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Seri(e)ös: Wer „A“ sagt,… – Pretty Little Liars (Staffel 6)

…muss auch „B“ sagen. Eigentlich zumindest, denn bei Pretty Little Liars gibt es zum Glück nur eine Person „A“, die den Mädels das Leben schwer macht. Oder doch nicht? Staffel 6 der Teenieserie, der ich auf Gedeih und Verderb verfallen bin, enthüllt nicht nur die Identität von „A“, sondern wirft gleich hinterher eine Million neuer Fragen auf. Warum Staffel 6 sich eigentlich wie zwei Staffeln anfühlt und welche eklatanten Logikschwächen die Story dieses Mal wieder ignoriert, lest Ihr in dieser Besprechung, die beim besten Willen nicht spoilerfrei bleiben kann.

Zur Handlung

Am Ende von Staffel 5 war es „A“ gelungen, die Mädels und Mona in sein Versteck zu locken. Alle vermuten schon zu diesem Zeitpunkt, dass es sich bei „A“ um Charles, Alisons älteren Bruder handelt. Staffel 6 macht genau an dieser Stelle weiter. Die Mädels sind immer noch in „As“ Gewalt und werden von ihm gequält. Nach einigen Wochen gelingt es Toby, Caleb und Alison allerdings, das Versteck ausfindig zu machen und die Mädchen sowie Mona und ein weiteres Mädchen namens Sara Harvey zu befreien. Als vermeintlicher Peiniger „A“ wird Andrew verhaftet. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass er unschuldig ist. Stattdessen enthüllt Mr. DiLaurentis auf Drängen seiner Kinder endlich Details über Charles. Er ist der ältere Bruder von Jason und Alison und soll vor Jahren Selbstmord in Radley begangen haben. Mitte der Staffel kommt allerdings die Wahrheit ans Licht. Charles lebt noch und er ist wirklich „A“ – allerdings handelt es sich bei ihm nicht (mehr) um einen Mann, sondern um eine Frau: CeCe Drake, Alisons und Jasons Freundin aus früheren Zeiten. So hat sich scheinbar alles geklärt und die Mädchen verlassen am Ende des Sommers Rosewood, um aufs College zu gehen.

Fünf Jahre später haben die Mädels sich alle ein Leben außerhalb ihrer Heimatstadt aufgebaut. Dorthin kehren sie nun nur zurück, um auf Alisons Bitten bei einer Gerichtsanhörung auszusagen, dass sie damit einverstanden sind, dass CeCe aus der Psychiatrie in Alisons Obhut entlassen wird. In der Nacht nach ihrer Entlassung wird CeCe allerdings ermordet und die Mädchen geraten ins Visier der Polizei. Als dann auch Sara Harvey auftaucht und die Mädchen erneut Drohnachrichten erhalten, scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Steckt hinter „A“ etwa doch eine andere Person?

Frag nicht nach Logik…

Staffel 6 lüftet das so lang gehütete Geheimnis, wer sich hinter „A“ verbirgt. Erstaunlicherweise passiert dies mitten in der Staffel – und dann steckt hinter „A“ auch noch eine Person, die ich als Zuschauerin dort überhaupt nicht erwartet hätte. Das an sich ist eigentlich ziemlich gut, denn das heißt, dass der Plan der Drehbuchautoren aufgegangen ist. Der Kniff, aus einem Jungen eine Frau zu machen, und so zu einer überraschenden „A“-Auflösung zu kommen (denn ehrlich, keiner hatte hinter „A“ eine Frau vermutet), wirkt dann doch recht weit hergeholt. Ein offenbar gewalttätiger Junge kommt ins Sanatorium, wo er seine weibliche Seite auslebt und – hier wird es wirklich unrealistisch – eine Geschlechtsumwandlung inklusive Operation durchmacht. Sorry, aber das war selbst mir zu viel. Da wäre es glaubwürdiger gewesen, wenn doch Toby oder Ezra oder Andrew „A“ gewesen wären. Diese spektakuläre Enthüllung markiert allerdings noch lange nicht das Ende der Staffel. Fünf Jahre später scheint sich alles verändert zu haben, aber durch CeCes Tod fängt der „Spaß“ letztlich noch einmal von vorne an, inklusive ständiger Angst und Drohbotschaften. Die letzte Folge der Staffel fand ich tatsächlich ziemlich creepy und auch die Enthüllung, dass Alisons Mann Elliot nicht der ist, der er vorzugeben scheint, kam für mich überraschend. Kein Wunder also, dass der Cliffhanger mich mit einem „Mist, jetzt muss ich wieder auf die nächste Staffel warten!“ zurückgelassen hat. Zum Glück hat Netflix letztes Wochenende verkündet, Staffel 7 bereits ab 21.12. ins Programm aufzunehmen.

Fazit

In Staffel 6 wird endlich das Geheimnis gelüftet, wer sich hinter „A“ verbirgt. Dieser Wendepunkt in der Geschichte beschert der Serie mitten in der Staffel einen Abschluss und gleichzeitig einen Neuanfang – darum hatte ich auch das Gefühl, eigentlich zwei Staffeln geschaut zu haben. Mit dem Ende der Schulzeit endet für die Mädels auch die Quälerei durch „A“ und sie können befreit ihre Collegezeit genießen. Dass sie die Vergangenheit Jahre später einholt und die Story eigentlich da weitermacht, wo sie vor fünf Jahren aufhörte, ist dem Konzept der Serie geschuldet. Sie lebt von diesem Katz-und-Maus-Spiel, von der Suche nach dem Bösewicht und überraschenden Enthüllungen. Ich war in Staffel 6 erneut fasziniert davon, mit welch simplen Mitteln die Macher mich jedes Mal aufs Neue kriegen. Ein bisschen Spannung, eine bisschen Grusel, ein bisschen Liebe, ein bisschen Kitsch – fertig ist die süchtig machende Teenieserie. Von der Enthüllungsfolge war ich im Nachhinein zwar enttäuscht, allerdings folgen danach ja noch einmal zehn Folgen. Am Ende dieser Folgen war ich bereits so in das Zukunftsszenario verwickelt, dass ich mir Staffel 7 definitiv zeitnah anschauen werde. Ein weiterer cleverere Schachzug der Drehbuchautoren…

