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Geist ist geil! Warum die Arbeitswelt Geisteswissenschaftler braucht

Ich habe Geisteswissenschaften studiert. Genauer gesagt Germanistik und Romanistik (mit Schwerpunkt Spanisch). Wer diesen Blog schon länger verfolgt, hat auch meinen beruflichen Werdegang mitbekommen, der nicht ganz einfach war. Erst seit einigen Monaten bin ich auf einem Weg, der sich gut und richtig und so anfühlt, als sollte ich in diese Richtung weiterlaufen. Gefunden und bekommen habe ich meinen jetzigen Job durch drei Dinge: 1. eine freche Initiativbewerbung, 2. das Glück, dass eine Stelle frei, aber nicht ausgeschrieben war und 3. ein erfolgreiches Probearbeiten. Denn einen Geisteswissenschaftler einzustellen, ist für viele Unternehmen offenbar ein schwieriger Schritt, sodass sie sich absichern und den Bewerber erst einmal zu einem Probearbeiten einladen. Für mich war das kein Problem und völlig in Ordnung, denn – ohne jetzt arrogant klingen zu wollen – ich weiß, was ich kann und bin gerne bereit, das unter Beweis zu stellen. Andererseits schaue ich mir auch mit Interesse an, auf was ich mich einlasse und ein Probearbeiten bietet die aufschlussreiche Möglichkeit, ein Unternehmen „von innen“ zu erleben.

Dennoch kann ich mich der Ungerechtigkeit einer solchen Haltung Geisteswissenschaftlern gegenüber nicht ganz erwehren. Man stelle sich das Gesicht eines Ingenieurs oder Anwaltes vor, der erst einmal zwei Tage kostenfrei zur Probe arbeiten soll – und zwar nicht, um zu sehen, ob er oder sie ins Team und das Arbeitsumfeld passt, sondern um sich von seinem fachlichen Können zu überzeugen. Sie würden wahrscheinlich laut lachend den Raum verlassen und eines ihrer anderen zahllosen Jobangebote annehmen. Woher aber stammen nun diese Zweifel Geisteswissenschaftlern gegenüber?

Der geisteswissenschaftliche Absolvent, das unbekannte Wesen

Für mich liegt der Schlüssel darin, dass Unternehmer und Personalverantwortliche, die keinen geisteswissenschaftlichen Bildungsweg durchlebt haben, sich schlecht vorstellen können, was ein solches Studium beinhaltet und welche Qualifikationen (hard skills und soft skills) ein Bewerber mit einem Abschluss in Anglistik, Philosophie oder Ethnologie mitbringt. Wenn ich als studierte Germanistin zum Beispiel zugebe, die Rechtschreibregeln nicht 1:1 herunterbeten zu können und hin und wieder bei einigen Wörtern zu zweifeln, ernte ich nicht selten „Aber was hast du dann im Studium überhaupt gelernt“-Blicke. Ebenso wenn ich antworte, nicht jedes Werk von Goethe oder Kafka oder Mann gelesen zu haben. Die Gesellschaft denkt ganz offenbar, philologische Studiengänge wären Fortsetzungen des Deutsch- oder Fremdsprachenunterrichts aus der Schule.

Und man kann es ihnen noch nicht einmal verübeln, denn woher sollen sie wissen, dass dem nicht so ist? Schließlich entschließt sich ein nicht kleiner Teil der Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer für die Lehrerlaufbahn. Der Rest macht sich auf ins echte Leben (sorry lieber Lehrer, dieser kleine Seitenhieb aufs Beamtentum musste sein…), arbeitet als Angestellter in einer Firma, macht sich selbstständig oder einen Namen als Freiberufler. Der Weg dahin kann steinig sein, denn gerade auf der Suche nach einem Job als Angestellter gilt es, den Chef oder Personalverantwortlichen vom eigenen Können zu überzeugen – und zwar so sehr, dass er oder sie den Bewerber TROTZ des vermeintlichen Mankos „geisteswissenschaftlicher Abschluss“ zum Gespräch einlädt. Jeder weiß schließlich, dass diese Hürde die größte ist: Für einen Job, den vielleicht auch jemand mit einem nicht-geisteswissenschaftlichen Hintergrund machen könnte, in die engere Wahl zu kommen. Ich spreche hier vor allem von Stellen in den Bereichen Projektmanagement/Kulturmanagement/Medien, aber natürlich auch solchen in noch weiter vom Studienfach entfernten Tätigkeitsfeldern wie Verwaltung, Personalwesen, o. ä.. Einem BWLer werden Aufgaben wie Kundenkommunikation oder Prozessoptimierung ohne Weiteres zugetraut, obwohl sie ebensowenig mit Inhalten aus seinem Studium zu tun haben wie mit denen eines Geisteswissenschaftlers. Der BWLer gilt gesellschaftlich allerdings als Allrounder, der diese Dinge schnell lernen kann. Dass der durchschnittliche Geisteswissenschaftler dazu genauso, in manchem Fall vielleicht sogar besser in der Lage wäre, steht leider oft nicht zur Diskussion. Schade, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Geisteswissenschaftler in vielen Berufszweigen hervorragend zurechtkommen und eine Bereicherung für Firmen sind. Warum? Das habe ich einmal zusammengefasst:

Sechs Gründe, warum Geisteswissenschaftler eine Bereicherung für jedes Unternehmen sind

1. Ihr Fachwissen

Bevor es um die soft skills gehen soll, die Geisteswissenschaftlern völlig zurecht nachgesagt werden, soll hier nicht vergessen werden, dass auch in einem philologischen oder sozialwissenschaftlichen Studium jede Menge Faktenwissen auf dem Lehrplan steht. Anderes als in klassischen Auswendiglern-Studiengängen, aber dennoch solches, das sich „überprüfen“ lässt. Wie war das genau mit dem Dreißigjährigen Krieg oder der Kubakrise? Frag den Historiker. Welche lexikalischen Unterschiede gibt es zwischen britischem und amerikanischem Englisch? Die Anglistin kann helfen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Elternhaus und Bildungsabschluss? Der Soziologe weiß es. Warum können Portugiesen Spanier leichter verstehen als Spanier Portugiesen? Die Romanistin erklärt es. Auf den ersten Blick mögen solche Fragestellungen nach Spezialwissen klingen, das im Arbeitsalltag eines (mittelständischen) Unternehmens wenig gefragt ist. Aber für Firmen, die Geschäftsbeziehungen in verschiedene englischsprachige Länder unterhalten, mag oben genannte Frage über kurz oder lang relevant werden. Und so manchem Unternehmen war beim Start von Handelsbeziehungen nach Südamerika vielleicht gar nicht klar, dass der argentinische und der brasilianische Partner sich nicht problemlos verstehen können. Diese Beispiele zeigen, wie hilfreich solches Faktenwissen sein kann, um vor allem im Bereich Interkulturelle Kompetenz peinliche Fauxpas zu vermeiden.

