Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Sons of Anarchy (Staffel 1)

Ridin‘ through this world
All alone
God takes your soul
You’re on your own

– Curtis Stigers & The Forest Rangers: This Life

Böse Jungs, Motorräder, Gewalt, Drogen, Waffenhandel, Sex – müsste ich die Serie Sons of Anarchy in Schlagworten beschreiben, könnten es diese sein. Es könnten aber auch Loyalität, Gerechtigkeit, Familie und Fürsorge sein. Wie so oft ist alles eben eine Frage der Perspektive, gerade wenn man das Gesetz vielleicht ein bisschen großzügiger auslegt.

(Der restliche Beitrag enthält leichte Spoiler zu Staffel 1!)

Die Sons of Anarchy

Im Zentrum der Serie steht der fiktive Motorradclub Sons of Anarchy, oft auch als SAMCRO (Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original) bezeichnet. Beheimatet sind die Sons in Charming, einem kleinen Örtchen in Kalifornien, wo sie (vor allem zum Schein) eine Autowerkstatt betreiben. Daneben haben sie selbstverständlich noch weitere Einnahmequellen, allen voran den Waffenhandel. Natürlich sind sie nicht die einzigen Biker-Jungs in der Gegend. Bereits zu Beginn der ersten Staffel werden zwei andere Gangs eingeführt – die Mayans (v. a. Mexikaner) sowie die Niners (v. a. Afroamerikaner), mit welchen SAMCRO immer wieder in Konflikt gerät.

Der zentrale Konflikt

Anführer, der sogenannte Präsident der Sons of Anarchy, ist Clay Morrow, der auch die Autowerkstatt leitet. Sein Stellvertreter Jax Teller ist gleichzeitig sein Stiefsohn und zunehmend unzufrieden mit der Art und Weise wie Clay den Club führt. Jax‘ Vater, der bereits vor Jahren verstorben ist und ebenfalls SAMCRO-Mitglied war, hat seinem Sohn ein Manifest mit seiner Vision für eine bessere, gewaltfreie und legale Zukunft des Clubs hinterlassen. Davon ist Jax zunehmend fasziniert, was den Konflikt mit Clay verstärkt. Gerade durch die Geburt seines Sohnes Abel und den Beginn einer Beziehung mit seiner Jugendliebe Tara tut Jax sich mehr und mehr schwer, Clays Verhalten zu akzeptieren. Seine Rebellion macht nicht nur dem Club, sondern auch seiner Mutter Gemma schwer zu schaffen.

Der Aufbau der Story

Sons of Anarchy beginnt mit einem großen Knall – der Explosion eines SAMCRO-Waffenlagers, welches die Mayans ausgeraubt haben – und endet still und leise auf dem Friedhof, wo ein unschuldiges Mordopfer zu Grabe getragen wird. Dazwischen gibt es viel, was den oben beschriebenen Schlagworten zugeordnet werden kann. Schlägereien, Schießereien, Morde, Probleme mit der lokalen und staatlichen Polizei, Geldprobleme, Verdächtigungen. Die einzelnen Handlungsstränge sind dabei komplex und stark ineinander verwoben. Das macht es schwer, die Story in knapper Form zusammenzufassen, ist aber gleichzeitig ein Qualitäsmerkmal. Besonders die Art und Weise, wie gegen Ende der Staffel langsam Spannung augebaut wird, bis man es fast mehr ertragen ist, ist außergewöhnlich gut gemacht. Bezeichnenderweise braucht es dafür weder Waffen noch Drogen noch Gewalt, sondern lediglich wohldosierte Andeutungen.

