Veröffentlicht in Fernsehserien

Seri(e)ös: Familienserie reloaded – This is Us (Staffel 1)

Meine Sichtung der ersten Staffel This is Us war überhaupt nicht geplant. Im TV wurde diese Serie im Frühjahr 2017 auf ProSieben gezeigt – und zwar mittwochs, direkt im Anschluss an die 13. Staffel Grey’s Anatomy. Clever, ProSieben, wirklich clever. Nachdem ich die erste Folge gesehen hatte und einigermaßen angetan war, ergab meine kurze Recherche, dass This is Us in den USA einer der Serienhits der Saison 2016/2017 war. Darum – und auch ein bisschen, weil es so unfassbar bequem ist, nicht umschalten zu müssen –  bin ich drangeblieben und habe mir die Staffel in Gänze zu Gemüte geführt. Wie mir diese moderne Familienserie gefallen hat, fasse ich in dieser spoilerfreien Review zusammen.

Zur Handlung: Drei Leben, für immer verbunden

This is Us erzählt (nicht chronologisch) auf mehreren Zeitebenen die Geschichte von Kate, Kevin und Randall, die am gleichen Tag geboren wurden, sowie ihren Eltern Jack und Rebecca. Kate und Kevin kommen als Teil einer Drillingsgeburt zur Welt, bei der das dritte Kind, ein Bruder, stirbt. Da die Eltern sich fest auf drei Kinder eingestellt hatten, adoptieren sie kurzfristig einen Jungen, der am selben Tag geboren und von seinem Vater vor einer Feuerwache ausgesetzt wurde. Die drei wachsen in den 1980er Jahren als Drillinge auf, allerdings mit dem Wissen, dass Randall adoptiert wurde. Da er afroamerikanischer Abstammung ist, lässt sich dieser Umstand auch nicht verbergen. Die Geschichte wechselt im Verlauf der Serie immer wieder zwischen der Gegenwart, in der Kate, Kevin und Randall als Erwachsene in Los Angeles und New York leben, und ihrer Kindheit, die sie mit ihren Eltern in Pittsburgh verbrachten.

Emotional, emotionaler, This is Us

Auf den ersten Blick klingt die Serie zugegebenermaßen nicht sonderlich aufregend, erzählt sie doch lediglich aus der Vergangenheit und Gegenwart dreier Geschwister. Das jedoch tut sie ziemlich geschickt. Die unterschiedlichen Zeitebenen werden immer weiter verwoben und vermischt, sodass der Zuschauer vor der nächsten Folge nie genau weiß, aus welcher Periode des Lebens der drei er als nächstes etwas erfahren wird. Es gibt ganze Folgen, die nur in der Vergangenheit spielen, solche, die sich vor allem auf eine der drei Hauptfiguren oder ihre Eltern fokussieren oder solche, in denen mehrfach zwischen früher und jetzt gewechselt wird. Gerade der Blick in die Vergangenheit lässt viele Handlungsweisen von Kate, Kevin oder Randall in der Gegenwart ungleich logischer erscheinen. Letztlich ist jeder Mensch immer zu großen Stücken das Produkt seiner Erfahrungen. Aufbauend auf dieser Annahme erzählt This is Us die Geschichte einer Familie, von ihren Anfängen – dem Kennenlernen der Eltern – bis zum Erwachsenenalter der Kinder. Und sie tut dies nicht irgendwie, sondern emotional. Sehr emotional. Der Grat zwischen „emotional“ und „kitschig“ ist ein sehr schmaler und This is Us wandelt beständig darauf, allerdings ohne jemals zu stark zur Seite „Kitsch“ zu tendieren. Gerade Randalls Geschichte ist so traurig-schön, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie man als Zuschauer davon nicht gerührt und bewegt sein kann.

Fazit

This is Us steht in der Tradition klassischer Familiengeschichten wie zum Beispiel Six Feet Under. Der Fokus der Story liegt ganz klar auf den einzelnen Familienmitgliedern, ihren Beziehungen zueinander und ihren Erlebnissen und Gefühlen mit- und füreinander. Wer sich darauf einlässt, lernt Eltern kennen, die unter nicht einfachen Bedingungen versuchen, drei sehr unterschiedlichen Kindern gerecht zu werden und sich dabei nicht selbst zu verlieren. Wer sich darauf einlässt, erlebt auch, was aus diesen Kindern geworden ist und wird interessiert verfolgen, wie sich die Verhältnisse im Erwachsenenalter verändert haben und beständig weiter verändern. Wie schon erwähnt, hat mich vor allem die Geschichte rund um Randall sehr berührt, was aber nicht heißen soll, dass er mehr im Fokus steht als seine Geschwister. Es ist das Gesamtkonstrukt, dass aus This is Us eine Familienserie macht, die durchaus zu Herzen geht.

Weiterempfehlung: This is Us ist eine amerikanische Drama-/Familienserie, die auf mehreren Zeitebenen dem Leben dreier Geschwister folgt und ihre Geschichte auf emotionale Weise erzählt. Wer Lust hat, eine sympathische Familie über mehr als drei Jahrzehnte zu begleiten, macht mit dieser Serie garantiert nichts falsch.

Habt Ihr die erste Staffel This is Us gesehen? Hat die Geschichte Euch berührt oder eher kalt gelassen? Und werdet Ihr auch manchmal Opfer der Senderplanung und bleibt am Ende einer Serie einfach dran und schaut die nächste auch noch? 😀

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Autor:

Leidenschaftliche Bloggerin. Kaffeesüchtiger Serienjunkie. Schleswig-Holsteinerin im Exil. Ständig hungrig, vor allem aufs Leben.