2. Ihre Recherchekompetenz

Zig Hausarbeiten haben Spuren hinterlassen: Geisteswissenschaftler sind Meister darin, zu einem Thema umfassend zu recherchieren. Schon im Studium wurde ihnen eingetrichtert, nicht direkt dem ersten Sucherergebnis bei Google zu vertrauen, sondern jede gefundene Information sorgfältig inklusive ihrer Quelle zu archivieren und kritisch zu hinterfragen, ob es sich um eine vertrauensvolle Ressource handelt und die Information korrekt ist. Dafür nutzen sie sowohl digitale als auch analoge Quellen, denn Geisteswissenschaftler haben weder Angst vor dem Internet noch vor Bibliotheken. Auch mit Programmen zur Quellenverwaltung wie Citavi kommen sie hervorragend zurecht, sodass sie bereits nach kurzer Zeit eine umfassende digitale Bibliographie zum Recherchethema erstellt haben werden, egal ob es um romantische Lyrik, SEO-Optimierung oder Fragen zum europäischen Zoll geht.

3. Ihre Fähigkeit, sich selbstständig Wissen anzueignen

Die Seminarthemen im geisteswissenschaftlichen Studium sind breit gefächert. Ich habe mich im Germanistikstudium genauso mit Michel Foucault beschäftigt wie mit plattdeutschen Varietäten in Schleswig-Holstein und mittelhochdeutschen Minnegesängen. Die Referats- und Hausarbeitsthemen waren oft noch wesentlich spezieller, sodass es vonnöten war, sich möglichst schnell möglichst intensiv selbstständig (!) in ein Themenfeld einzuarbeiten. Gerade wenn das Thema selbstgewählt war, hat mir das immer viel Spaß gemacht und ich profitiere noch heute davon, dass ich im Studium viel Literatur sichten, bewerten und durcharbeiten musste. Man mag es selektives Lesen oder Querlesen nennen, aber normalerweise kann ich bereits nach wenigen Sekunden entscheiden, ob ein Text für meine aktuelle Aufgabe relevant ist. Und ist er es, extrahiere ich in kurzer Zeit die wichtigen Infos, um sie meiner Wissenssammlung über ebenjenes Thema hinzuzufügen. Gerade in Berufen, die Textproduktionsaufgaben umfassen, ist diese Kompetenz enorm wichtig, um sich nicht zu verzetteln und sich in angemessener Zeit ein Thema selbstständig zu erschließen.

Geist is geil 2
Geisteswissenschaftler @work (Symbolbild)

4. Ihr kritischer Blick

Zu Grund Nummer 2 und 3 gesellt sich noch ein weiterer aus dem Bereich „Recherche unf Information“, der Geisteswissenschaftler zu nützlichen, aber anfangs vielleicht auch, nun ja, unorthodoxen Arbeitnehmern macht. Ich spreche hier von ihrer Kompetenz, Fragen zu stellen bzw. Informationen, Aufgaben und Abläufe zu hinterfragen. Im Studium darauf getrimmt, Quellen nicht blauäugig zu vertrauen und den eigenen Verstand zu benutzen, eigene Fragestellungen zu entwickeln, eigene Rückschlüsse zu ziehen, werden sich Geisteswissenschaftler schwer tun, Aufgaben einfach abzuarbeiten, wenn sich deren Sinnhaftigkeit nicht erschließt. Sie tun dies nicht, um Kollegen oder Vorgesetzte zu nerven, sondern weil es ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist, nichts als unumstößlich hinzunehmen. Das kann gerade für Unternehmen, die recht festgefahrene Prozessstrukturen aufweisen, anstrengend, aber auch äußerst gewinnbringend sein. Veränderung beginnt ja stets im Kleinen und wenn es zunächst nur minimale Verschiebungen bei Zuständigkeiten o. ä. sind. Dabei haben Geisteswissenschaftler garantiert nicht immer die perfekte Lösung parat, sind aber im Normalfall gerne bereit, Neues auszuprobieren – und sich auch eines Besseren belehren zu lassen, sollte der von ihnen vorgeschlagene Weg nicht funktionieren.

5. Ihre Liebe zum geschriebenen Wort

Okay, ich gebe zu: Diese Liebe trifft man besonders bei Philologen an. Die meisten von ihnen lesen gerne, haben immer gerne gelesen und im Laufe des Studiums jede Menge Erfahrungen mit der Erstellung formeller Texte gemacht. Den einen liegt der sachliche Schreibstil mehr, den anderen weniger, aber alle haben sich daran versucht. Und diese jahrelange Beschäftigung mit dem Schreiben, dem eigenen Schreibstil und der Problematik, komplexe Zusammenhänge möglichst verständlich, gut lesbar sowie sprachlich und stilistisch korrekt zu Papier zu bringen, hinterlässt ihre Spuren. Warum also so jemanden nicht in der Unternehmenskommunikation einsetzen? Wer Derridas‘ Dekonstruktion erklären kann, kann auch einem Kunden die Vor- und Nachteile verschiedener Rohre, IT-Programme oder Automodelle erörtern.

