ist: Nach langem Hadern und Abwägen habe ich gekündigt. Habe den vermeintlichen Traumberuf Lehrerin freiwillig aufgegeben, inklusive 12 Wochen Ferien, Lebenszeitverbeamtung und A13. Heute weiß ich: Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Nicht nur, dass ich den Beruf aufgegeben habe, sondern auch wie ich ihn aufgegeben habe. Ich habe gekündigt. Ich wurde nicht entlassen. Es wurde mir nicht zur Kündigung geraten. Ich bin auch nicht durchs Staatsexamen gefallen. Die Schule und Kollegen haben meine Kündigung bedauert; Fachleiter haben mir bescheinigt, dass ich den Abschluss hätte schaffen können. Wollte ich aber nicht. Kraft, Nerven und Zeit in einen Abschluss zu stecken, der mir nichts bedeutet, konnte ich nicht mehr ertragen, erschien mir sinnlos und fast als Strafe.

Es folgte eine Phase, in der ich mich erstmal berappeln und durchatmen musste. Das war nicht ganz leicht, aber ich hatte Unterstützung von Familie und Freunden und so konnte ich bald meine neu gewonnene Freiheit produktiv nutzen. Nachdem mein erster beruflicher Versuch ein solcher Reinfall war, war mir klar, dass ich meinen Leidenschaften folgen muss, wenn ich beruflich glücklich werden will. Und meine Leidenschaft, das ist genau das hier: Schreiben. Mit Worten kreativ sein. Ideen und Meinungen aufs digitale Papier bringen. Also schrieb ich Bewerbungen an Unternehmen, die genau das tun. Dabei spielte ich von Anfang an mit offenen Karten: In meinem Lebenslauf steht, dass ich meine Stelle als Referendarin selbst gekündigt habe. Es steht dort auch, dass ich kein 2. Staatsexamen habe. Das finde ich nur fair: Wer mich einlädt, soll das bewusst tun – und nicht, weil er oder sie denkt, ich hätte eben dieses Staatsexamen. Neun Bewerbungen habe ich geschrieben, sechs davon initiativ. Das Ergebnis: fünf Mal keine Reaktion, eine direkte Absage, zwei Vorstellungsgespräche, eine weitere Einladung zu einem Casting (beim Radio). Einem der Vorstellungsgespräche folgte das Angebot, zwei Tage zur Probe zu arbeiten. Diese zwei Tage waren aufregend, anregend, zwischenmenschlich sehr nett und ich habe das getan, was ich gerne mache: Geschrieben. Den ganzen Tag. Am Ende von Tag zwei wurde mir gesagt, dass ich das auch sehr gut könne. Dann bot man mir einen Job an.

Jetzt ist er unterschrieben, der Arbeitsvertrag, und ab November werde ich als Online-Redakteurin arbeiten, v. a. im Bereich Social Media. Es ist ein kompletter beruflicher Neuanfang und ich habe ihn (fast) ganz allein geschafft. Habe mich aus meiner Unzufriedenheit herausgearbeitet; habe alle verwaltungstechnischen Hürden gemeistert – ihr wollt nicht wissen, was es für einen Rattenschwanz nach sich zieht, wenn man als Beamter kündigt – und es komplett ohne finanzielle Unterstützung vom Staat geschafft; habe mir Firmen gesucht, bei denen ich wirklich gerne arbeiten möchte; habe viel Zeit und Mühe in die Bewerbungen gesteckt und – am allerwichtigsten! – habe immer daran geglaubt, dass das der richtige Weg für mich ist und er funktioneren wird. So überzeugt davon war ich, dass nicht mal die Sachbearbeiterin in der Arbeitsagentur mich demotivieren konnte, indem sie mir erklärte, dass ich auf dem Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln sei und alleine kaum einen Job finden könne. Erbost bin ich nach dieser Ansprache gegangen. Wahrscheinlich existiert dort nun eine rote Akte mit meinem Namen, in der mein Unwille zur „Mitarbeit“, wie es so schön heißt, dokumentiert ist. Es könnte mir nicht egaler sein.