22 Kommentare zu „Seri(e)ös: Familienserie reloaded – This is Us (Staffel 1)

  1. Ich habe die erste Staffel von This is us geschaut. Am Anfang fand ich es schwer „reinzukommen“, dann war ich total begeistert, aber am Ende doch eher gelangweilt… Teilweise hat es mich berührt und (daher) begeistert. Oft fand ich es aber zu langatmig und zu wenig Handlung… Trotz allem kann man sich die Serie durchaus mal anschauen. Ich hab sie übrigens meistens bei ProSieben Online geschaut.
    LG Herr Planet

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    1. Kannst du sagen, wovon du gelangweilt warst? Ich finde die Geschichte rund um Kevin etwas lahm, aber für mich macht es die Sache mit Randall und seinem Vater wieder wett.
      Ich habe auch teilweise Folgen in der 7TV-App gesehen, gerade wenn zwei Folgen hintereinander kamen. Das ist mir unter der Woche einfach zu spät, bis um 23.15 Uhr vor dem TV zu sitzen. 😉

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      1. Ach, ist nicht jede Einschätzung einer Serie irgendwie subjektiv? Klar kann man sich um Objektivität bemühen, aber das geht eben doch nur bis zu einem gewissen Grad. 😉 Insofern ist esvöllig legitim, dass du die Folgen nicht aufregend genug findest…

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    1. Du bist ja wohl albern. Wenn ich dich mal nominiere, dann duckst du dich immer weg, und jetzt kommst du selber mit sowas um die Ecke! 😀 (Danke wollte ich eigentlich sagen, aber nun gut… )

      Ich glaube auch, dass dir This is Us gefallen könnte. Gerade emotional berührt die Geschichte. Sie erfindet sicherlich das Rad nicht neu, aber das erwartet man in dem Genre einfach auch nicht.

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      1. 😀 Na gut, dann hab ich wohl all deine Liebster-Award-Beiträge in letzter Zeit überlesen… 😉
        Mal sehen, wann ich mich diesem Award widme. Ich wurde auch schon aus anderer Richtung damit beworfen, kann mich nun also doppelt schlecht davor drücken. 😀

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      2. Hattest du mich für den Liebster Award nominiert? Dann habe ich bestimmt mitgemacht (muss bei einem der 14 Runden gewesen sein, die man bei mir auf dem Blog findet 😉 ).

        Yep, einfach ein wenig warten, dann wird der Druck entsprechend hoch. Bei der vierten Nominierung bin ich eingeknickt… 😉

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  2. Ich habe gestern die ersten drei Folgen auf Prime gesehen. Folge 1 ist der beste Pilot, den ich seit langem gesehen habe. Der hat mich richtig umgehauen. Ich liebe solche Familienserien, und This Is Us sticht mit seiner cleveren Erzählstruktur hervor. Kann es kaum abwarten, die nächste Folge zu sehen.

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    1. Und, konntest du schon weiterschauen? Ich glaube, wenn man diese Art von Familienserien mag, dann kann This is Us wirklich gute Unterhaltung sein. Natürlich gibt es auch die Stimmen, denen zu wenig passiert, aber manchmal ist es ja gerade diese Langsamkeit, die den Reiz ausmacht.

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      1. Bin seit gestern durch mit der Staffel und immer noch begeistert. Rebecca und Jack sind ein großartiges Paar. Ich finde, da passiert sogar richtig viel. William ist auch großartig. Mir gefällt diese assoziative Erzählweise, die keiner festen Chronologie folgt. Bei Serien mit mehr als 13 Folgen pro Staffel bin ich immer skeptisch, ob da keine Füllerfolgen dabei sind. Aber ich finde, den Autoren von „This Is Us“ ist es gelungen die Folgen sehr abwechslungsreich und unterschiedlich zu inszenieren. Ich freue mich schon auf die nächsten beiden Staffeln. Ist meine aktuelle Lieblingsserie (sogar knapp vor „Halt and Catch Fire“ und „Shameless“). Ist schon lange her, dass ich so viele Folgen in so kurzer Zeit hintereinander gesehen habe.

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      2. Wahnsinn, da hast du aber wirklich schnell geschaut! Ist es nicht immer großartig, wenn man sich so richtig in einer Serie verlieren kann? Ich finde „This is Us“ auch großartig gemacht und habe William auch zu einem meiner Lieblinge auserkoren. Seine und Randalls Geschichte ist noch lange nicht auserzählt, glaube ich. Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich die nächsten Staffeln schauen kann (ich werde wieder auf die TV-Ausstrahlung warten), aber weiterschauen werde ich definitiv.

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  3. „This Is Us“ hatte bei mir zum Revival des Treffens und im Fernsehen gemeinsam Guckens geführt und ich fand es ganz faszinierend, dass wirklich jeder, der davor nie eine Folge geschaut hatte, sofort emotional gepackt war.
    Für mich auch die Überraschung des Jahres gewesen! So viele liebevoll kreierte Charaktere gab es lange nicht mehr im Mainstreamfernsehen.

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    1. Toll, habt ihr echt jede Woche zusammen die Serie geschaut? Das finde ich großartig, wenn eine Serie so etwas schafft! 🙂 Ich finde ja, wir haben dieses Erlebnis fast ein bisschen zu schnell zugunsten der Unabhängigkeit des Streamens aufgegeben. Also ich streame auch viel, aber bin immer gern bereit, auch das gute alte Fernsehen zu quälen. 😉

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