Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

Viele Dinge im Leben lassen sich nicht erklären. Das gilt besonders für Vorlieben. Warum schmeckt mir Crème Brûlée so gut, dass ich sie jeden Tag essen könnte? Warum ist meine Lieblingsfarbe Rot und nicht Gelb? Warum mag ich das Meer lieber als die Berge, tanzen lieber als joggen, Rockmusik lieber als Hip-Hop und den Samstag lieber als den Sonntag? Ich kann Vermutungen anstellen (bei der Samstag-/Sonntag-Frage habe ich eine vage Ahnung… 😉 ), aber völlig aufklären werde ich die Gründe für diese Vorlieben wohl nicht. Das soll mich aber nicht davon abhalten, heute mal ein wenig darüber zu sinieren, warum ich zwar viele TV-Serien, die ich bislang gesehen habe, mag, aber es doch nur etwa ein Dutzend auf die Liste meiner Lieblingsserien geschafft hat. Seid ihr dabei?

Schreibtisch-Lieblingsserien

Bevor ich hier Überlegungen dazu anstelle, warum mir manche Serien besser gefallen als andere, erscheint es mir sinnvoll, kurz aufzulisten, welche Produktionen es auf meine Lieblingsserienliste geschafft haben. Ich wähle dafür einfach die alphabetische Reihenfolge:

  1. Fringe
  2. Gilmore Girls
  3. Gossip Girl
  4. House of Cards
  5. Lost
  6. Mad Men
  7. Six Feet Under
  8. Sons of Anarchy
  9. Suits
  10. The Sopranos
  11. The Wire
  12. Twin Peaks

Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

Nachdem geklärt ist, welche Serien sich einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert haben, fällt es deutlich leichter, sich über das „Warum“ Gedanken zu machen. Ich habe dafür vor allem folgende Gründe identifiziert:

1. Eine Lieblingsserie würde ich bedingungslos weiterempfehlen.

Die persönliche Empfehlung eines Produktes oder einer Dienstleistung durch eine Person, der wir vertrauen, ist heutzutage Gold wert. Kein Wunder, dass Influencer Marketing so durch die Decke geht. Wenn mich jemand nach Serien fragt, die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann, sind es (mindestens) diese 12. Einige davon empfehle ich grundsätzlich immer allen, die sie noch nicht kennen (Fringe, Lost, The Sopranos, The Wire, Twin Peaks, Suits und neuerdings auch Sons of Anarchy), andere sind wohl nicht für jeden das große Los (Die Gilmore Girls zum Beispiel funktionieren für viele Männer nicht so gut, habe ich mir sagen lassen…). Dennoch hat jede der genannten Serien etwas, das sie sehenswert macht. Damit sind wir auch schon bei den nächsten Punkten:

2. Eine Lieblingsserie hat eine starke und/oder klug und/oder fesselnd erzählte Geschichte.

Menschen lieben gute Geschichten. Sie müssen nicht immer gut ausgehen, müssen nicht immer lustig oder dramatisch oder überraschend sein, sondern einfach nur konsequent und glaubwürdig erzählt. The Wire ist für mich das beste Beispiel dafür: Eine Serie, die in einem trostlosen Umfeld spielt und eigentlich nur tragische Handlungsstränge hat, es aber trotzdem schafft, eine komplexe Geschichte fesselnd und unterhaltsam zu erzählen. Gutes Storytelling funktioniert natürlich auch in ganz anderen Milieus und auf wesentlich simplere Weise. Gossip Girl zum Beispiel dreht sich eigentlich nur darum, dass alle – der Zuschauer inklusive – herausfinden möchten, wer denn dieses Gossip Girl nun ist. Einfacher kann man keine Spannung erzeugen.

3. Eine Lieblingsserie schafft es, dass das Schicksal ihrer Figuren den Zuschauer emotional berührt.

Ich stelle oft schon bei der ersten Sichtung einer Serie fest, dass diese es wohl auf meine Lieblingsserienliste schaffen wird. Dafür gibt es ein ganz einfaches Anzeichen, wenn sie sich dem Ende nähert: Ich spare mir die letzten Folgen auf, zögere das Serienfinale so lange wie möglich hinaus, weil ich nicht möchte, dass die Serie endet. Ich möchte mich nicht endgültig von den Figuren und ihrer Welt verabschieden, sondern noch möglichst lange Teil des Serienuniversums bleiben. Irgendwann siegt dann natürlich doch die Neugier. Eine echte Lieblingsserie schafft es dann, dass mich das Schicksal ihrer Figuren emotional berührt. Und zwar so richtig. Six Feet Under ist wohl das Paradebeispiel für ein emotionales und unglaublich berührendes Ende – das vielleicht beste Serienende ever.