Weiterempfehlung: Pretty Little Liars ist eine amerikanische Teenie-Drama-Serie, in deren Mittelpunkt vier Freundinnen stehen, die von einem (oder mehreren) Unbekannten terrorisiert werden. Wer kein Problem mit offensichtlichen Logikschwächen hat und an Serien wie The Vampire Diaries, O.C. California oder Gossip Girl Spaß Gefallen findet, macht auch mit Pretty Little Liars nichts falsch.

Wie steht Ihr zu Pretty Little Liars – seid Ihr Fans oder interessiert Euch diese Teenieserie nicht? Und falls Ihr Staffel 6 schon geschaut habt: Was sagt Ihr zur Enthüllungsfolge?

 

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Seri(e)ös: Das Ende der Saga – Orphan Black (Staffel 5)

Fünfzig Folgen in fünf Staffeln sind eine runde Sache. Niemand würde behaupten, eine Serie mit fünfzig Folgen wäre zu lange gelaufen – und gleichzeitig kann sich niemand beschweren, die Geschichte hätte doch gerade erst begonnen und würde direkt schon wieder enden. Die meisten Serien ereilt entweder das Schicksal, relativ früh eingestampft zu werden (meist nach Staffel 1 oder 2) oder sich zu einer Endlosstory zu entwickeln, die sich über Jahre eine treue Fangemeinde aufbaut und deshalb einfach unglaublich schwer sinnvoll zu beenden ist. Beide Schicksale bleiben Orphan Black, der kanadischen Klonsaga mit den fünfzig Folgen in fünf Staffeln, erspart. Ob die Geschichte um Sarah, Cosima, Alison, Helena, Rachel und Co. eine würdige Abschlussstaffel bekommen hat? Dieser Frage gehe ich in diesem spoilerfreien Beitrag nach.

Zur Handlung

Um nicht in Versuchung zu geraten, hier fiese Spolier zu verraten, zitiere ich in diesem Abschnitt nur kurz den Teaser, der sich auf Amazon zu Staffel 5 finden lässt:

In der letzten Staffel versuchen Sarah und ihre Schwestern, Kira vor den Neolutionisten zu schützen, und decken ein über einhundertjähriges Geheimnis auf. Die Reise der Klone nähert sich ihrem Ende. Rachel hat sie in die Enge getrieben und vollständig unter Kontrolle. Aber Sarah und ihre Schwestern sind bereit zu kämpfen. Das ist der Anfang eines tödlichen Endspiels, das extreme Folgen – nicht nur für sie, sondern für die Zukunft der gesamten Menschheit hat. Dieser abschließende Test bringt die Klone bis zu ihrer äußersten Grenze. Wem können sie am Ende überhaupt noch vertrauen?

Zurück zu den Kernthemen „Freiheit“, „Individualität“ und „Identität“

Ich mochte Orphan Black von Anfang an. Das Thema der Identitätssuche, das hier so spannend aufbereitet wird, hat die Serie über fünf Staffeln getragen und verliert auch zum Ende hin nicht an Faszination und auch nicht an Aktualität. Die Klone kämpfen auf so vielen Ebenen um ihr Leben: körperlich, denn sie alle tragen die Veranlagung in sich, die Cosima so krank macht; sozial, denn je mehr sie in den Sog der Neolution geraten, desto mehr entfremden sie sich von ihrem gewohnten Umfeld und natürlich auch psychisch, denn die Konfrontation mit ihrer Klonherkunft verdaut sich nicht von jetzt auf gleich. Dass Kira in Staffel 5 in dieses Spiel noch mehr hineingezogen wird, gibt den Klonen – so mein Eindruck – die nötige Kraft, sich noch einmal so richtig aufzubäumen gegen das Dyad, gegen die Neolutionisten und gegen alle, die sich ihnen sonst noch bei ihrem Kampf um Freiheit in den Weg stellen. Denn letztlich ist die Serie rund um Sarah Manning immer nur eines gewesen: eine Geschichte rund um starke Frauen auf der Suche nach sich selbst und nach einem Ort, an dem sie unbeschwert, frei und einfach so sein können, wie sie sind. Staffel 5 konzentriert sich daher zu recht auf die Kernthemen der Serie und rückt Fragen nach Identität, Individualität, Freiheit und persönlichem Frieden in den Mittelpunkt

Fazit

Ohne zu spoilern kann ich behaupten, dass die fünfte Staffel Orphan Black die Serie würdig beendet. Viele Fragen und Geheimnisse der vorherigen Staffeln werden gelüftet und aufgeklärt und auch das Ende gerät weder zu vorhersehbar noch zu brutal noch zu kitschig. Als Zuschauerin hatte ich das gute Gefühl, dass die Story nun abgeschlossen ist und ich mich anderen Serien zuwenden kann. Für mich ist so ein Abschluss immer total wichtig – und wenn er nicht gelingt, verdirbt mir das nicht selten das Vergnügen an einer Serie. Orphan Black bleibt auch dieses Schicksal erspart und findet in noch einmal zehn spannenden und emotionalen Folgen ein gelungenes Ende für die Geschichte, die in den letzten fünf Jahren so sorgsam entwickelt und aufgebaut wurde und so viele Fans begeistert hat.