6. Ihre interkulturelle Kompetenz

Auch hier sind die Philologen natürlich die Vorreiter, aber auch Ethnologen, Politikwissenschaftler, Soziologen oder Pädagogen beschäftigen sich im Studium (mal mehr, mal weniger) mit den Themen Kultur und Gesellschaft. Zudem sammelt ein Großteil der Geisteswissenschaftler während des Studiums Auslandserfahrung: Denke ich an mein Spanischstudium zurück, fällt mir spontan niemand ein, der nicht mindestens ein halbes Jahr im spanischsprachigen Ausland verbracht hat. Neben den Sprachkenntnissen ist so ein Aufenthalt vor allem auch eine wichtige Lektion in Sachen Toleranz und sorgt dafür, die eigene Kultur zu reflektieren. Einen echten Einblick in ein Land erhält man eben nur, wenn man einmal dort gelebt hat. Ich würde zum Beispiel niemals versuchen, in einer spanischen Firma jemanden zwischen 14 und 17 Uhr zu erreichen und mich dann den ganzen Tag darüber ärgern, dass niemand ans Telefon geht. Nur weil wir unser Mittagessen in einer halben Stunde hinunterschlingen und um halb fünf gestresst aus dem Büro stürmen, muss der Rest der Welt das ja nicht genauso machen.

Geist ist geil – aber das muss auch kommuniziert werden!

Geisteswissenschaftler haben der Arbeitswelt viel zu bieten. Ihr größtes Problem ist und bleibt jedoch, dass vielen Unternehmen das (schuldlos) nicht klar ist. Darum gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit für uns Geisteswissenschaftler, das zu ändern: Wir müssen uns sichtbar machen und Gehör verschaffen! In der Arbeitswelt wartet niemand auf uns, die speziell für uns ausgeschriebenen Stellen sind rar. Also heißt es: Nach Alternativen suchen, sich initiativ bewerben und – am allerwichtigsten! – sich nicht selbst kleinmachen. Jeder Personalverantwortliche erkennt eine unsichere Bewerbung auf den ersten Blick. Ein bisschen Größenwahn schadet im Bewerbungszirkus darum nicht. Die Traumfirma sucht eigentlich einen BWLer fürs Marketing? Mache dir Gedanken, warum sie lieber dich einstellen sollten und schreibe genau das in deine Bewerbung! Im Projektmanagement wird ein Wirtschaftsinformatiker gesucht? Lege dar, warum du als Medienwissenschaftler viel besser geeignet bist! Die NGO braucht einen Politikwissenschaftler? Sammle Argumente, warum sie mit dir als Philosophen oder Pädagogen besser bedient wäre!

Auch mich hat diese Art, Bewerbungen zu schreiben, einiges an Überwindung gekostet. Vielleicht ist das ein Frauenproblem: Wir machen uns gerne klein, zweifeln an uns und finden es fast unverschämt, uns auf Stellen zu bewerben, auf deren Profil wir vielleicht nur zu 50 Prozent passen. Gerade als Geisteswissenschaftlerinnen können wir uns diese Form der Schüchternheit aber überhaupt nicht leisten. Denn mal im Ernst: Kann sich nicht jedes Unternehmen glücklich schätzen, eine ungewöhnliche und klug durchdachte Bewerbung zu erhalten? Standard kann ja jeder.

Seid Ihr Soziologe, Slawistin, Vergleichender Literaturwissenschaftler oder anderweitig geisteswissenschaftlich geprägt? Welche Erfahrungen habt Ihr in der Arbeitswelt gemacht? Und wenn Ihr aus einem ganz anderen Berufszweig kommt: Gibt es in Eurem Unternehmen Geisteswissenschaftler? Ich bin sehr gespannt auf Eure Erfahrungen und Geschichten zu diesem Thema!

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

92 Kommentare zu „Geist ist geil! Warum die Arbeitswelt Geisteswissenschaftler braucht

  1. Vielen Dank für diese wunderbar gebrochene Lanze! Umso verrückter eigentlich, dass man/frau sie überhaupt brechen muss … Meine Erfahrungen in der non-geistigen Arbeitswelt waren stets nur jobkurz. Und beschränkten sich darauf, dass ich Texte redigieren und formulieren musste. Bishin zur Glückwunschkarten für Mitarbeiter, weil, ich wäre ja Autor …

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  2. Auch von mir ein dickes Dankeschön für die Lanze. Ich habe Germanistik, Romanistik (Französisch) und Politikwissenschaft studiert – und natürlich bis zum Erbrechen die obligatorische Frage zu hören bekommen: Was kann man denn damit anfangen? 🙂

    Allerdings bin ich dann auch wirklich im Lektorat eines Verlages gelandet … 😉

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    1. Ahh, da sind wir ja von der Ausbildung her sehr nah beieinander, auch wenn die romanische Sprache eine andere ist. 🙂 Die Frage nach dem „Was willst du denn später mal machen?“ kenne ich darum natürlich auch nur zu gut. Ich bin jetzt in einer Agentur gelandet, aber mein Weg ist noch lange nicht zu Ende. Aber die eingeschlagene Richtung stimmt zumindest schon einmal. Verlag ist natürlich der Jackpot für so jemanden wie uns zwei. 🙂

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      1. Allerdings. Ich hab während des Studiums übrigens auch drei Semester lang nebenher Spanisch gelernt, aber dann wieder damit aufgehört, weil mir in meinen Französisch-Kursen plötzlich nur noch spanische Vokabeln einfielen. 😆

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      2. Haha, sehr schöne Geschichte! 😀 Ich musste während des Studium 2×2 Semester weitere romanische Sprachen lernen und habe dann Italienisch und Katalanisch (!!!) gemacht. Das war auch unfassbar verwirrend. Alle ähnlich, aber dann auch wieder anders. Eine Katastrophe! 😀

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      3. Keine Ahnung. Als ob man nicht schon genug damit zu tun hätte, in einer Fremdsprache einigermaßen klarzukommen. 😀 Das Latinum habe ich zum Glück schon in der Schule gemacht. Meine Kommilitonen haben damals unfassbar über die Lateinkurse an der Uni geflucht. Vielleicht aber auch nur, weil die immer morgens um acht Uhr waren… 😉