Aber natürlich ist auch bei einer Lieblingsserie eigentlich der Weg das Ziel: In ihrem Verlauf muss sie es darum schaffen, dass mir ihre Figuren ans Herz wachsen und mich mitnehmen auf eine emotionale Reise, bei der ich mich mit ihnen freue, leide und schockiert vor dem TV sitze, wenn sie den Serientod sterben.

4. Eine Lieblingsserie macht Spaß.

Bei all den emotionalen Momenten und der starken Story ist für mich dennoch wichtig, dass eine gewisse Leichtigkeit nicht komplett verloren geht. Ich möchte schließlich unterhalten werden! Oft geschieht das über Wortwitz (Suits ist hier ein gutes Beispiel). Manchmal fällt diese Aufgabe aber auch explizit einer, zwei oder mehreren Personen zu. In Fringe ist es Walters Spleenigkeit, die für Unterhaltung sorgt, in Sons of Anarchy sind es Tig und Chucky, in Mad Men ist es meistens Roger.

5. Eine Lieblingsserie hebt sich vom Serien-Einheitsbrei ab.

Vor über 25 Jahren revolutionierte David Lynch die Serienwelt, als er Twin Peaks schuf. Verstörend, tiefgründig, erschreckend, komisch, aber vor allem anders war diese Serie. Grundsätzlich ist Andersartigkeit für mich ein gutes Kriterium, um eine Lieblingsserie zu beschreiben. Dabei kann sich diese Andersartigkeit auf die Figuren, die Geschichte, die Erzählweise, den Ort etc. beziehen. Gilmore Girls lebt von der ganz besonderen Mutter-Tochter-Beziehung; Lost unterscheidet sich von anderen Serien durch seine Ortsgebundenheit und die Besonderheit dieses Ortes; Fringe spielt mit Zeit, Raum und Universen, ohne dabei Science-Fiction zu sein (außer in Staffel 5 vielleicht). Statt ein bekanntes Thema das x-te mal auf die gleiche Weise aufzurollen, wählt eine Lieblingsserie meistens einen anderen Ansatz oder erzählt direkt eine Geschichte, die es so vorab noch nie gab.

Fazit

Sich dem Thema Lieblingsserien auf analytische Art und Weise zu nähern, ist gar nicht so leicht. Letztendlich ist für mich meist die emotionale Bindung an eine Serie entscheidend, damit ich ihr das Prädikat Lieblingsserie angedeihen lasse. Das tue ich nämlich nicht leichtfertig. Ich dachte sogar, ich hätte all meine Lieblingsserien bereis gefunden, da ich die genannten zu großen Teilen schon vor über zwei, drei Jahren oder sogar noch früher für mich entdeckt habe. Zum Glück habe ich aber vor Kurzem festgestellt, dass Serien mich auch heute noch emotional so richtig berühren können (nämlich Sons of Anarchy). Die obige Liste ist also nur eine Momentaufnahme und wird in den nächsten Monaten und Jahren bestimmt noch wachsen. Ich freue mich darauf.

Welche Serien sind Eure Lieblingsserien – und warum? Könnt Ihr erklären, warum ihr gerade diese Serien so gern mögt und andere vielleicht nicht? Und was haltet Ihr von meinen oben aufgestellten Kriterien über Lieblingsserien?

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

20 Kommentare zu „Seri(e)ös: Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

  1. Deine Kriterien finde ich gute Anhaltspunkte! Wenn ich aber jetzt so drüber nachdenke, scheint es mir aber eher eine unerklärbare emotionale Bindung zu sein, die eine Serie zur Lieblingsserie macht. Die Mutter-Tochter Beziehung bei den Gilmore Girls ist zwar klar das Alleinstellungsmerkmal. Aber obs gefällt ist immer noch Geschmackssache (und leuten mit gutem Geschmack gefällt’s). Ach Gott… ein kompliziertes Thema… da könnte man ja noch Stunden drüber nachdenken 😁

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    1. Das könnte man definitiv! Ich glaube auch, dass es letztlich eine emotionale Sache ist, ob man eine Serie „nur“ richtig gut findet oder ob aus ihr eine Lieblingsserien wird. Die Gilmore Girls sind auf jeden Fall Letzteres!