Weiterempfehlung: Die kanadisch-amerikanische Serie Orphan Black erzählt in fünf Staffeln die Geschichte rund um Sarah Manning und ihre Klonschwestern. Dabei bietet sie neben spannender Unterhaltung auch immer wieder Denkanstöße zu den Themen Identität, Identitätsfindung und persönliche Freiheit. Die fünfte und finale Staffel beschert dieser presigekrönten Serie ihren würdigen Abschluss. Fans von Krimi- oder Dramaserien wird Orphan Black genauso gefallen wie Science-Fiction-Liebhabern.

Habt Ihr die finale Staffel Orphan Black schon gesehen? Wie hat sie Euch gefallen? Und ist es für Euch auch wichtig, dass eine Serie ein richtiges Ende hat?

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Seri(e)ös: Familienserie reloaded – This is Us (Staffel 1)

Meine Sichtung der ersten Staffel This is Us war überhaupt nicht geplant. Im TV wurde diese Serie im Frühjahr 2017 auf ProSieben gezeigt – und zwar mittwochs, direkt im Anschluss an die 13. Staffel Grey’s Anatomy. Clever, ProSieben, wirklich clever. Nachdem ich die erste Folge gesehen hatte und einigermaßen angetan war, ergab meine kurze Recherche, dass This is Us in den USA einer der Serienhits der Saison 2016/2017 war. Darum – und auch ein bisschen, weil es so unfassbar bequem ist, nicht umschalten zu müssen –  bin ich drangeblieben und habe mir die Staffel in Gänze zu Gemüte geführt. Wie mir diese moderne Familienserie gefallen hat, fasse ich in dieser spoilerfreien Review zusammen.

Zur Handlung: Drei Leben, für immer verbunden

This is Us erzählt (nicht chronologisch) auf mehreren Zeitebenen die Geschichte von Kate, Kevin und Randall, die am gleichen Tag geboren wurden, sowie ihren Eltern Jack und Rebecca. Kate und Kevin kommen als Teil einer Drillingsgeburt zur Welt, bei der das dritte Kind, ein Bruder, stirbt. Da die Eltern sich fest auf drei Kinder eingestellt hatten, adoptieren sie kurzfristig einen Jungen, der am selben Tag geboren und von seinem Vater vor einer Feuerwache ausgesetzt wurde. Die drei wachsen in den 1980er Jahren als Drillinge auf, allerdings mit dem Wissen, dass Randall adoptiert wurde. Da er afroamerikanischer Abstammung ist, lässt sich dieser Umstand auch nicht verbergen. Die Geschichte wechselt im Verlauf der Serie immer wieder zwischen der Gegenwart, in der Kate, Kevin und Randall als Erwachsene in Los Angeles und New York leben, und ihrer Kindheit, die sie mit ihren Eltern in Pittsburgh verbrachten.

Emotional, emotionaler, This is Us

Auf den ersten Blick klingt die Serie zugegebenermaßen nicht sonderlich aufregend, erzählt sie doch lediglich aus der Vergangenheit und Gegenwart dreier Geschwister. Das jedoch tut sie ziemlich geschickt. Die unterschiedlichen Zeitebenen werden immer weiter verwoben und vermischt, sodass der Zuschauer vor der nächsten Folge nie genau weiß, aus welcher Periode des Lebens der drei er als nächstes etwas erfahren wird. Es gibt ganze Folgen, die nur in der Vergangenheit spielen, solche, die sich vor allem auf eine der drei Hauptfiguren oder ihre Eltern fokussieren oder solche, in denen mehrfach zwischen früher und jetzt gewechselt wird. Gerade der Blick in die Vergangenheit lässt viele Handlungsweisen von Kate, Kevin oder Randall in der Gegenwart ungleich logischer erscheinen. Letztlich ist jeder Mensch immer zu großen Stücken das Produkt seiner Erfahrungen. Aufbauend auf dieser Annahme erzählt This is Us die Geschichte einer Familie, von ihren Anfängen – dem Kennenlernen der Eltern – bis zum Erwachsenenalter der Kinder. Und sie tut dies nicht irgendwie, sondern emotional. Sehr emotional. Der Grat zwischen „emotional“ und „kitschig“ ist ein sehr schmaler und This is Us wandelt beständig darauf, allerdings ohne jemals zu stark zur Seite „Kitsch“ zu tendieren. Gerade Randalls Geschichte ist so traurig-schön, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie man als Zuschauer davon nicht gerührt und bewegt sein kann.

Fazit

This is Us steht in der Tradition klassischer Familiengeschichten wie zum Beispiel Six Feet Under. Der Fokus der Story liegt ganz klar auf den einzelnen Familienmitgliedern, ihren Beziehungen zueinander und ihren Erlebnissen und Gefühlen mit- und füreinander. Wer sich darauf einlässt, lernt Eltern kennen, die unter nicht einfachen Bedingungen versuchen, drei sehr unterschiedlichen Kindern gerecht zu werden und sich dabei nicht selbst zu verlieren. Wer sich darauf einlässt, erlebt auch, was aus diesen Kindern geworden ist und wird interessiert verfolgen, wie sich die Verhältnisse im Erwachsenenalter verändert haben und beständig weiter verändern. Wie schon erwähnt, hat mich vor allem die Geschichte rund um Randall sehr berührt, was aber nicht heißen soll, dass er mehr im Fokus steht als seine Geschwister. Es ist das Gesamtkonstrukt, dass aus This is Us eine Familienserie macht, die durchaus zu Herzen geht.

Weiterempfehlung: This is Us ist eine amerikanische Drama-/Familienserie, die auf mehreren Zeitebenen dem Leben dreier Geschwister folgt und ihre Geschichte auf emotionale Weise erzählt. Wer Lust hat, eine sympathische Familie über mehr als drei Jahrzehnte zu begleiten, macht mit dieser Serie garantiert nichts falsch.