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  3. Ich stimme jedem deiner Worte zu. Was wäre eine Gesellschaft ohne Geisteswissenschaftler? Arm dran wäre sie. Nun, bei uns in den Schule ist der Markt natürlich reich gesät. Aber es gibt Unterschiede, die kreativen und die spröden/vertrockneten. Letztere fetzen sich natürlich mit den Naturwissenschaftlern, die so gar nichts mit den anderen zu tun haben wollen. Herrlich anzusehen. Und die Kreativen versauern regelrecht in Schulen. Lektorat, ein Traum…😉 LG Ela

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    1. Genau, liebe Ela, wo wären wir denn, wenn alle nur auf Formeln und Zahlen schielen würden? Worte sind mindestens genauso wichtig! 🙂 Letztlich sind Lehrer ja immer noch sehr nah an den Inhalten ihres studierten Faches dran (auch wenn die Lehrerausbildung praxisnäher sein könnte). In Unternehmen ist das ja meist nicht der Fall, außer man kommt in einem wissenschaftlichen Verlag unter. 😉 Komischerweise zieht mich so gar nichts in die Verlagsbranche, obwohl ich Germanistin bin. Lektorat reizt mich überhaupt nicht. Also wenn du dich da austoben möchtest, ich bin da keine Konkurrenz. 😉

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  4. Mal wieder ein exzellenter Artikel, werte Frau krimskrams! 🙂

    Da kann ich nur zustimmen, auch wenn ich selbst kein Geisteswissenschaftler bin, sonder „was mit Medien“ studiert habe. Aber das ist ja fast genauso angesehen… 😉

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    1. Herzlichen Dank, werter Herr bullion! 🙂 Ich habe den Eindruck, dass die Medienwissenschaftler inzwischen schon in den Geisteswissenschaften angekommen sind. An meiner Uni ist der Studiengang Medienwissenschaften zum Beispiel lange ein „Seitenarm“ der Literaturwissenschaftler gewesen. Erst vor ein paar Jahren wurde ein eigenes Studienfach daraus. Insofern: Willkommen im Club! 🙂

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      1. Ich habe ja „nur“ an einer Fachhochschule studiert also weniger wissenschaftlichen Hintergrund als Praxis. Jetzt mache ich aber auch einen Job, den man prima als Geisteswissenschaftler machen könnte… 😉

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      2. Waaaaas? Schäm dich! 😉
        Nein Quatsch, ist ja völlig egal, an was für einer Hochschule man studiert hat, auch wenn die Ausrichtung an einer FH natürlich eine ganz andere ist. Schon spannend, dass das gleiche Fach an Uni und FH mit ganz anderen Schwerpunkten vermittelt wird.
        Aber es ist schön, dass du feststellst, dass deinen Job auch ein anderer Geisteswissenschaftler machen könnte. Das deckt sich mit meinen Vermutungen und Erfahrungen. Überall dort, wo es um Organisation geht, passt meine Sorte gut hinein. 🙂 Gibt es unter deinen Kollegen Geisteswissenschaftler?

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  5. Toller Beitrag. Das mal vorweg. 😉

    Ich habe meinen Abschluss in Nord- und Lateinamerikastudien vor dreieinhalb Jahren gemacht – was ich damit beruflich anfangen kann, weiß ich bis heute nicht. Das fängt schon damit an, überhaupt passende Unternehmen und Institutionen zu finden, die als Arbeitgeber infrage kommen könnten. Amerikanisten werden ja nicht gezielt gesucht. Da fällt man dann unter diese diffusen Maße an Geisteswissenschaftlern, die dann irgendwas mit Medien machen werden. Wobei mir das auch schon vor dem Studium klar war, was mich aber nicht an der Absolvierung desselbigen gehindert hat. Ich glaube, so wie es mir und auch den fachfremden Personalern geht, ist auch vielen Geisteswissenschaftlern selbst nicht klar, welche Qualifikationen für das Berufsleben sie aus dem Studium mitbringen. An der Uni lernt man darüber in der Regel nichts.

    Seit drei Jahren bin ich jetzt als freiberuflicher Übersetzer (vor allem Romane u. TV-Dokus) tätig. Dafür sind diverse Kenntnisse aus dem Studium sicher hilfreich, aber nach meinem Abschlusszeugnis hat sich noch keiner der Verlage erkundigt. Da spielen vor allem Kontakte (Stichwort Netzwerken), Empfehlungen durch Kollegen und, was man für wen schon übersetzt hat, eine Rolle.

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    1. Danke dir! 🙂
      Du sprichst da ein gutes Thema an: Als Geisteswissenschaftler studiert man einfach auf kein konkretes Berufsziel hin und so ist der Einstieg in die Arbeitswelt eher ein Ausloten und Ausprobieren als ein direktes Ankommen. Bei mir hat es ja auch etwas gedauert; ich glaube, dass es einfach auch eine Frage des Alters und der Reife ist. Merkt man sehr deutlich, dass ich dieses Abi-mit-18-Bachelor-mit-21-Master-mit-23-Gehetze ablehne? 😉
      Deinen Berufsweg finde ich übrigens sehr spannend. Wie du auch war mein Studium eine Überzeugungstat und mein weiterer beruflicher Weg wird wohl auch vor allem durch Netzwerken und Referenzen weitergehen. Aber auch wenn der Uniabschluss dafür keine entscheidende Rolle spielen sollte, ist es nie verkehrt, ein Zeugnis zu haben, dass man vorzeigen kann. Wir sind ja immer noch in Deutschland… 😉

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  6. Amen … Muss ich dazu mehr sagen? Du sprichst mir aus der Seele. Auch wenn ich eher zu den GWs gehöre, die sich gern auch mal verzetteln und einen absurden Nebenpfad betreten. Manchmal springt dabei nämlich was Spannendes raus, womit niemand gerechnet hat, selbst ich nicht. *g*

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    1. Aber genau das macht uns Geisteswissenschaftler ja gerade so charmant: Dass wir den Nebenpfad überhaupt in Erwägung ziehen, uns dann auch noch trauen, ihn zu betreten und dabei vielleicht Spannendes finden, was keiner auf dem Zettel hatte. Ich finde das großartig! 🙂

