Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Märchen für Erwachsene – Grimm (Staffel 1)

Steht in eurem Bücherregal eine Ausgabe von Grimms Märchen? Liebt Ihr die Geschichten von Rapunzel, Aschenputtel oder dem Froschkönig? Dann bringt ihr beste Voraussetzungen mit, um auch die Serie Grimm zu mögen. Meine waren nicht ideal, denn Märchen sind definitiv nicht meine liebste literarische Gattung. Warum mich die Story doch nach wenigen Folgen gepackt hat, lest Ihr in dieser spoilerfreien Besprechung.

Märchen sind für Kinder? Diese jedenfalls nicht!

Ich oute mich an dieser Stelle und sage es ganz offen: Ich finde Märchen doof. Ich kann mich nicht erinnern, jemals selbst ein Märchenbuch gelesen zu haben. Vorgelesen bekommen ja, natürlich. Aber als ich lesen konnte, fiel meine Wahl stets auf andere Geschichten. In meiner kurzen Zeit als Lehrerin hätte ich in der Unterstufe problemlos mal eine Einheit zum Thema Märchen unterrichten können. Habe ich nicht, denn irgendwie fehlt mir der Zugang zu dieser Art von Geschichten. Es mag an den fantastischen Elementen liegen oder auch an der oft sehr schematischen und klischeebehafteten Charakterisierung der Figuren – ich tue mich schwer mit märchenhaften Erzählungen. Umso skeptischer war ich, als der Herr Koch sich dafür entschied, die Serie Grimm anschauen zu wollen. Da ich aber unmittelbar vorher mit Black Mirror so danebengegriffen hatte – die Serie hat uns beiden nicht sonderlich gefallen und wir haben sie in Staffel 3 einvernehmlich abgebrochen (es folgt noch ein Beitrag dazu in den nächsten Wochen) – war ich allerdings in keiner Position, um ein Veto einzulegen. So ließ ich mich darauf ein und wurde schon bald davon überzeugt, dass aus Märchen definitiv Geschichten entstehen können, die als Abendunterhaltung für Erwachsene taugen.

Zur Handlung

Nick Burkhardt führt ein angenehmes Leben in Portland. Er wohnt mit seiner Freundin Juliette in einem netten Haus und liebt seinen Beruf als Polizist, in dem er mit seinem Partner Hank viel Spaß hat. Als seine Tante Marie eines Abends bei ihm zu Hause aufkreuzt, ist es allerdings schnell mit Nicks ruhigem Dasein vorbei, denn sie weiht ihn in seine Familiengeschichte ein. Genauso wie seine Eltern, die starben, als Nick ein Kind war, ist er ein Nachkomme der Brüder Grimm. Deren weltberühmte Geschichten stellen sich als wahr heraus, denn sie verfügten über die besondere Fähigkeit, zu erkennen, ob es sich bei einem Menschen um ein sogenanntes „Wesen“ handelt – also jemanden, der sich verwandeln kann und dann über besondere (oftmals böse) Fähigkeiten verfügt. Schnell stellt Nick fest, dass auch er über dieses Talent verfügt und es seine Berufung ist, die Menschheit vor diesen gefährlichen Kreaturen zu beschützen.

Fantasy und Mystery auf Märchenbasis

Ich gebe zu: Die Grundidee von Grimm hört sich weit hergeholt an. Grimms Märchen sollen wahr sein und einer ihrer Nachkommen ist jetzt Polizist in Portland, wo ihm nun auf einmal Wesen begegnen? Naja. Grimm findet jedoch ein ziemlich gutes Gleichgewicht zwischen Fantasy und Realität, zwischen verrückten Wesen und Alltagsgeschichten, zwischen einer übergeordneten, folgen- und staffelumspannenden Familiengeschichte und dem „monster of the week“-Schema. Der Zuschauer taucht zusammen mit Nick in diese neue Welt ein und erschließt sie sich Stück für Stück. Geschickt werden im Laufe der ersten Folgen die weiteren Hauptfiguren – fast alle (gute) Wesen – eingeführt, die Nick dabei helfen, in seiner neue Rolle anzukommen und sein Erbe zu verstehen. Mit dem mit Erinnerungen und Tagebüchern vollgestopften Wohnwagen seiner Tante und dem Kräuterladen, den eine Wesen-Freundin besitzt, werden zudem zwei Orte geschaffen, an denen Nick sich Rat und Hilfe holen kann, wenn er sie braucht. Dieser gemächliche, aber sehr konsequente Aufbau der erzählten Welt hat es zumindest mir leicht gemacht, in dieser für mich komplett unbekannten Serie anzukommen.

Fazit

Märchen sind nicht meine Lieblingsgattung, aber dennoch hat mich Grimm ziemlich schnell in seinen Bann gezogen. Daran sind wie so oft die Figuren schuld: Zwar steht Nick im Zentrum der Geschichte (und David Giuntoli macht seine Sache auch wirklich stark – und sieht dabei im Normalfall außerdem ziemlich gut aus 😀 ), aber gerade seine beiden Wesen-Freunde Monroe (ein vegetarisch lebender, ziemlich schräger, aber unfassbar knuffeliger Werwolf) und Rosalee (eine kluge Fuchsteufelin, die den Kräuterladen ihres Bruders betreibt) sind für mich die Sympathieträger der Serie. Sie erklären Nick viel über „ihre“ Welt, aber ohne sich selbst und das, was sie sind, zu ernst zu nehmen. Das gibt der oft doch recht düsteren Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und einen feinen Humor, den ich so nicht erwartet hatte. Sicherlich ist Grimm nicht das, was man Quality TV nennt, aber für mich ist es aktuell die perfekte Serie für einen entspannten Herbstabend auf der Couch.