Ich weiß, dass ich viel Glück hatte, diesen Job zu finden. Aber ich glaube auch an das Glück des Tüchtigen. Und inzwischen v. a. auch an das Glück des Mutigen. Krisen bieten unheimlich viele Chancen und ganz viel Potential, etwas zu ändern, mit dem man schon lange nicht mehr glücklich war. Sie sind letztlich oft nur das Endprodukt einer Phase der Unzufriedenheit. Manchmal denke ich, ich bin jetzt ein anderer Mensch. Auch Freunde sagen mir, ich wäre verändert: fröhlicher, selbstsicherer, selbstbewusster, gleichzeitig entspannter und offener. Und das stimmt. Ich weiß jetzt so gut wie vielleicht noch nie zuvor in meinem Leben, wer ich bin und habe auch erstmals wirklich eine Idee davon, in welche Richtung sich mein Berufsleben entwickeln kann. Ich habe Lust darauf, Neues zu entdecken und Dinge zu tun, die ich noch nie getan habe, beruflich und privat. Ich möchte so viel Ausprobieren: einen Nähkurs machen, Stricken lernen, eine neue Sportart für mich entdecken, vielleicht – obwohl ich völlig talentfrei bin – mal wieder in einem Chor singen, mit dem Herrn Koch einen Tanzkurs nach dem Nächsten absolvieren, einen eigenen Garten anlegen und pflegen, verreisen an fremde Orte und und und. Diese Lebensphase bringt Veränderungen mit sich, die fast alle Lebensbereiche betreffen. Und obwohl ich Veränderungen eigentlich hasse und sie insgeheim auch fürchte, sind sie doch das, was uns im Leben voranbringt und uns neue Seiten an uns selbst entdecken lässt. Ich habe sie inzwischen wiedergefunden, meine innere Pippi, und werde dafür sorgen, dass wir beide uns nicht noch einmal verlieren.

Danke an alle, die mich in den letzten Wochen und Monaten hier begleitet und ebenfalls an mich geglaubt haben. Eure Wünsche und das Daumendrücken haben geholfen! 🙂

Habt ihr auch schon einmal eine (berufliche) Krise überwunden und seid gestärkt daraus hervorgegangen? Was tut ihr, um eure innere Pippi nicht zu verlieren?

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

53 Kommentare zu „„Sei Pippi, nicht Annika!“ – Von der Krise zum Neuanfang

  1. Wow, das liest sich so famos. Ich freue mich sehr für dich. Einfach nur klasse, mutig und bewundernswert, dass du solch einen Neuanfang gewagt und aktiv gefunden hast. Du bist Pippi! 😀

    Interessanterweise denke ich mir in letzter Zeit öfter, wie es doch gewesen wäre, wenn ich meine zweite Möglichkeit gewählt hätte, eben Grundschullehrer zu werden. Also quasi andersrum (ich habe vor drei Jahren in meiner Firma als Social-Media-Redakteur angefangen, betreue inzwischen aber die gesamte Unternehmenskommunikation). Manchmal denke ich, dass ich als Lehrer vielleicht glücklicher gewesen wäre, kann es aber nicht sagen. Zumindest nicht genug für einen Neuanfang… 😉

    Insofern klasse und weiterhin viel Spaß und Erfolg in deinem neuen Job! 🙂

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    1. Ich bin Pippi! 😀
      Danke dir! Es hat mir wirklich geholfen, dass du und eigentlich alle hier so positiv und unterstützend waren. Toll, was sich für eine Gemeinschaft entwickelt hat. 🙂
      Toll ist es natürlich auch, dass wir jetzt sozusagen Kollegen im Geiste sind! Auch wenn du jetzt zum Chef der Unternehmenskommunikation aufgestiegen bist (Wow!), sind wir ja doch im selben Arbeitsfeld tätig. Da weiß ich ja, wen ich fragen muss, wenn ich mal nicht weiter weiß oder einen Job in Süddeutschland brauche. 😉
      Gibt es einen Grund dafür, dass du gerade jetzt darüber nachdenkst, wie es dir als Lehrer ergangen wäre? Ich muss dir ja nicht sagen, dass als Lehrer auch nicht alles Gold ist, was glänzt, das kannst du dir zu Hause bei deiner Frau angucken. Ich für meinen Teil bin sehr froh, dem Lehrersein und denn durchgearbeiteten Wochenenden und Ferien entronnen zu sein. Echte Freizeit ist so viel mehr wert als A13…