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  2. zu 1) Das sehe ich ebenso. Lieblingsserien kann man problemlos weiter empfehlen.
    zu 2) Das muss sie können, sonst würde es eine Serie nie auf das Podest schaffen. Ich mag viele Serien aber Lieblingsserien habe ich auch nicht sehr viele.
    zu 3) Emotional in beide Richtungen bewegen. Was haben wir nicht alle wegen Geoffrey auf GoT gezürnt… ;)Aber bei mir ist es mehr die Geschichte als die einzelnen Figuren. Die haben auch Auswirkungen… logisch… aber die Story muss passen.
    zu 5) Jaein… Abheben vom Einheitsbrei durch ihre Erzählweise… das lasse ich gelten 😉

    Meine All-Time-Lieblinge:
    Fringe
    Babylon 5
    Game of Thrones
    Elementary
    Earth 2
    Z Nation
    Sledge Hammer
    Thunderbirds

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    1. Das ist ein guter Einwand, dass eine Lieblingsserie den Zuschauer emotional in beide Richtungen berühren muss/sollte. Viele sagen ja, dass Hass eine wesentlich stärkere Emotion ist als Liebe. Wichtig ist einfach, dass Emotionen wach werden. Ich finde nichts schlimmer, als wenn mir die Figuren pupsegal sind. Dann kann ich auch direkt abschalten.

      Schön übrigens, dass Fringe auf deiner All-Time-Liste ganz oben steht. Da steht sie bei mir auch! ♥

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      1. War auch ganz knapp mit Babylon 5 😉
        Beide richtungen müssen sein… sonst bringt das nichts. Wenn der Antagonist nicht zu überzeugen weiß, wird auch die Glaubwürdigkeit des „Helden“ weggewaschen.

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  3. Ich höre immer wieder, dass viele die HBO-Serien emotional berührend finden, weil ihre Figuren so realistisch dreidimensional gezeichnet sind. Ich kann das nicht nachempfinden. „The Wire“ und „The Sopranos“ sind für mich wie Sittengemälde, die ich meist mit (distanzierter) Faszination verfolge, SFU hingegen nervt mich seit der 2. Staffel regelrecht.

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    1. Bei Six Feet Under kann ich dich ein bisschen verstehen – da habe ich auch wirklich, wirklich lange gebraucht, bis ich Spaß an der Serie hatte. Eigentlich hat es erst im Laufe von Staffel 4 „Klick“ gemacht, weil ich dann das Gefühl hatte, so richtig angekommen zu sein. Staffel 5 + das richtig starke Ende haben wohl dazu beigetragen, dass mir die Serie letztlich doch noch so gut gefallen und mich berührt hat. Was nervt dich denn an der Serie, wenn ich fragen darf?

      Ein Stück weit kann ich auch deine Einwände gegen „The Sopranos“ und „The Wire“ verstehen. Gerade „The Wire“ ist wirklich speziell und bringt einfach auch so viele Figuren ins Spiel, dass es nicht leicht ist, wirkliche „Beziehungen“ zu diesen aufzubauen. Bei den „Sopranos“ hingegen habe ich mich die ganze Zeit mittendrin gefühlt und mit den Hauptfiguren richtig mitgefiebert. Besonders die Christopher-und-Adriana-Story ist mir nahe gegangen.

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      1. Ganz vergessen. Ich mochte die 1. Staffel von SFU ganz gern, bin aber gegen Ende von S2 hängengeblieben. Hierzu schrieb ich vor etwa einem Jahr in einer Chat-Nachricht Folgendes, das ich mal eben rauskopiert habe: „Mittlerweile ist das Konzept der Serie ja nichts Besonderes mehr, daher hat sich da Routine breitgemacht und für mich in vielen Teilen nur noch Standard-Soap zurückgelassen. Ruth ist schlimm wie eh und je, bei David gibt’s auch nur 08/15-Beziehungsdrama, und nachdem ich das Pärchen Nate/Brenda in der 1. Staffel noch erfrischend unorthodox fand, ist da nun superschnell die Luft raus. Brenda nervt ohne Ende und ist einfach nur kaputt & unreif. Nate ist zu blind, um das zu sehen, und reagiert auf Sexentzug mit dem Heiratswunsch, geht dann aber selbst noch fremd, und – natürlich – kam nun noch in Folge 9 ein Babybauch hinzu (wie billig). Ich wünsche denen nur noch alles Schlechte, inkl. Rico mit seiner homophoben Scheiße.“