Weiterempfehlung: Grimm ist eine Fantasy-/Krimi-/Mysteryserie des amerikanischen Senders NBC. Sie begleitet Nick Burghardt, seines Zeichens Nachkomme der Brüder Grimm, auf seiner Jagd nach übernatürlichen Wesen und auch dabei, sein Erbe zu verstehen und es zu beschützen. Fans von Serien wie Heroes, Eureka oder auch Under the Dome können daran ebenso Gefallen finden wie Liebhaber klassischer Krimis. Die Geschichte hat selbst eine Märchenskeptikerin wie mich ziemlich schnell in ihren Bann gezogen.

Habt ihr Grimm gesehen? Wir hat Euch die Serie (bzw. Staffel 1 – keine Spoiler bitte! 😉 ) gefallen? Und wie steht Ihr generell zum Thema Märchen?

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

44 Kommentare zu „Seri(e)ös: Märchen für Erwachsene – Grimm (Staffel 1)

    1. Den Film? Aber es geht doch um eine Serie? 😀
      Ich finde Märchen auch ziemlich brutal. Kinder nehmen das ja meistens nicht so sehr wahr, aber manche Todesfälle in Märchen sind schon heftig. So meinte man wohl erziehen zu wollen in früheren Jahrhunderten… 😉

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      1. Genauso empfinde ich es auch – das ist gutes Unterhaltungs-TV. Wir sind aktuell am Anfang von Staffel 3 und bislang macht die Serie immer noch viel Spaß. Ich liebe v. a. Monroe und Rosalee, die sind beide einfach super. ♥ Bin gespannt, was da noch kommt… 🙂

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  1. Von der Serie hatten wir tatsächlich auch die ersten 3-5 Episoden geschaut, danach aber abgebrochen, da es nicht „geklickt“ hatte. War mir zu nah an „Supernatural“ oder „Buffy the Vampire Slayer“, ohne aber den Charme der beiden Serien zu besitzen.

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    1. Das kann durchaus passieren, dass es mal nicht Klick macht mit einer Serie. 🙂 Ich brauche dafür meistens deutlich mehr als 3-5 Folgen, darum schaue ich mir ja eigentlich Staffel 1 immer komplett an. Bei Grimm kommt der Charme eigentlich auch erst nach und nach, wenn die Nebenfiguren (v. a. Monroe, Rosalee und der Captain) wichtiger werden, sich die Hintergrundstory entwickelt und auch Wohnwagen und Kräuterladen eine größere Rolle spielen. Aber nun gut, man kann sicherlich auch sehr gut leben, ohne Grimm gesehen zu haben. 😉 Irgendwann wird Supernatural auch abgeschlossen sein und wir werden uns an dieses Megaprojekt wagen – dann kann ich den Charmevergleich ziehen. 😀

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      1. Ich weiß meist schon nach maximal 5 Episoden, ob eine Serie funktioniert. 12 oder gar 22 Episoden halte ich dann selten durch. „Supernatural“ schaue ich inzwischen übrigens auch nicht mehr weiter. Da gab es andere Serien, die nun Vorrang bekommen haben…

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      2. Soso, du bist also einer, bei dem es sofort Klick macht oder gar nicht. Schon komisch, wie verschieden das ist. Ich bin da wohl eher der langsame Typ. 😉 In Supernatural möchte ich schon länger mal reinschauen, aber es schreckt mich tatsächlich ab, dass die Serie so unfassbar viele Staffel hat und immer noch kein Ende in Sicht ist. Damit wären der Herr Koch und ich wahrscheinlich ein Jahr beschäftigt. Und ob man das will… ?

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      3. Ich brauche ja auch ein paar Folgen, doch 3 bis 5 Stunden mit Charakteren und einer Welt reichen dann doch meist.

        Supernatural haben wir übrigens nie am Stück geschaut, sondern wöchentlich. Da geht das noch.

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  2. Hallo…von Grimm habe ich bisher Staffel 1-4 geschaut.Mir gefällt die Serie ganz gut mag das ja mit diesem übersinnlichen weswegen ich wohl auch Supernatural so liebe da ich von der Serie bisher alle Folgen gesehen habe.Ich mag die Figuren besonders Monroe habe ich irgendwie in mein Herz geschlossen.Da Staffel 5 von Grimm bei Netflix zu sehen ist werde ich die mal nach Designated Survivor gucken.

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    1. Oh, Designated Survivor! Da muss ich auch mal mit Staffel 2 anfangen – danke für die Erinnerung. 🙂 Ich hoffe, dass Netflix bald auch Staffel 6 von Grimm hinzufügt, damit ich die ganze Serie in einem Rutsch schauen kann. 🙂

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