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  7. Mit meinem Hintergrund bin ich ja wahlweise nur ein halber Geisteswissenschaftler, oder Geisteswissenschaftler par excellence (da Mathematik die Königin der Geisteswissenschaften ist 😛 ), insofern stimme ich dir selbstredend zu. 🙂
    Ich bekam auch oft genug von Mitschülern zu hören, dass doch Geisteswissenschaften nutzlos seien, weil sie weder greifbare oder praktische Dinge hervorbringen, noch sonst einen materiellen Nutzen haben. Darüber schüttele ich heute noch den Kopf…

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    1. Du halbe Portion, du! 😀 Aber gerade deine Fächerkombination muss doch im Studium andere dazu provoziert haben, mit dir zu diskutieren, oder? Meistens können die Zahlenjunkies ja nichts mit den Bücherwürmern anfangen und umgekehrt. 😉

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      1. 😛
        Hm, tatsächlich nicht, nein. Die Mathematiker waren meist in Gruppen unterwegs, die sich gegenseitig geholfen haben – da hab ich auch einige sehr gute Freunde kennengelernt – während die Germanistinnen (Männer gab es so gut wie keine) so gar kein Interesse an Mathe hatten. XD
        Aber ich hatte hier und da auch den Eindruck, dass so manche Germanista nicht mit Büchern kann. *pfeif*

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      2. Ihr hattet keine Männer in der Germanistik?!? Bei uns war das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen, möchte ich behaupten. Krass, wie unterschiedlich das sein kann. Waren denn in Mathe nur Männer? Das wäre ja das Oberklischee! 😀

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      3. Naja, wie mans nimmt. DIe Frauenquote an Schulen dürft schon bei 2/3 liegen, was bei umgekehrten Geschlechtervorzeichen ein katastrophaler, sofort zu behebender Missstand wäre. So aber ist es ganz gut. Du merkst, ich reagiere allergisch und gereizt darauf, aber gerade beim Thema Lehramt sollten Quoten eher für Männer gelten. ^^‘
        Ansonsten, ich weiß nicht mehr, wie viele Damen damals Mathe auf Diplom studierten, aber es werden doch einige gewesen sein.

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      4. Echt? Ich finde das nicht sehr aggressiv. ^^‘
        Aber umgekehrt gefragt: Stört dich denn nicht der ständige Ruf nach Quoten unter dem Deckmantel von mehr Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, während zugleich an Schulen (und vermutlich im ganzen öffentlichen Dienst) deutlich mehr Frauen beschäftigt sind und sich das durch die lieben Frauen-, pardon, Gleichstellungsbeauftragte auch nicht ändern wird?
        Ich finde das schlicht und ergreifend Rosinenpickerei. Quoten, da wo Frauen profitieren, und da, wo andere profitieren, lautes Schweigen.
        Gleichberechtigung stell ich mir einfach anders vor.

        Aber gut, lassen wir das lieber. Am Ende wirfst du mich hier noch raus. ^^

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      5. Ich habe eher den Eindruck, dass es so viele Frauen an Schule gibt, weil einfach wesentlich mehr Frauen auf Lehramt studieren. Mir wäre jetzt nicht bekannt, dass es tausende Arbeitslose männliche Lehrer gibt, weil nur Frauen eingestellt werden. 😀 Was ich von solchen Quoten halten soll, weiß ich im Übrigen auch nicht. Ich will nicht die Quotenfrau sein, die ihren Job nur bekommen hat, weil noch eine Frau gefehlt hat…
        Aber keine Angst, ich werfe dich hier bestimmt nicht raus. Diskussionen sind gut und Meinungen verschieden! 🙂

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      6. Du, das steht ja auch wieder auf einem anderen Blatt. 🙂
        Da spielen sowohl die Bezahlung, als auch gesellschaftliche Vorbehalte Männern gegenüber, die mit Kindern arbeiten wollen, eine Rolle, gerade an Grundschulen. Ansonsten, ja, da wäre es doch mal Zeit für eine Charmeoffensive in die Richtung, weil es ähnliche Zahlen im MINT-Bereich gab (gibt? Bin da nicht soo up to date) und da mächtig viel Wirbel drum gemacht wurde.

        Das ist auch so ein Aspekt. Wie steht man dann da, als Quotenfrau, was denken die Kollegen und so? Ein sehr schwieriges Thema.

        Danke. 🙂

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      7. Hast du mal Vorbehalte dir gegenüber bemerkt, nur weil du ein Mann bist? Das ist schon echt krass, dieser Generalverdacht. Was soll sowas? Alle sind sich einig, dass Kinder männliche Vorbilder brauchen – aber wenn dann welche da sind, ist es auch nicht richtig. Fast so wie mit den Quotenfrauen. Alle wollen Frauen in Führungspositionen, aber bitte nicht in der eigenen Firma. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

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      8. Glücklicherweise nicht. Aber unser Schulrechtsdozent hat uns eindringlich davor gewarnt, alleine mit Schülern in einem Zimmer zu sein und zumindest die Tür offen zu lassen, Schüler unter gar keinen Umständen anzufassen und sich jedwede Äußerung zum Aussehen zu schenken. Da er sich dabei ganz explizit an die männlichen Refis wandte, scheint es wohl doch so zu sein, dass man die wahlweise besonders schützen muss oder eben Angst vor denen hat.
        War auch schon so im Praxissemester, was diese Warnung betrifft.

        Tja, es wird eben das Narrativ vom Mann als Raubtier weiterverfolgt. Immer geil, immer gefährlich. Da frag ich mich manchmal schon, ob sich das noch groß vom Männerbild im Islam unterscheidet, wo ja sogar nackte Haare den Mann zum Tier werden lassen. Jetzt ohne Religion als solche reinzubringen, aber dieses Bild vom Mann als Tier, das stört mich, aber leider scheint es noch sehr verbreitet.

        Ach, weißt, ich wünsche mir nur fähige Vorgesetzte, was für ein Geschlecht die haben oder mit was für einem sie dann abends in die Kiste steigen, das interessiert mich nicht.