        Man könnte dem entgegensetzen, dass es in der Tat so gewollt ist, diese Charaktere auch einmal unsympathisch zu finden, weil es zu ihrer dreidimensionalen, realistischen Darstellung beiträgt und sich in dieser HBO-typischen Manier guter Stoff für eine große (amerikanische) Gesellschaftsstudie bietet. Aber sobald ich die Figuren am Rande der Unerträglichkeit wahrnehme, leidet einfach zu stark mein Sehvergnügen darunter.

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      2. Ach je. Ja, ich kann dich durchaus verstehen. Manchmal ist es tatsächlich schwer, die Figuren zu mögen und die Geschichte als „mehr als eine Soap“ wahrzunehmen. Ich hatte anfangs z. B. große Probleme mit dem Erscheinen des toten Vaters, mit dem vor allem Nate ja immer wieder in Kontakt tritt. Am Ende ergibt es alles einen Sinn, aber ich verstehe auch, wenn man nicht bis dahin durchhält. Wenn es einen nicht packt, dann packt es einen nicht – da helfen dann auch keine Argumente begeisterter anderer Fans mehr. Ging mir mit Breaking Bad so. 😉

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  4. Uff, soooo viele Serien? Meine Lieblinge in der Zeit als ich noch einen Fernseher hatte, waren die verschiedensten Krimiserien… War sozusagen süchtig, und verabschiedete mich schließlich vom Fernseher. So nach dem Motto: lebst du noch selber, oder nur noch seriell? 😀 😀 😀

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  5. Nur 12 Lieblingsserien? Da hast du dich bestimmt ziemlich einschränken müssen… 😉

    Ein paar Überschneidungen gibt es tatsächlich zu meinen Lieblingen, wenngleich auch auffällt, dass Comedys komplett fehlen. Hat „Friends“ vielleicht mal eine Chance? Die würde bei mir auf jeden Fall auftauchen.

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    1. Ja gut, man muss halt Prioritäten setzen. 😉 Ich hätte auch nur meine Top 5 nennen können, aber das hätte ich nicht repräsentativ gefunden. So sind es aktuell eben 12… 🙂

      Comedys sind ja, wie du weißt, ein schwieriges Thema für mich, Ich habe echt überlegt, ob ich hier „Modern Family“ nennen soll, aber das fühlte sich nicht richtig an. Ich bin emotional nicht involviert, fühle mich von ihr einfach nur sehr gut unterhalten. Bei „Friends“ könnte das anders werden, aber bevor ich eine Serie nicht beendet habe, kann ich meistens schlecht sagen, ob sie es auf die Lieblingsliste schafft…

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  6. Zum einen muss ich mich emotional an die Figuren der Serie binden können. Gleichzeitig braucht eine Lieblingsserie das richtige Timing, soll heißen, ich muss die Serie zu einer Zeit in meinem Leben entdecken, wo die erzählte Geschichte Ansätze meiner Lebenswelt oder Anhaltspunkte, die mich identifizieren, bieten. Dann ist für mich eine Serie nachvollziehbarer und interessanter und mutiert vielleicht auch zur Lieblingsserie.

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    1. Das Timing ist ein richtig guter Einwand! Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber natürlich funktionieren bestimmte Serien in bestimmten Lebenssituationen einfach besser als in anderen. Vielleicht mag ich die Gilmore Girls heute nur so sehr, weil ich mich als Teenager mit Rory identifizieren konnte? Hmm.

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      1. Wahrscheinlich.
        Mir geht es mit SFU so. Ich hab mich ja immer am ehesten mit Nate identifiziert (und in einigen Aspekten auch mit Claire), weil zu der der damaligen Zeit auch mein Leben so ein bisschen nach ‚Was fang ich damit an?‘ aussah und ich Nates Unsicherheiten und Zweifel gut verstehen konnte.

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      2. Ich konnte mich mit Claire ja nie so richtig identifizieren (sie war mir immer zu alternativ irgendwie), dafür aber auch mehr mit Nate. Seine Probleme waren einfach so lebensnah, dass sie auch Geschlechtergrenzen überwinden. 🙂

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