Habt Ihr die erste Staffel This is Us gesehen? Hat die Geschichte Euch berührt oder eher kalt gelassen? Und werdet Ihr auch manchmal Opfer der Senderplanung und bleibt am Ende einer Serie einfach dran und schaut die nächste auch noch? 😀

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Seri(e)ös: Warum der Hype um Black Mirror völlig übertrieben ist

In der Serienfan-Community gibt es immer wieder Produktionen, die extrem gehypt werden. Das beste Beispiel ist aktuell wahrscheinlich immer noch Game of Thrones, das offenbar jeder (außer mir) schon gesehen hat und mit jeder neu erscheinenden Staffel eigentlich schon auf die nächste wartet. Auch Breaking Bad, Lost oder Friends wurden zu ihrer Zeit ähnlich gelobt und geliebt. Seit geraumer Zeit wird unter Serienfans ein weiterer Name heiß diskutiert, der auf die „Must see“- und scheinbar auch auf die „Must like“-Liste gehört: Black Mirror. So ging ich die Sichtung mit großen Erwartungen an – anscheinend mit zu großen, denn dem Hype, der um sie gemacht wird, wird die Serie meiner Meinung nach nicht gerecht. Warum, wieso, weshalb? Dieser Frage gehe ich im folgenden spoilerfreien Text nach.

Zum Konzept und zur Handlung

Bei Black Mirror handelt es sich um eine Anthologieserie, d. h., die einzelnen Folgen stehen zwar unter einem Oberthema, aber jede von ihnen erzählt eine eigene abgeschlossene Geschichte. Dementsprechend gibt es keine folgenübergreifende Story: Figuren, Besetzung und Handlung wechseln von Episode zu Episode. Eines vereint alle von ihnen aber dennoch, denn inhaltlich dreht sich alles darum, wie Technik das Zusammenleben in der Gesellschaft (negativ) verändert. Da Black Mirror eine Science-Fiction-Serie ist, werden den Folgen zumeist dystopische Zukuftsvisionen zugrunde gelegt: eine Gesellschaft, in welcher der soziale Status von Onlinebewertungen abhängt; eine Gesellschaft, in der jeder einen Chip implantiert hat, in dem das ganze Leben gespeichert und immer wieder angeschaut werden kann; eine Gesellschaft, in der Tote durch Puppen ersetzt werden können, die aussehen, sprechen und handeln wie Verstorbene; eine Gesellschaft, in der Straftäter jeden Tag aufs Neue Darsteller einer Horrorshow sind, aber nichts davon wissen. Bei der Auswahl der Schauspieler setzt die Serie teils auf unbekannte, teils aber auch sehr prominente Darsteller (z. B. Jon Hamm und Bryce Dallas Howard).

Stärken und Schwächen der Serie

Ich habe schon angedeutet, dass ich den Hype um Black Mirror unberechtigt finde. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Serie langweilig oder schlecht produziert oder vorhersehbar ist. All das ist Black Mirror wahrlich nicht. Durch die Anthologie-Erzählweise erwartet den Zuschauer in jeder Folge eine völlig andere Geschichte, ein neues Setting, eine neue Situation, auf die es sich einzulassen gilt. Oftmals geht Black Mirror dabei bis an die Schmerzgrenze, inkludiert Horrorelemente oder überschreitet ethische und moralische Grenzen. Das muss man vermutlich mögen und aushalten können, um einen Zugang zu dieser Serie zu finden. Mir ist das nicht gelungen. Problematisch am Anthologiekonzept ist eben auch, dass der Zuschauer sich in jeder Folge neue Anknüpfungspunkte und neue Identifikationsfiguren suchen muss. Das ist für mich als Liebhaberin des seriellen Erzählens nicht das, was ich mir von einer mehrteiligen TV-Produktion erwarte. Wiederkehrende Figuren und Elemente hätte mir vermutlich geholfen, mich besser in die Serie einzufinden, aber ob sie mich zu einem Fan gemacht hätten? Ich bezweifle es.

Denn den Punkt, der mich am meisten gestört hat, habe ich noch gar nicht aufgezählt: Das Ende der Geschichten. Die Folgen enden zumeist mit einem überraschenden und oftmals verstörenden Twist. Das wäre okay, wenn der moralisierende Aspekt nicht so groß wäre. Ich habe mich am Ende einiger Folgen so gefühlt, als würde jemand mit erhobenem Zeigefinger vor meinem Gesicht herumfuchteln und sagen: „Schau her, Maren, diese Zukunft blüht dir auch, also benimm dich gefälligst anständig und lass die Finger von der Technik!“. TV-Serien und Filme dürfen – wie auch Bücher – gern eine Message vermitteln wollen, aber bitte nicht auf diese plumpe Weise. Als mündige Zuschauerin habe ich nach Folge 2 der dritten Staffel daher beschlossen, den Hype um Black Mirror anderen zu überlassen und mir meine eigene Meinung zu bilden.

Fazit

Black Mirror ist eine spezielle TV-Serie. Sie ist etwas für SciFi- und auch Horror-Fans, die kein Problem damit haben, in jeder Folge ein neues Setting und eine neue Geschichte präsentiert zu bekommen, die ihnen eine recht deutliche Botschaft vermitteln möchte. Ich weiß tatsächlich nicht genau, warum mir diese „Und die Moral von der Geschicht'“-Enden so sauer aufstoßen, aber sie sind für mich das ausschlaggebende Moment gewesen, Black Mirror in mein persönliches Serien-Nirvana zu befördern. Dass mir die Horrorszenen teilweise zu heftig waren, hat mir die Entscheidung noch leichter gemacht.

Weiterempfehlung: Das Anthologie-Konzept und die moralisierenden Elemente der Serie haben mir nicht gefallen. Dennoch sind die einzelnen Folgen spannend und bieten jede Menge Diskussionsstoff. Wer sich für Technik-Dystopien begeistert, macht damit sicherlich nichts verkehrt. Für mich hat Black Mirror einfach nicht funktioniert.