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      9. Den Rat mit der offenen Tür gibt es wohl überall. Das wurde gerade Männer bei uns in den Seminaren und Co. auch nahegelegt. Dieser Generalverdacht ist wirklich traurig und für viele Lehrer und Erzieher bestimmt auch immer wieder frustrierend. Wenn man bei jedem Gespräch darauf achten muss, dass auch ja ein Zeuge dabei oder die Tür offen ist – ätzend. Ich weiß auch nicht, warum sich dieses Bild vom bedrohlichen Mann so eingeprägt hat in den letzten Jahren. Gefühlt nimmt diese Tendenz ja eher zu als ab.

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      10. Ihr hattet Männer in der Germanistik?! 😮 Und in der Romanistik?! Bei uns sind sowohl in Germanistik als auch in Anglistik fast keine Männlein vorhanden^^, von ausgeglichen kann nicht die Rede sein. Ich habe pro Kurs vielleicht 2-3 Herren der Schöpfung in Reihen gefüllt mit Damen… Kann also Pi-Ers Erfahrung teilen.

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      11. Ja, wir hatten durchaus einige Männer in der Germanistik. Im Master weniger als im Bachelor, aber auch dort noch eine ganz gute Quote (ich würde mal schätzen mind. ein Drittel). In der Romanistik hingegen konnte man die Männer auch bei uns an einer Hand abzählen. 😀 Von Freunden, die Anglistik studiert haben, weiß ich allerdings, dass dort der Männeranteil auch nicht zu verachten war. Was ist denn bei euch im Süden los? Müssen Männer da alle Ingenieure werden? 😉

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  8. Ich kann dir die Sache mit dem Dreißigjährigen Krieg und der Kuba-Krise gern erörtern. Dafür benötige ich auch keine Extrarecherche, da ich dies für beide Themen – dem einen mehr, dem anderen weniger – bereits ausgiebig getan habe. In meinem historischen Studium. 😉

    Ansonsten sind deine Argumente ein wunderbares Plädoyer für uns Geisteswissenschaftler. Prägnant auf den Punkt. Das unterschreibe ich gern so…

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  9. Ein schönes Plädoyer, in der Tat! Ich wäre ja beinahe Grundschullehrer geworden, habe dann aber das Referendariat hingeschmissen, als sich „was mit Medien“ ergab, das damals noch nicht so hieß und auch nicht so undifferenziert daher kam.
    Geisteswissenschaftler können jeden Laden befruchten, doch viele Läden haben sich inzwischen zum Spiegelbiöd der Gesellschaft gewandelt, Spiegelbild meine ich natürlich… Nicht nach außen anecken wollen – und innen wollen sie Leute haben, die auch nicht anecken wollen, die „leicht zu führen“ sind, weil sie nicht fragen, schon gar nicht hinterfragen. Und dann kommt da noch der Nachwuchs mit den von Dir auch so „geliebten“ Turbo-Abschlüssen. In Studiengängen, unter denen ich mir offen gestanden manchmal gar nichts vorstellen kann. Die aber anscheinend auch zeitlich so eng getaktet sind, daß sie den Studenten kaum Zeit zum drüber nachdenken lassen. Nur wiederkäuen und bei der Prüfung notenbringend auskotzen (entschuldige!).
    Und wenn Du sie dann im Job siehst, denkst Du, sie haben vor allem gelernt sich gut zu verkaufen. Fehlende Erfahrung, die man ja als Berufseinsteiger automatisch hat und die auch nicht schlimm ist, wird dann mit heißer Luft versucht zu kompensieren. Auf lange Sicht geht so etwas auf Kosten der Qualität, aber da ist dann wieder Geiz statt Geist geil.
    Mein Praktikum, mit dem für mich damals alles anfing, würde ich heute gar nicht mehr bekommen. Und Praktikanten, die bei mir mitlaufen und bei denen man den Eindruck hat, sie könnten den Job lieben oder tun es schon, sind sooo selten geworden.

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    1. Oh, ich fühle mich dir sehr verbunden, denn ich habe auch ein Ref abgebrochen (Gymnasium), weil ich lieber „was mit Medien“ (sprich: Schreiben) machen wollte! 🙂
      Auch alles andere kann ich so unterschreiben. Es ist wirklich schade, dass manche Unternehmen scheinbar einfach Angst davor haben, dass jemand Aufgaben auf eine andere Art angeht oder eigene Ideen einbringt. Ich glaube ja fest daran, dass Menschen mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund sehr viel voneinander lernen können. Aber natürlich ist es einfacher, eine Abteilung mit lauter Angestellten zu besetzen, die alle die gleiche Ausbildung haben und schon genau das können, was dort gefordert ist.
      Ich habe ja tatsächlich auch schon nach diesem ekligen neuen System namens Bachelor/Master studiert, bin aber durch G9, Auslandssemester und Doppelstudium etwas älter aus dem Studium herausgekommen als so manch anderer. Zum Glück hat meine Uni auch nicht jede Hausarbeit durch Auskotz-Multiple Choice-Klausuren ersetzt. Die sind nämlich wirklich sinnlos und bereiten auf nichts vor. Schon gar nicht darauf, den eigenen Berufsweg zu finden. Das geht für unsereins wahrscheinlich wirklich nach der Try-and-error-Methode…
      In welchem Bereich arbeitest du denn, wenn ich fragen darf?

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      1. Ich weiß gar nicht einmal , ob es seitens der Unternehmen wirklich eine Form von Angst ist – aber es vereinfacht natürlich das „Durchregieren“ in einem Laden ungemein, wenn da keine Form von Widerspruch zu erwarten ist. Ob es den Laden als solchen weiter bringt? Wohl kaum.
        Abgebrochenes Referendariat… es stank mir einfach, da mit Leuten zu tun zu haben, die – ich überspitze mal – Mittwoch mittags aus dem Fenster schauten und sagten, es sei Freitagnacht. Und dann erwarteten, daß alle anderen auch aus dem Fenster gucken, mit dem Kopf nicken und sagen „Stimmt! Freitagnacht!“ Du verstehst bestimmt, was ich meine.
        Wahrscheinlich wäre ich wieder an die Uni gegangen, aber dann kam mein Traumjob seit Jugendzeiten dazwischen 🙂 Praktikum – binnen vier Tagen ans Ende der Republik, vorher noch mein erstes Auto besorgen. Und ab zum Radio! 🙂

