Veröffentlicht in Fernsehserien

Serie(ös): Designated Survivor (Staffel 1, Teil I)

Diese Review weiß nicht so recht, was sie ist. Sie wollte und sollte eine Review der ersten Staffel Designated Survivor werden, einer Serie, die ich im Dezember und Anfang Januar sehr gern geschaut habe. Dann stellte ich jedoch fest, dass das vermeintliche Staffelende gar nicht das Staffelende ist, denn die Serie wurde von ABC von ursprünglich geplanten zehn auf 22 Folgen aufgestockt. Diese mussten natürlich noch nachproduziert werden, weshalb es mit der Ausstrahlung der Folgen elf bis 22 in den USA erst am 08. März weitergeht. Was nun also tun? Den ersten Teil besprechen oder womöglich noch Monate warten, bis auch Teil zwei endlich komplett gesichtet wurde? Ich entscheide mich für Variante 1, denn so habe ich die Ereignisse noch einigermaßen frisch im Gedächtnis und muss zudem nicht das Geschehen aus über zwanzig Folgen zusammenfassen. Außerdem dürft Ihr Euch dann in einigen Monaten auf Designated Survivor, Staffel 1, Teil 2 freuen. Gut, oder? 😉

Was ist ein Designated Survivor?

Auf Eure Englischkenntnisse vertrauend zitiere ich aus dem englischen Wikipedia:

In the United States, a designated survivor is an individual in the presidential line of succession, usually a member of the United States Cabinet, who is arranged to be at a physically distant, secure, and undisclosed location when the President and the country’s other top leaders are gathered at a single location […].

This is intended to guarantee continuity of government in the event of a catastrophic occurrence that kills the President and many officials in the presidential line of succession, such as a mass shooting or bombing. If such an event occurred, killing both the President and Vice President, the surviving official highest in the line, possibly the designated survivor, would become the Acting President of the United States […].

In Kurzform: Der Designated Survivor ist ein Mitglied des amerikanischen Senates, das sich während einer Veranstaltung, an der alle anderen Senats- und Regierungsmitglieder teilnehmen, an einem anderen, sicheren Ort aufhält. Im Falle eines Angriffs auf die Veranstaltung kann so trotzdem garantiert werden, dass die Regierung der Vereinigten Staaten handlungsfähig bleibt – in diesem Fall wird der Designated Survivor, sollte er der ranghöchste Überlebende sein, zum amtierenden Präsidenten.

Dieses Kuriosum des amerikanischen Politikbetriebs, das bei näherer Überlegung zwar immer noch paranoid, aber dennoch sinnvoll erscheint, nimmt die TV-Serie zum Aufhänger, den armen Tom Kirkman, seines Zeichens erfolgloser und kurz vor der Versetzung befindlicher Secretary of Housing and Urban Development, also so etwas wie der deutsche Bundesbauminister, zum einzigen Überlebenden einer verheerenden Explosion zu machen: Während alle anderen Senats- und Regierungsmitglieder beim State of the Union im Kapitol sind, sitzt Kirman mit seiner Frau in einem Regierungsbunker und schaut sich Sport im TV an. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, ereilt ihn die Neuigkeit, dass bei einer Explosion im Kapitol alle Anwesenden verstorben sind und er nun amerikanischer Präsident wird. Also  noch in derselben Nacht die Hand auf die Bibel gelegt, den Eid geschworen, die Kinder ins Weiße Haus geholt – und schon geht es los mit den Amtsgeschäften, allen voran der Frage, wer hinter dem Angriff steckt.

Freund oder Feind?