Jetzt seid Ihr gefragt: Mochtet Ihr Black Mirror – und wenn ja, warum? Oder geht es Euch wie mir und Ihr konntet damit nichts anfangen? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

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Seri(e)ös: Märchen für Erwachsene – Grimm (Staffel 1)

Steht in eurem Bücherregal eine Ausgabe von Grimms Märchen? Liebt Ihr die Geschichten von Rapunzel, Aschenputtel oder dem Froschkönig? Dann bringt ihr beste Voraussetzungen mit, um auch die Serie Grimm zu mögen. Meine waren nicht ideal, denn Märchen sind definitiv nicht meine liebste literarische Gattung. Warum mich die Story doch nach wenigen Folgen gepackt hat, lest Ihr in dieser spoilerfreien Besprechung.

Märchen sind für Kinder? Diese jedenfalls nicht!

Ich oute mich an dieser Stelle und sage es ganz offen: Ich finde Märchen doof. Ich kann mich nicht erinnern, jemals selbst ein Märchenbuch gelesen zu haben. Vorgelesen bekommen ja, natürlich. Aber als ich lesen konnte, fiel meine Wahl stets auf andere Geschichten. In meiner kurzen Zeit als Lehrerin hätte ich in der Unterstufe problemlos mal eine Einheit zum Thema Märchen unterrichten können. Habe ich nicht, denn irgendwie fehlt mir der Zugang zu dieser Art von Geschichten. Es mag an den fantastischen Elementen liegen oder auch an der oft sehr schematischen und klischeebehafteten Charakterisierung der Figuren – ich tue mich schwer mit märchenhaften Erzählungen. Umso skeptischer war ich, als der Herr Koch sich dafür entschied, die Serie Grimm anschauen zu wollen. Da ich aber unmittelbar vorher mit Black Mirror so danebengegriffen hatte – die Serie hat uns beiden nicht sonderlich gefallen und wir haben sie in Staffel 3 einvernehmlich abgebrochen (es folgt noch ein Beitrag dazu in den nächsten Wochen) – war ich allerdings in keiner Position, um ein Veto einzulegen. So ließ ich mich darauf ein und wurde schon bald davon überzeugt, dass aus Märchen definitiv Geschichten entstehen können, die als Abendunterhaltung für Erwachsene taugen.

Zur Handlung

Nick Burkhardt führt ein angenehmes Leben in Portland. Er wohnt mit seiner Freundin Juliette in einem netten Haus und liebt seinen Beruf als Polizist, in dem er mit seinem Partner Hank viel Spaß hat. Als seine Tante Marie eines Abends bei ihm zu Hause aufkreuzt, ist es allerdings schnell mit Nicks ruhigem Dasein vorbei, denn sie weiht ihn in seine Familiengeschichte ein. Genauso wie seine Eltern, die starben, als Nick ein Kind war, ist er ein Nachkomme der Brüder Grimm. Deren weltberühmte Geschichten stellen sich als wahr heraus, denn sie verfügten über die besondere Fähigkeit, zu erkennen, ob es sich bei einem Menschen um ein sogenanntes „Wesen“ handelt – also jemanden, der sich verwandeln kann und dann über besondere (oftmals böse) Fähigkeiten verfügt. Schnell stellt Nick fest, dass auch er über dieses Talent verfügt und es seine Berufung ist, die Menschheit vor diesen gefährlichen Kreaturen zu beschützen.

Fantasy und Mystery auf Märchenbasis

Ich gebe zu: Die Grundidee von Grimm hört sich weit hergeholt an. Grimms Märchen sollen wahr sein und einer ihrer Nachkommen ist jetzt Polizist in Portland, wo ihm nun auf einmal Wesen begegnen? Naja. Grimm findet jedoch ein ziemlich gutes Gleichgewicht zwischen Fantasy und Realität, zwischen verrückten Wesen und Alltagsgeschichten, zwischen einer übergeordneten, folgen- und staffelumspannenden Familiengeschichte und dem „monster of the week“-Schema. Der Zuschauer taucht zusammen mit Nick in diese neue Welt ein und erschließt sie sich Stück für Stück. Geschickt werden im Laufe der ersten Folgen die weiteren Hauptfiguren – fast alle (gute) Wesen – eingeführt, die Nick dabei helfen, in seiner neue Rolle anzukommen und sein Erbe zu verstehen. Mit dem mit Erinnerungen und Tagebüchern vollgestopften Wohnwagen seiner Tante und dem Kräuterladen, den eine Wesen-Freundin besitzt, werden zudem zwei Orte geschaffen, an denen Nick sich Rat und Hilfe holen kann, wenn er sie braucht. Dieser gemächliche, aber sehr konsequente Aufbau der erzählten Welt hat es zumindest mir leicht gemacht, in dieser für mich komplett unbekannten Serie anzukommen.

Fazit

Märchen sind nicht meine Lieblingsgattung, aber dennoch hat mich Grimm ziemlich schnell in seinen Bann gezogen. Daran sind wie so oft die Figuren schuld: Zwar steht Nick im Zentrum der Geschichte (und David Giuntoli macht seine Sache auch wirklich stark – und sieht dabei im Normalfall außerdem ziemlich gut aus 😀 ), aber gerade seine beiden Wesen-Freunde Monroe (ein vegetarisch lebender, ziemlich schräger, aber unfassbar knuffeliger Werwolf) und Rosalee (eine kluge Fuchsteufelin, die den Kräuterladen ihres Bruders betreibt) sind für mich die Sympathieträger der Serie. Sie erklären Nick viel über „ihre“ Welt, aber ohne sich selbst und das, was sie sind, zu ernst zu nehmen. Das gibt der oft doch recht düsteren Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und einen feinen Humor, den ich so nicht erwartet hatte. Sicherlich ist Grimm nicht das, was man Quality TV nennt, aber für mich ist es aktuell die perfekte Serie für einen entspannten Herbstabend auf der Couch.