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      1. Ach, ich habe einfach das Gefühl, dass die Arbeit mit Kindern sinnvoller sein könnte, als sich zwischen oberem Management und Mitarbeitern zu zerreißen… aber das Gras auf der anderen Seite ist eben immer grüner… 😉

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      2. Hmm, da ist bestimmt was dran. Nicht umsonst möchte man meist die Dinge, die man nicht (so leicht) haben kann. Die Sinnfrage ist und bleibt allerdings eine ganz schwierige. Aber wer weiß, wohin sich dein Berufsleben nochmal entwickelt. Ist ja heutzutage eigentlich nichts in Stein gemeißelt. Vielleicht machst du irgendwann mal Öffentlichkeitsarbeit für Schulen? 😉

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    1. Dankeschön! 🙂 ich stimme dir absolut zu: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
      Natürlich gibt es immer Faktoren, die solch ein Wagnis wie meines praktisch ausschließen (wenn man z.B. Kinder hat, die versorgt werden müssen). Aber solange es nur einen selbst betrifft – warum soll man dann in einer unglücklichen Situation bleiben? Ein bisschen Mut und Wille zur Selbstverwirklichung sind nicht verkehrt. 🙂

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  2. „…Aber ich glaube auch an das Glück des Tüchtigen. Und inzwischen v. a. auch an das Glück des Mutigen. Krisen bieten unheimlich viele Chancen und ganz viel Potential, etwas zu ändern, mit dem man schon lange nicht mehr glücklich war…“

    Damit hast du alles gesagt, was es zu sagen gebe 😉
    Ich freu mich für dich, dass es letztendlich so gut geklappt hat und du einen Job gefunden hast, der dich wirklich interessiert. Das macht das Arbeiten weitaus einfacher und effektiver. Glückwunsch.

    Mit einer beruflichen Krise kann ich leider nicht dienen. Meine Kündigungen kamen immer von mir selber. Ich bin noch nie irgendwo raus geflogen. Diese Kündigungen waren auch keine nach elenden Grabenkämpfen etc. Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf den job. Ok, die letzte Kündigung war natürlich wegen meiner Maus. sie wollte heim nach Bayern. Aber, wir haben selbst das gemeistert und inzwischen ist es sogar der absolute Glückstreffer, den wir hätten machen können.
    Meine alte Firma im Norden hatte in der Zwischenzeit Insolvenz angemeldet und viele alte Kollegen mussten gehen. Ich hab einen interessanten Job am Flughafen und meine Maus ist von der „rechten Hand des Verwaltungschefs“ inzwischen die kaufm. Geschäftsführerin eines Forschungsinstitutes.
    Die lange Durststrecke beim Start in Bayern hat sich inzwischen zu einer wahren Glücksinsel geändert. Eben, wie du sagtest, wenn man das macht, was einem am Herzen liegt und letztendlich der gewünschte Job dabei herauskommt.

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    1. Danke dir! Ich bin auch wirklich froh, dass sich alles so zum Guten gewendet hat jetzt und meine kleine Krise so klein und kurz blieb. Ich vermisse sie nicht, die Krise. 😉
      Euer Umzug nach Bayern ist ja letztlich auch so eine Geschichte, bei dir ihr alles auf eine Karte gesetzt habt und es sich am Ende voll ausgezahlt hat. Wenn man etwas möchte, dann findet man einen Weg, überall und immer. Wenn ihr in Norddeutschland geblieben wärt, dann hättest du nach der Insolvenz bestimmt auch wieder etwas Passendes gefunden. Viele ist eine Frage des Wollens und der Einstellung.

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      1. Wahrscheinlich hätte man da auch wieder was gefunden bzw. ich. Aber das ist außerhalb des Denkradius 🙂
        Es war ein Sprung ins eiskalte Wasser und der hat sich letztendlich bezahlt gemacht. Wir sind auch nicht so jung wie ihr 😉

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      2. Naja, manchmal fühle ich mich auch schon richtig alt. Gerade gibt es erste Planungen für ein Klassentreffen zum 10-jährigen Abi. Das lässt mich dann schon grübeln, wo die Zeit geblieben ist…