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      2. Zum Radio! Das ist auch so ein Medium, dass in unserer Zeit total zu unrecht von vielen verschmäht wird. Klar, ich höre auch Musik über Streams, aber zum Beispiel jetzt läuft gerade das Radio nebenbei. 🙂 Radio ist definitiv ein Medium, dass mich auch nochmal reizen würde. Muss gar nicht am Mikrofon sein, einfach in der Redaktion. Naja, mal schauen, wohin es mich noch verschlägt. Wozu so ein abgebrochenes Referendariat doch gut ist! 😀 Und ja, ich weiß genau, was du meinst…

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  10. Ich bin zwar kein Wissenschaftler, habe aber mal zwei Semester Germanistik studiert und fühle mich den Geisteswissenschaften (Sprach-, Literaturwissenschaft) nahe. Es ist wirklich so, dass die Welt meint, sie brauche heutzutage nur noch Ingenieure/Techniker, Physiker, Wirtschaftswissenschaftler und evtl. noch Juristen. Ich merke das auch bei einer Arbeitskollegin, die von sämtlichen angehenden und bereits „fertigen“ Geisteswissenschaftlern überhaupt nichts hält. Ach ja, ich arbeite in der Personalverwaltung einer deutschen Hochschule. Aber generell ist Ignoranz heute leider sehr gängig.

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    1. In der Personalverwaltung einer Hochschule gibt es Mitarbeiter, die so denken? Werden die Stellen deshalb immer den naturwissenschaftlichen Studiengängen zugeschoben? 😉 Nein, mal im Ernst: Was du schreibst, beobachte ich auch zunehmend. Berufe mit Perspektive sind heute samt und sonders solche, die irgendwelche Techniken voranbringen oder naturwissenschaftliche Phänomene erforschen. Dass unsere Kultur, sprich unsere Sprache, unsere Geschichte, unser tradiertes Wissen uns erst dorthin gebracht hat, wo wir heutzutage sind, vergisst die Gesellschaft nur zu gern. Gerade darum ist die Beschäftigung mit solch vermeintlich „sinnlosen“ Themen auch so wichtig. Und spätestens wenn es um das Thema Werbung oder Unternehmenskommunikation geht, fällt Unternehmen dann auf, dass es eigentlich doch ganz nett ist, wenn jemand sich mit der eigenen Sprache, Kultur und den Bereichen Recherche und Textproduktion auskennt. Eigentlich ganz schön traurig, dass wir dann wieder gut genug sind.

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      1. Ja, die Welt wird wahrlich nicht besser. Die Menschen verdummen zusehends.
        Meine Arbeitskollegin ist jetzt allerdings keine mit der Qualifikation, Stellen irgendwohin zuzuteilen, sondern wie ich in der mittleren Qualifikationsebene (mittlerer Dienst). Allerdings passt die Einstellung zu ihrem reaktionären, engstirnigen Weltbild, das ihr von den Eltern (beides Ingenieure) eingebläut wurde.
        Viele Leute sind auch einfach totale Kulturbanausen und rühmen sich damit, wenn sie irgendeinen Bestsellerkäse lesen, den sie für hohe Kultur halten.

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      2. Wahre Worte, gerade was Engstirnigkeit angeht. Jeder ist natürlich durch Umfeld und Erziehung geprägt und beeinflusst in Meinungen und Ansichten, aber das sollte einen nicht daran hindern, auch andere Lebensmodelle zu tolerieren. Schubladendenken bringt uns als Gesellschaft jedenfall nicht voran.

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      3. Du stammst aus der hinteren Provinz? Aber da komme ich doch her! 😉 Eltern sind sicherlich sehr prägend, aber irgendwann ist einfach auch der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich mal selbst eine Meinung bildet und nicht nur die von anderen nachplappert. Leider sind viele dazu gar nicht in der Lage, weil es natürlich auch viel bequemer ist, nicht nachzudenken. Wie man dieses Dilemma lösen kann, weiß ich allerdings auch nicht. Schule und Co. können das nicht kompensieren.

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  11. Ein wunderbarer Text, dem ich voll und ganz zustimmen kann! Ich hätte mir in meinem Studium auch ein breiteres Wissen gewünscht, stattdessen wurde es immer spezifischer. Aber es stimmt eben, man muss sich selbst belesen, dafür ist ein Studium ja auch vorgesehen.

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    1. Danke dir! Eigeninitiative ist wirklich das, was im Studium gefördert werden sollte. Leider bleibt die Zeit dafür in den stark durchgetakteten Studiengängen heute auf der Strecke. Ich glaube, hätte ich noch einen Magister machen dürfen und keinen Bachelor bzw. Master, dann hätte ich noch mehr aus dem Studium mitgenommen…

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      1. Ja, das hat sich sehr verändert. Ich kann nicht behaupten, dass mir das Studium sehr viel Spaß gemacht hat. Es war vielmehr harte Arbeit, eine Prüfung nach der nächsten und für die nächsten Jahre bin ich von Gruppenarbeit aber sowas von befreit!

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  12. Ein wunderbares Plädoyer, dem ich nur zustimmen kann. Ich arbeite in einem Wissenschaftslektorat und stelle immer wieder fest, dass unsere Geisteswissenschaftler auch interdisziplinär in der Lage sind, profundes Feedback zu Arbeiten zu geben. Nahezu alle anderen Fachbereiche sind grundsätzlich sehr auf ihre Schwerpunkte fokussiert.
    Herzliche Grüße
    Stephie

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    1. Hallo Stephi,
      vielen Dank für dein Lob! 🙂 Dein Job klingt total spannend und die Erfahrungen, die du mit Geisteswissenschaftlern gemacht hast, bestätigen erneut meine eigene Sichtweise auf sie. Natürlich hat man auch als Geisteswissenschaftler sein Steckenpferd und sein Spezialgebiet, aber viele der Fähigkeiten, die in einem solchen Studium vermittelt werden, sind eben universell anwendbar. Gerade was Textkompetenz angeht, liegen hier wohl die Stärken. 🙂