Weiterempfehlung: Grimm ist eine Fantasy-/Krimi-/Mysteryserie des amerikanischen Senders NBC. Sie begleitet Nick Burghardt, seines Zeichens Nachkomme der Brüder Grimm, auf seiner Jagd nach übernatürlichen Wesen und auch dabei, sein Erbe zu verstehen und es zu beschützen. Fans von Serien wie Heroes, Eureka oder auch Under the Dome können daran ebenso Gefallen finden wie Liebhaber klassischer Krimis. Die Geschichte hat selbst eine Märchenskeptikerin wie mich ziemlich schnell in ihren Bann gezogen.

Habt ihr Grimm gesehen? Wir hat Euch die Serie (bzw. Staffel 1 – keine Spoiler bitte! 😉 ) gefallen? Und wie steht Ihr generell zum Thema Märchen?

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Seri(e)ös: Macht Facebook bald Netflix und Co. Konkurrenz?

Durch meinen Job verbringe ich täglich sehr viel Zeit bei Facebook. Wirklich sehr viel. An anderer Stelle schrieb ich bereits, dass das größte soziale Netzwerk (inzwischen unfassbare 30 Millionen aktive Nutzer in Deutschland, davon 27 Millionen täglich!) ständig mit neuen Funktionen überrascht. Manche davon sind kacke stellen Seitenadministratoren vor interessante Herausforderungen, zum Beispiel die Tatsache, dass Linkvorschauen seit einigen Wochen nicht mehr bearbeitet werden können (wirklich anstrengend!). Andere wiederum klingen spannend und könnten dazu führen, dass die Nutzer in Zukunft noch mehr Zeit auf Facebook verbringen. Eine dieser neuen Funktionen, die gerade in den USA getestet und in Deutschland wahrscheinlich im vierten Quartel 2017 ausgerollt wird, ist Facebook Watch.

Was ist Facebook Watch?

Facebook Watch ist ein Videobereich, in dem Facebook seinen Nutzern eigenproduzierten Content zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich vor allem um (kurze) Daily Shows und (Reality-TV-)Serien, aber auch Sportübertragungen (in den USA streamt Facebook zum Beispiel jede Woche ein Major-League-Baseballspiel). Mit Watch steigt Facebook also in den boomenden Streamingmarkt ein und kombiniert ihn geschickt mit dem sozialen Aspekt seines Netzwerks. Auf Watch können zum Beispiel Freunde ihren Freunden Serien empfehlen. Am interessantesten ist aber der kommunikative Aspekt, denn anders als bei Netflix, Amazon Prime und Co. können sich Nutzer hier in Echtzeit innerhalb des Streaminganbieters über das Gesehene austauschen und mit ihren Freunden und anderen Zuschauern diskutieren. Den Gedanken hinter Watch beschreibt Mark Zuckerberg wie folgt:

“Watching a show doesn’t have to be passive. It can be a chance to share an experience and bring people together who care about the same things.”

Kann Facebook Netflix und Co. mit Watch Konkurrenz machen?

Man wird abwarten müssen, wie Watch bei den Usern ankommt. Durch die Bevorzugung von Videoinhalten im Newsfeed könnten Inhalte aus Watch allerdings sehr schnell viral gehen und die User sich so daran gewöhnen, dass ihnen diese Formate auf der Startseite angezeigt werden. Sollte es zudem gelingen, Stars und Sternchen für Watch zu gewinnen, kann ich mir tatsächlich vorstellen, dass Watch sich als Alternative zu YouTube etablieren könnte. Der große Vorteil ist einfach, dass unfassbar viele Menschen dort sowie jeden Tag online sind. Warum sollte ich als Nutzer also nicht auch Videos bei Watch schauen, wenn ich in der Bahn sitze oder mich in der Mittagspause langweile und sowieso gerade durch meinen Facebookfeed scrolle? Einfacher geht es ja gar nicht mehr. Amazon und Netflix werden Facebook Watch sicherlich im Auge behalten, müssen sich aber meiner Meinung nach aktuell deswegen keine Sorgen machen, da sich das Angebot einfach zu sehr unterscheidet. Sollte Facebook sich allerdings irgendwann entschließen, ins „richtige“ Seriengeschäft einzusteigen und hochwertige Formate kostenfrei (!) zur Verfügung zu stellen, könnte sich das definitiv ändern. Die finanziellen Mittel dafür hat der Konzern auf jeden Fall.

Wie steht Ihr zu diesem Thema: Würdet Ihr Facebook auch als Streamingdienst nutzen? Und glaubt Ihr, dass Watch sich etablieren wird oder schnell wieder eingestampft wird? Ich warte gespannt auf den Start in Deutschland und bin vor allem neugierig, welche Formate Facebook anbieten wird – und welche Qualität diese haben werden…

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Seri(e)ös: Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

Viele Dinge im Leben lassen sich nicht erklären. Das gilt besonders für Vorlieben. Warum schmeckt mir Crème Brûlée so gut, dass ich sie jeden Tag essen könnte? Warum ist meine Lieblingsfarbe Rot und nicht Gelb? Warum mag ich das Meer lieber als die Berge, tanzen lieber als joggen, Rockmusik lieber als Hip-Hop und den Samstag lieber als den Sonntag? Ich kann Vermutungen anstellen (bei der Samstag-/Sonntag-Frage habe ich eine vage Ahnung… 😉 ), aber völlig aufklären werde ich die Gründe für diese Vorlieben wohl nicht. Das soll mich aber nicht davon abhalten, heute mal ein wenig darüber zu sinieren, warum ich zwar viele TV-Serien, die ich bislang gesehen habe, mag, aber es doch nur etwa ein Dutzend auf die Liste meiner Lieblingsserien geschafft hat. Seid ihr dabei?