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  3. Willkommen im Club. Das Netz wird echt immer pädagogischer. Aber ich kenne das Gefühl genau, was du meinst. Dass schreiben glücklich macht und erfüllt … Und dass es genau das ist, was man beruflich tun will. Wie du spüre ich das Wiederaufleben … Und es erfasst das ganze Leben. Genieß das Gefühl.
    Und wie ich meine innere Pippi bei Laune halte? Ich tue wieder, woran ich Spaß habe, bin weniger verkrampft … Probiere neues aus. Ich nehme also einfach Schwung mit, weil ich weiß, dass irgendwann wieder ein Loch kommen wird (ich kenne mich). Aber wenn ich genug Vorrat sammle, dann strahle ich es einfach von innen weg. Kurz: Ich rede mir ein, dass die Welt mir zu Füßen liegt und handle entsprechend. 🙂

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    1. Ein gutes Gefühl, oder? Dieses Wiederaufleben des ganzen Lebens? Das hast du schön gesagt und damit auch völlig recht. Gerade geht mir alles leicht von der Hand, auch diese ganzen eigentlich nervigen Dinge (Krankenkassenwechsel, Formulare und so…). Ich mache es wie du und schmiede Pläne und probiere Neues und denke nicht so viel nach. Schon gar nicht darüber, was andere über mich denken könnten. Das macht total frei und auch selbstbewusst. Diesen Schwung muss ich jetzt auf jeden Fall in meinen ab November neuen Alltag mitnehmen. Aber das wird klappen, denke ich. Und wenn ich mal Zweifel habe, rede ich mir auch ein, dass mir die Welt zu Füßen liegt. 😉

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      1. Genau. Was du geschafft hast, nimmt dir keiner mehr weg, das ist etwas, wovon man zehren kann. Bei mir hält der Schwung schon eine ganze Weile, obwohl ich auch den Papierkram hatte, von dem du sprichst.

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      2. Super, dann kann man den Schwung also mitnehmen! Das höre ich gern. Ich muss nächste Woche noch eine nervige Papierkriegsache erledigen und dann war es das hoffentlich auch erstmal. Reicht jetzt auch…

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  4. Oh interessant!!!! Auch im Club der freiheitsliebenden Lehrer, die Vater Staat nicht heiraten möchten und ihm als treuer Diener hörig sein möchten. Ich bin nicht die Einzige, die sich dagegen entschieden hat. Allerdings habe ich das nach dem Ref gemacht, habe auch Germanistik, aber Anglistik anstatt Spanisch und drei weitere Fächer, da auf GS und Sekundarstufe bis Klasse 10. Ich hab nach dem Ref die Klamotten gepackt, habe meine Vertrag auf Bitte nicht verlängert, Wohnung gekündigt, Auto abgemeldet, alles eingelagert und bin vor genau 6 Jahren nun schon in die Welt gereist, und seit dem Zeitpunkt non-stop unterwegs. Momentan für die erlaubten 6 Wochen auf „Heimaturlaub/Heimataufenthalt“. Die Reiserei war der Hauptgrund warum ich den Laden geschlossen habe. Mein Ziel war es die ganze Welt zu bereisen, und heute nach mehr als 50 bereisten Ländern, 5 neuen Wohnorten (Singapur, Australien, Thailand, Malaysia, Neuseeland), unzähligen Erfahrungen und Abenteuer – sei es touristischer oder beruflicher Art – und seit 4 Jahren ortsunabhängiger Selbstständigkeit sage ich: ES WAR VOR 6 JAHREN DIE BESTE ENTSCHEIDUNG, DIE ICH JEMALS GETROFFEN HABE!!! und ich würde es wieder tun.

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    1. Wow, tolle Geschichte! Und supermutig, einfach so ALLES aufzugeben und um die Welt zu tingeln. Finde ich großartig! Man muss einfach das tun, was sich richtig anfühlt. Und für dich und für mich war es eben falsch, im „Staatsdienst“ (allein dieses Wort!) zu arbeiten. Ich bin zwar nicht so extrem wie du und fange wieder in einem geregelten Job an, aber ich würde auch sofort noch einmal kündigen. Viel Erfolg weiterhin bei all deinen Reisen und Abenteuern und deiner Selbstständigkeit! 🙂