Fazit

Ich gebe ehrlich zu: Allein hätte ich mit Sons of Anarchy wohl so bald nicht angefangen. Ja, ich habe die Serie irgendwann mal auf meine Netflix-Liste gesetzt, aber da befindet sich so einiges. Nun hat der Herr Koch sie hingegen für unsere recht seltenen gemeinsamen TV-Abende auserkoren, wovon ich zunächst wenig angetan war. Auf so eine richtige Männerserie hatte ich gefühlt keine Lust. Ich konnte ja nicht ahnen, was für eine Perle mir entgeht. Sons of Anarchy bedient ein Männerthema, klar. Es gibt jede Menge derbe Sprüche und nackte Frauen. Davon sollte Frau sich jedoch nicht abschrecken lassen, denn schnell wird klar, dass hier keiner so unantastbar ist, wie es zunächst scheint und die Geschichte wesentlich mehr zu bieten hat. Denn Sons of Anarchy ist eine klug erzählte und bisweilen sehr spannende Dramaserie, die von einem Konflikt erzählt, der so alt ist wie die Menschheit: Dem Konflikt zwischen einem Herrscher und seinem Thronfolger. Die weiteren Handlungsstränge ranken sich letztlich alle um diesen Konflikt, ja zweigen sogar teilweise davon ab. Das funktioniert u. a. auch deshalb so gut, weil die beiden Protagonisten Clay und Jax starke Figuren sind, die zwar zwielichtig sind, aber nicht unsympathisch dargestellt werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich der zentrale Konflikt weiterentwickelt und welchen Weg die Sons of Anarchy gehen werden. Ich bleibe jedenfalls gerne dabei.

Weiterempfehlung: Für Fans von komplex erzählten Dramaserien wie The Wire, The Sopranos oder auch True Detective ein Muss. Von der derben Sprache sollte man sich nicht abschrecken lassen – Dranbleiben lohnt sich. Unbedingt einen Blick riskieren!

Advertisements

Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

15 Kommentare zu „Seri(e)ös: Sons of Anarchy (Staffel 1)

    1. Naja, die nackten Frauen sehen eher nach Porno aus im Normalfall und das ist jetzt nicht so ansprechend, passt aber total zur Geschichte. Ich bin auf jeden Fall immer noch begeistert, Nackte hin oder her. 😀

      Gefällt mir

  1. Juhu, da ist sie, die Besprechung. Ich glaube tatsächlich das könnte ein guter Kontrast sein, wenn ich mit „The O.C.“ durch bin. Von den Teenies zu den harten Männern. Kennst du eigentlich „The Shield“? Ist von den gleichen Showrunnern und auch mit harten Männern. Fand ich auch sehr, sehr gut.

    Gefällt 1 Person

    1. Das wäre der größtmögliche Kontrast – von Seth Cohen zu Clay Morrow! Einzige Verbindung wäre, das beide Serien in Kalifornien spielen. 😀
      „The Shield“ kenne ich gar nicht, aber das sollte ich wohl mal recherchieren. Die Showrunner überzeugen mich ja momentan sehr…

      Gefällt 1 Person

  2. Guckst du die Serie eigentlich auf Deutsch oder Englisch? Für mich funktioniert die echt gar nicht auf Deutsch, deswegen konnte ich da nie im Fernsehen reinschalten. Die Serie wurde mir nämlich schon 2011 empfohlen. Da war das noch nicht so mit Netflix und Co. bei mir.
    Und weil ich Biker und verwegende Langhaarige immer mit der kalifornischen Sonne verbinde, kann ich die Serie nur bei warmen Temperaturen gucken. *lach*

    Gefällt 1 Person

    1. Du bist ja… speziell. 😀 Kannst du dann Six Feet Under und O.C. California auch nur im Sommer gucken? Da scheint ja auch immer die Sonne…
      Ich gucke tatsächlich auf Deutsch, aber nur, weil der Mann mitguckt und kein OmU-Fan ist. Ich habe ja schon viel geschafft in seiner (medialen) Erziehung, aber so weit ist er noch nicht… 😉

      Gefällt mir

    1. Danke, danke! ich fühle mich schon sehr wohl im Reich von Samcro. 🙂
      Tatsächlich mag ich die Damen in der Serie ganz gern; gerade Tara und Gemma sind ja starke Figuren, die ihren Männern gerne mal Contra geben. Meine Ausführungen bezogen sich eher auf die Pornosternchen, die in Staffel 1+2 recht präsent sind. 😀

      Gefällt mir

Was denkst du darüber?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s