Schreibtisch-Lieblingsserien

Bevor ich hier Überlegungen dazu anstelle, warum mir manche Serien besser gefallen als andere, erscheint es mir sinnvoll, kurz aufzulisten, welche Produktionen es auf meine Lieblingsserienliste geschafft haben. Ich wähle dafür einfach die alphabetische Reihenfolge:

  1. Fringe
  2. Gilmore Girls
  3. Gossip Girl
  4. House of Cards
  5. Lost
  6. Mad Men
  7. Six Feet Under
  8. Sons of Anarchy
  9. Suits
  10. The Sopranos
  11. The Wire
  12. Twin Peaks

Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

Nachdem geklärt ist, welche Serien sich einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert haben, fällt es deutlich leichter, sich über das „Warum“ Gedanken zu machen. Ich habe dafür vor allem folgende Gründe identifiziert:

1. Eine Lieblingsserie würde ich bedingungslos weiterempfehlen.

Die persönliche Empfehlung eines Produktes oder einer Dienstleistung durch eine Person, der wir vertrauen, ist heutzutage Gold wert. Kein Wunder, dass Influencer Marketing so durch die Decke geht. Wenn mich jemand nach Serien fragt, die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann, sind es (mindestens) diese 12. Einige davon empfehle ich grundsätzlich immer allen, die sie noch nicht kennen (Fringe, Lost, The Sopranos, The Wire, Twin Peaks, Suits und neuerdings auch Sons of Anarchy), andere sind wohl nicht für jeden das große Los (Die Gilmore Girls zum Beispiel funktionieren für viele Männer nicht so gut, habe ich mir sagen lassen…). Dennoch hat jede der genannten Serien etwas, das sie sehenswert macht. Damit sind wir auch schon bei den nächsten Punkten:

2. Eine Lieblingsserie hat eine starke und/oder klug und/oder fesselnd erzählte Geschichte.

Menschen lieben gute Geschichten. Sie müssen nicht immer gut ausgehen, müssen nicht immer lustig oder dramatisch oder überraschend sein, sondern einfach nur konsequent und glaubwürdig erzählt. The Wire ist für mich das beste Beispiel dafür: Eine Serie, die in einem trostlosen Umfeld spielt und eigentlich nur tragische Handlungsstränge hat, es aber trotzdem schafft, eine komplexe Geschichte fesselnd und unterhaltsam zu erzählen. Gutes Storytelling funktioniert natürlich auch in ganz anderen Milieus und auf wesentlich simplere Weise. Gossip Girl zum Beispiel dreht sich eigentlich nur darum, dass alle – der Zuschauer inklusive – herausfinden möchten, wer denn dieses Gossip Girl nun ist. Einfacher kann man keine Spannung erzeugen.

3. Eine Lieblingsserie schafft es, dass das Schicksal ihrer Figuren den Zuschauer emotional berührt.

Ich stelle oft schon bei der ersten Sichtung einer Serie fest, dass diese es wohl auf meine Lieblingsserienliste schaffen wird. Dafür gibt es ein ganz einfaches Anzeichen, wenn sie sich dem Ende nähert: Ich spare mir die letzten Folgen auf, zögere das Serienfinale so lange wie möglich hinaus, weil ich nicht möchte, dass die Serie endet. Ich möchte mich nicht endgültig von den Figuren und ihrer Welt verabschieden, sondern noch möglichst lange Teil des Serienuniversums bleiben. Irgendwann siegt dann natürlich doch die Neugier. Eine echte Lieblingsserie schafft es dann, dass mich das Schicksal ihrer Figuren emotional berührt. Und zwar so richtig. Six Feet Under ist wohl das Paradebeispiel für ein emotionales und unglaublich berührendes Ende – das vielleicht beste Serienende ever.

Aber natürlich ist auch bei einer Lieblingsserie eigentlich der Weg das Ziel: In ihrem Verlauf muss sie es darum schaffen, dass mir ihre Figuren ans Herz wachsen und mich mitnehmen auf eine emotionale Reise, bei der ich mich mit ihnen freue, leide und schockiert vor dem TV sitze, wenn sie den Serientod sterben.

4. Eine Lieblingsserie macht Spaß.

Bei all den emotionalen Momenten und der starken Story ist für mich dennoch wichtig, dass eine gewisse Leichtigkeit nicht komplett verloren geht. Ich möchte schließlich unterhalten werden! Oft geschieht das über Wortwitz (Suits ist hier ein gutes Beispiel). Manchmal fällt diese Aufgabe aber auch explizit einer, zwei oder mehreren Personen zu. In Fringe ist es Walters Spleenigkeit, die für Unterhaltung sorgt, in Sons of Anarchy sind es Tig und Chucky, in Mad Men ist es meistens Roger.

5. Eine Lieblingsserie hebt sich vom Serien-Einheitsbrei ab.

Vor über 25 Jahren revolutionierte David Lynch die Serienwelt, als er Twin Peaks schuf. Verstörend, tiefgründig, erschreckend, komisch, aber vor allem anders war diese Serie. Grundsätzlich ist Andersartigkeit für mich ein gutes Kriterium, um eine Lieblingsserie zu beschreiben. Dabei kann sich diese Andersartigkeit auf die Figuren, die Geschichte, die Erzählweise, den Ort etc. beziehen. Gilmore Girls lebt von der ganz besonderen Mutter-Tochter-Beziehung; Lost unterscheidet sich von anderen Serien durch seine Ortsgebundenheit und die Besonderheit dieses Ortes; Fringe spielt mit Zeit, Raum und Universen, ohne dabei Science-Fiction zu sein (außer in Staffel 5 vielleicht). Statt ein bekanntes Thema das x-te mal auf die gleiche Weise aufzurollen, wählt eine Lieblingsserie meistens einen anderen Ansatz oder erzählt direkt eine Geschichte, die es so vorab noch nie gab.