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      1. Danke! Wünsche ich Dir auch und ich denke, dass etwas Kreatives auf jeden Fall gut zu Dir passt, denn im Lehrerberuf verstumpft man nach Jahren sowieso. Ich glaube, dass es die Kreativität und das freie Denken sehr stark einschläfert! Möglicherweise wollen diejenigen, die den Staatsdienst als Käfig empfinden, einfach wach bleiben. Der Beruf des Lehrers an sich ist eigentlich schön, denn man gibt viele an Menschen weiter und erhält viel zurück, aber das System ist etwas, das nicht zu mir passt. Menschen, die mich kennengelernt haben, behaupteten, dass der Beruf schon zu mir passt und die soziale Ader eben da ist, aber man merkt, dass ich zu „freidenkerisch“ sei. Vielleicht ist das auch bei Dir so. Alternative Schulformen, die Spezialisierung auf „Hochbegabung“ oder Lerndefizite, Lernen durch Kunst, Musik oder Sport (Sporttherapie, Kunsttherapie) etc. etwas Alternatives scheint eher im Fokus zu liegen als das sture Folgen und Ausführen von „Richtlinien“.

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      2. Da stimme ich dir zu. Ich bin auch jemand, der ein bisschen Freiraum und Spielraum braucht. Es macht mich unzufrieden, wenn alles nach Schema F laufen muss. Es hat mich auch total gestört, dass man seine ganze Lebensplanung an den Ferien ausrichten musste. Es ist ja kaum möglich, mal außerhalb einen oder zwei Tage frei zu bekommen. Das mag jetzt als Luxusproblem erscheinen, aber ich mag mir ungern sagen lassen, dass ich jetzt gefälligst im Juni meinen Jahresurlaub machen soll, wenn ich das lieber im September tun möchte. Für mich ist der öffentliche Dienst einfach gar nichts und ich kann nicht verstehen, warum so viele junge Menschen den so attraktiv finden. Außer Sicherheit bietet er recht wenig.

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      3. Mich haben immer die Flugpreise so frustriert, da ich gemerkt habe, dass schon ein Europaurlaub in den Ferien so viel kostet wie ein Fernreiseziel außerhalb der Ferien. Da ist mir irgendwann bewusst geworden, dass ich entweder als Schulleiterin arbeiten muss oder im Ministerium landen sollte, um meine Reiseträume überhaupt in die Tat unsetzen zu können. Ja und mal ehrlich, die meisten werden doch sobald sie die Planstelle haben schwanger und kommen dann vllt. irgendwann wieder oder enden als „“bessere“ Hausfrauen“. Daher herrscht ja auch ständig ein Kommen und Gehen. Hessen und Bayern scheint wohl wie wild zu verbeamten, RLP hat keine Lehrer mehr und in Berlin bieten sie die höchste Gehaltsklasse damit Lehrer kommen, und in NRW stellen sie teilweise über die Ferien noch Lehrer aus, um Geld zu sparen. Paradox!

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      4. Das machen sie in Schleswig-Holstein auch, Lehrer über die Ferien entlassen. In Niedersachsen verbeamten sie hingegen praktisch sofort. Ich konnte auch nie verstehen, warum Bildung von den Ländern koordiniert wird. Das ist einfach nur Käse. Genauso wie die Lebenszeitverbeamtung. In bin inzwischen ein richtiger Gegner des Beamtentums, obwohl ich selber mal drin war.

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  5. Wow, gratuliere! Das sind doch mal tolle Neugikeiten! 🙂
    Freut mich für dich, dass es dann doch so schnell ging und für dich alles gepasst hat. 🙂
    Spannend, wie viel Bewegung gerade in „unserem“ Zirkel ist. Und wie viel sich doch zum Guten wendet. 😀

    PS: Schickes neues Layout übrigens!: )

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    1. Vielen Dank! In der Tat, aufregende Neuigkeiten, die ich jetzt mal mit euch teilen musste. Ich hab den Job nämlich schon seit letzter Woche sicher. 😉
      Aber wirklich erstaunlich, dass es jetzt für dich und Zeilenende und mich innerhalb weniger Monate solche Umbrüche gab. Scheint eine gute Zeit dafür zu sein. 😉
      Schön auch, dass dir das neue Theme gefällt! Ich gewöhne mich auch langsam dran. 😀

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      1. Naja, ich wollte halt warten, bis der Vertrag unterschrieben und wirklich alles in trockenen Tüchern war. Man weiß ja nie. So dumm wie es kommt, kann man ja manchmal gar nicht denken…