An Kirkmans Seite dabei: Seine langjährige Vertraute Emily Rhodes, sein Chief of Staff Aaron Shore und sein Pressesprecher Seth Wright, die mit ihm zusammen versuchen, den Laden am Laufen zu halten. Denn wie sich herausstellt, gab es doch zwei Überlebende in dieser Nacht: Zum einen ist da Kimble Hookstraten, die als unoffizieller Designated Survivor der Republikaner, der anderen Partei, ebenfalls nicht an der Veranstaltung teilgenommen hat und Kirkman zwar unterstützt, aber auch bisweilen undurchsichtige eigene Aktionen durchführt. Zum anderen ist da aber noch Peter MacLeish, der fast unverletzt aus den Trümmern des Kapitols geborgen werden kann. MacLeish, ein amerikanischer Kriegsheld und Kongressabgeordneter, wird schnell zum nationalen Helden und zu Kirkmans Vertrautem, der ihn gerne in seiner Regierung sieht. Wäre da nicht FBI-Agentin Hannah Wells, die MachLeishs Überleben mehr als merkwürdig findet und eigene Nachforschungen anstellt. Und siehe da – auch MacLeish ist nicht so sauber, wie er auf den ersten Blick erscheint…

Spannung, Herz und Patriotismus

Designated Survivor hat mich in der ersten Folge so richtig gepackt, was vor allem an der Grundidee der Serie liegt: Ein einfacher Abgeordneter, einer ohne Ambitionen und ohne Chancen auf ein solches Amt, wird plötzlich Präsident. Sitzt im Oval Office und soll Entscheidungen treffen. Trifft sich mit Generälen und soll Missionen befehlen, von denen er nicht einmal die geringste Ahnung hatte. Muss sich im Weißen Haus zurechtfinden, ohne Wissen über Zuständigkeiten und Abläufe. Das ist interessant, weil der Zuschauer mitgenommen wird in eine Welt, die er nicht kennt, und in der er nun zusammen mit Kirkman ankommen, ja klarkommen muss. Geschickt wird dabei stückweise enthüllt, dass einige Personen aus Kirkmans engstem Kreis nicht diejenigen sind, die sie vorgeben zu sein. Dazu gibt es einige herzige Familienszenen, die ich nicht umbedingt gebraucht hätte, und auch einen Hauch zu viel Patriotismus. Amerika is great, wir wissen es jetzt, danke. Das tut der Story jedoch keinen großen Abbruch, denn diese ist trotzdem interssant. Die sympathischen Charaktere, allen voran den von Kiefer Sutherland gespielten Tom Kirkman, aber auch Italia Ricci als Kirkmans Beraterin Emily, Kal Penn als Pressesprecher Seth Wright und Maggie Q als bisweilen paranoide FBI-Agentin Hannah Wells hauchen der Story Leben ein.

Weiterempfehlung: Designated Survivor ist eine amerikanische Dramaserie, die rund um eine interessante Grundidee eine spannende, wenn auch bisweilen etwas rührige und patriotische Geschichte spinnt. Fans von Homeland oder House of Cards könnten daran genauso Gefallen finden wie Freunde eher klassischer Krimiserien. Ich fühlte mich von den ersten zehn Folgen Designated Survivor gut unterhalten und bin neugierig auf die noch ausstehenden zwölf Folgen.

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

7 Kommentare zu „Serie(ös): Designated Survivor (Staffel 1, Teil I)

    1. Die Serie ist tatsächiich recht unterhaltsam, wobei ich hoffe, dass diese patriotischen Töne in der Fortsetzung etwas weniger (oder zumindest subtiler) werden. Insgesamt kommt die Serie nicht an House of Cards ran, aber ist trotzdem gute Unterhaltung. Du kannst sie also auf die Liste schreiben…aber nicht vor HoC, Suits und Orphan Black! 😀

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  1. Steht schon auf meiner Liste und wird sicherlich auch bald geschaut. 🙂 Ich finde auch die Idee faszinierend und es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt die Serie rauszubringen als diesen – hat ja ganz gut zur US-Wahl gepasst.

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    1. Ich habe nur durch Zufall mitbekommen, dass es nun wieder wöchentlich eine neue Folge gibt. Da werde ich heute Abend mal reinschauen. 🙂
      Tatsächlich ist Designated Survivor übrigens keine Netflixeigenproduktion, sondern eine Produktion von ABC. Spielt aber keine Rolle, denn die Serie ist wirklich gut anzusehen. 🙂

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