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  13. Ich stimme dir absolut zu! 🙂 In fast allen Punkten, denn mit einem Programm zur Quellenverwaltung habe ich persönlich nie gearbeitet. 😛 Ich musste in jeder Disziplin (also Englisch Litwi/Englisch Lingu/Deutsch Litwi/Deutsch Lingu) nach einem anderen Standard bibliographieren und habe diesen Programmen irgendwie nicht vertrauen wollen, ich mache das ganz oldschool manuell. Nach 2-3 Quellen nach einer Zitierrichtlinie bin ich da aber auch wieder drin und dann geht das recht flott. Hast du echt auf diese Programme vertraut? 😀 Das ist bei uns immer eine heiß diskutierte Frage.
    Ansonsten ist deinen Ausführungen wirklich nichts hinzuzufügen und ich habe schon oft ein ganz ähnliches Plädoyer für die Geisteswissenschaften gehalten. 🙂 Nicht selten habe ich allerdings Fragen bekommen wie: „Wenn du Deutsch schon kannst, wieso studierst du es dann?“ (Als ginge es darum, die Sprache zu erlernen!), oder eben am häufigsten: „Wofür braucht man den Kram?“, weil die Leute vom individuellen Thema nicht abstrahieren und die Kompetenz dahinter sehen, sondern den pragmatischen Bezug suchen – z.B. von Derridas Dekonstruktionstheorie. 😉

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  14. Hallihallo,
    leider war es ja schon immer so, dass geisteswissenschaftliche und auch künstlerische Profile von der Wirtschaft als wenig brauchbar eingestuft wurden – das ist nicht erst mit dem Schlagwort MINT so gekommen. Ich habe ehrlich gesagt, nie verstehen können, warum. Schließlich erwirtschaften die Kreativindustrien, also die gesamte Unterhaltungsbranche, jedes Jahr Unsummen. Erzählt mir jetzt nicht, dass irgendwelche BWLer sich die Drehbücher für die ganzen Blockbuster ausgedacht haben 😀 Es hat wohl wirklich was mit den Selbstmarketingstrategien der Geisteswissenschaftler zu tun und natürlich auch damit, dass einige sich schlicht zu schade sind, bei Unternehmen einen Job zu suchen, die wenig sexy Bauteile oder Tütensuppen verkaufen.
    Ich stimme dem hier allem zu bis auf den Teil mit dem Probearbeiten. Das geht in Ordnung, mMn, und dürfte auch in Werbeagenturen, Architektenbüros und anderen Arbeitsplätzen wo Kreativität gefragt ist, nicht unüblich sein. Leider hat Deutschland ja null Ausbildungstradition vorzuweisen, wenn es ums Schreiben geht. Von der Vielfalt an Studiengängen wie sie hier der englischsprachige Raum bietet, kann man hierzulande nur träumen. Das ist der Unterschied zu frischgebackenen Ingenieuren oder Anwälten, denke ich. Von einem Literaturstudium kann ich nicht darauf schließen, wie gut jemand schreibt. Klar, Arbeitsproben kann man immer beilegen, aber weiß ich dann, ob der betreffende angehende Romancier sich auch in einen Tütensuppenkonsumenten hineinversetzen kann? 😉 Dass das Probearbeiten nicht vergütet wurde, ist allerdings inakzeptabel. Da würde ich mich mal schlau machen, ob Du das nach Ende der Probezeit als Überstunden abfeiern kannst.
    LG
    PS: Slawische Literaturen und Geschichte des Balkans – woohoo!

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    1. Slawische Literaturen und Geschichte des Balkans? Respekt! Das nenne ich Liebe zu den Geisteswissenschaften! 🙂 In vielen Punkten sind wir uns sehr einig, auch darin, dass es schade ist, dass an Unis so wenig zur Förderung des Schreibens getan wird. Ich hätte supergerne Kurse zum kreativen Schreiben o.ä. besucht. Ob Anwälte oder Ingenieure wirklich besser auf den Arbeitsalltg vorbereitet werden, weiß ich hingegen auch nicht. Juristen lernen doch gefühlt auch nur ihre dicken Wälzer auswendig und werden dann auf die Menschheit losgelassen. 😀 Mein Probearbeiten war übrigens auch in einer Werbeagentur, also schon ein kreatives Umfeld. Dass das Probearbeiten auch rechtlich eine nun ja, graue Zone ist, wusste ich tatsächlich nicht. Habe gerade nochmal recherchiert und eine Vergütung ist dafür tatsächlich nicht vorgesehen – aber „richtige“ Arbeit eigentlich auch nicht, eher so ein Mitlaufen bei anderen Kollegen. Ich werde deswegen aber jetzt keinen Stress machen, da gibt’s andere Dinge, über die ich nochmal verhandeln möchte nach der Probezeit. 😉

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  15. Ich mag deinen Beitrag sehr, hab ihn erst jetzt gefunden und kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Ich habe auch Lehramt studiert (Pädagogik und Deutsch), aber auch einen Fachmaster in Komparatistik gemacht und hampel jetzt seit zwei Jahren herum und versuche irgendwie beruflich anzukommen. Bisher schlägt man sich halt so durch, aber ich hätte nie gedacht, dass es so schwer ist und wenn es gar nicht anders geht, bleibt mir immerhin noch die Schule, wenn mich eben keiner mehr will. Trotzdem sehr ermutigend, deinen Beitrag zu lesen. 🙂

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    1. Dankeschön! 🙂 Ich freue mich, dass der Beitrag dich ermutigt – genau das wollte ich damit bezwecken! In welchem beruflichen Umfeld treibst du dich denn herum, wenn ich fragen darf? In einem ähnlichen wie ich? 🙂 Mit einem Lehramtsabschluss hat man immer noch die Option auf diesen sicheren Job, da hast du recht. Aber ich habe festgestellt, dass Lehrer ein echter Knochenjob ist, wenn man nicht dafür lebt. Aber auch das konnte ich nur herausfinden, indem ich es selbst erlebt habe…Insofern wünsche ich dir viel Erfolg bei deinem weiteren Berufsweg, egal wohin er dich verschlägt! 🙂

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