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      2. Genau! Sollte es mich mal weiter in den Süden verschlagen, dann sag ich auf jeden Fall Bescheid. Hey, ich kenne jetzt gleich zwei Leute in Stuttgart! Hätte ich auch nicht gedacht… 😀

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  6. Das klingt toll. Nach einigen Umbrüchen in meinem Leben, habe ich auch diese Euphorie und den Tatendrang gespürt. Wichtig ist, sich dies zu bewahren und nicht wieder in alte Muster zu fallen. Damit kämpfe ich zur Zeit noch und vielleicht geht es dir auch irgendwann mal so. Bleib stark! Ich bewundere deine Entscheidung. 🙂

    Liebe Grüße
    voyagedeslivres

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    1. Hallo Jasmin,
      danke für deine Worte und es freut mich, dass dir der Beirag zur inneren Pippi so gut gefällt! Für mich ist das Thema Selbstbestimmung in den letzten Wochen und Monaten immer wichtiger geworden und ich bin froh, letztlich diese Entscheidung getroffen zu haben. Mit jeder Entscheidung geht man immer ein Risiko ein, aber es bringt auch nichts, in einem fremdbestimmten, aber sicheren Leben total unglücklich festzusitzen. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deinem eigenen Weg, wo auch immer er dich hinführen wird! Glaube an dich und an das, was du kannst. Für mich war und ist das der Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung und damit zu mehr Zufriedenheit.
      Liebe Grüße zurück von Maren

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  7. Herzlichen Glückwunsch! Das freut mich sehr für dich und ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg auf deinem Weg und im neuen Job!
    Dass sich das tüchtig sein mal lohnt ist auch etwas, dass mich immer sehr glücklich gemacht hat. Man schaut sich doch manchmal nach rechts und links um und denkt sich, warum fliegt es den anderen so leicht zu? Warum wird der eine/die andere so gefördert? Aber letzten Endes kommt meines Erachtens immer der Moment wo sich die harte Arbeit und das Bemühen auszahlt. Dauert nur manchmal etwas länger.

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    1. Dankeschön! Ich bin auch schon sehr gespannt, wo mich der Weg noch hinführt und was es dabei noch alles zu entdecken und zu lernen gibt. Bestimmt eine ganze Menge!
      Ich finde es auch schön, dass es sich eigentlich immer auszahlt, wenn man sich anstrengt. Das ist gut zu wissen. Gut, manchmal hängt der Ausgang einer Anstrengung nicht von einem selbst, sondern anderen Menschen ab – ich denke hier z.B. an irgendwelche Prüfungen, wo die Bewertung manchmal doch sehr subjektiv erscheint – aber in vielen Situationen hat man sein Glück doch selbst in der Hand. Ich bin dennoch froh, nicht so lange auf meinen Neuanfang warten zu müssen und jetzt nach doch recht kurzer Verschnaufpause durchstarten zu können. Andererseits wer weiß? Wäre ich länger arbeitslos gewesen, hätte ich mich vielleicht doch selbstständig gemacht. Letztlich kann man aus jeder Situation etwas machen, wenn man weiß, wohin die Reise gehen soll.

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  8. Sehr sehr schöner und inspirierender Beitrag! Stecke im Moment selbst in einer kleinen Krise, die aber alle paar Monate wiederkehrt und ich weiß, dass ich etwas dagegen tun muss. Leider steh ich mir oft selbst im Weg und traue mich nicht, dafür denke ich viel darüber nach. Ständig das Gefühl zu haben nicht genau das richtige zu tun – gleichzeitig zu viel Angst vor Veränderung und die Angst zu scheitern…

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    1. Dankeschön! Ich kenne die Konflikte, die du beschreibst, selbst auch sehr gut. Bei mir kam irgendwann der Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weitermachen konnte. Da war Veränderung dann keine Frage des „Sich-trauens“ mehr, sondern eine unerlässliche, um gesund zu bleiben. Ich glaube, man muss akzeptieren, dass Scheitern absolut menschlich ist und daraus oft auch gute Dinge erwachsen. Aber natürlich hängt das auch immer von den eigenen Lebensumständen ab. Wenn ich Verantwortung für z.B. ein Kind gehabt hätte, würde ich wahrscheinlich auch immer noch in meinem alten Beruf arbeiten. Ich wünsche dir viel Erfolg und dass du den Weg findest, der für dich aktuell der richtige ist.

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