Fazit

Sich dem Thema Lieblingsserien auf analytische Art und Weise zu nähern, ist gar nicht so leicht. Letztendlich ist für mich meist die emotionale Bindung an eine Serie entscheidend, damit ich ihr das Prädikat Lieblingsserie angedeihen lasse. Das tue ich nämlich nicht leichtfertig. Ich dachte sogar, ich hätte all meine Lieblingsserien bereis gefunden, da ich die genannten zu großen Teilen schon vor über zwei, drei Jahren oder sogar noch früher für mich entdeckt habe. Zum Glück habe ich aber vor Kurzem festgestellt, dass Serien mich auch heute noch emotional so richtig berühren können (nämlich Sons of Anarchy). Die obige Liste ist also nur eine Momentaufnahme und wird in den nächsten Monaten und Jahren bestimmt noch wachsen. Ich freue mich darauf.

Welche Serien sind Eure Lieblingsserien – und warum? Könnt Ihr erklären, warum ihr gerade diese Serien so gern mögt und andere vielleicht nicht? Und was haltet Ihr von meinen oben aufgestellten Kriterien über Lieblingsserien?

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Seri(e)ös: Sherlock (Staffel 4)

Über drei Jahre ist es her, dass ich die letzte volle Staffel über den Meisterdetektiv und seinen Kompagnon besprochen habe. Wenn ich mir den Text von damals durchlese, fühle ich mich, als wäre es nicht zwei, sondern eher zehn Jahre her, so viel hat sich seitdem in meinem Leben und auch auf diesem Blog verändert. In der langen, langen Sherlockpause gab es lediglich ein Weihnachtsspecial Anfang 2017 zu sehen, das ich aber hier nicht besprochen habe. Ein Beitrag über eine einzige Folge schien mir doch etwas albern. Außerdem hat mich dieses Special auch nicht sonderlich vom Hocker gehauen, was meine Motivation, darüber zu schreiben, noch einmal deutlich gedämpft hat. Jetzt aber hat Staffel 4 mit drei brandneuen Folgen ihren Weg nach Deutschland gefunden und ich habe es endlich geschafft, sie mir anzuschauen. Wie sie mir gefallen hat und ob sie an das Niveau früherer Staffeln anknüpfen kann? Das lest Ihr in folgender Review:

Zur Handlung

Zeitlich schließt Staffel 4 direkt an die Geschehnisse des Finales der Vorgängerstaffel an. Sherlock zweifelt daran, dass Moriarty wirklich getorben ist und wartet darauf, dass dieser seinen nächsten Zug unternimmt. Währenddessen ermittelt er zusammen mit Scotland Yard in einem mysteriösen Mordfall, bei dem es jemand auf Besitzer bestimmter Margarete Thatcher-Büsten abgesehen hat. Es stellt sich heraus, dass es zwischen diesen Ereignissen und Mary Watsons Agentenvergangenheit einen Zusammenhang gibt – mit tödlichem Ausgang.

Nach Marys Tod entfremden Sherlock und John sich zusehends. John gibt Sherlock die Schuld an Marys Tod und auch der Meisterdetektiv sieht sich als Schuldigen in dieser Sache und versinkt tief im Drogensumpf. Währenddessen muss er versuchen, den reichen und mächtigen Unternehmer Culverton Smith als Serienmörder zu überführen. Im Verlauf der Ermittlungen stellt sich heraus, dass nicht nur seine Klientin, Smiths vermeintliche Tochter, in diesem Fall die Fäden zieht, sondern auch Mary noch nach ihrem Tod Einfluss auf das Leben von Sherlock und John nimmt. So kommt es, dass sich beide wieder versöhnen. Als John jedoch seine neue Therapeutin aufsucht, findet er sich unvermittelt in einer gefährlichen Situation wieder, als diese eine Waffe auf ihn richtet und abdrückt.

Wie sich am Anfang von Folge 3 herausstellt, handelt es sich bei der Frau gar nicht um eine Therapeutin, sondern um Sherlocks Schwester Eunus, die seit ihrer Kindheit im Hochsicherheitsgefängnis Sherrinford einsitzt. Eunus ist mehr als hochintelligent und in der Lage, andere mit ihrem brillanten Geist zu manipulieren. Dies gelingt ihr auch, als Sherlock, Mycroft und Watson Sherrinford aufsuchen, um zu ergründen, wie es Eunus gelingen konnte, von dort zu entfliehen. Sie zwingt alle drei, verschiedene Rätsel zu lösen und ihre Psychospiele mitzuspielen (wobei sie auch eine Verbindung zu Moriarty offenbart), bevor Sherlock herausfindet, wonach Eunus sich wirklich sehnt. Schließlich gelingt es, Eunus wieder sicher in Sherrinford unterzubringen, während John Watson in die Wohnung in der Baker Street 221B einzieht, um dort gemeinsam mit Sherlock und Mrs. Hudson seine Tochter aufzuziehen.

Sherlock, Staffel 4 – mehr Verwirrspiel als Detektivkrimi

Ich habe vor der Sichtung der Staffel keine Kritiken dazu gelesen, aber durch Kommentare hier auf dem Blog bereits mitbekommen, dass Staffel 4 gemischte Gefühle bei den Sherlock-Fans ausgelöst hat. Während sie einigen gut gefiel, mochten andere sie gar nicht; manche mochten Folge 1, aber Folge 2 und 3 nicht, bei wieder anderen war es genau andersherum. Ich kann tatsächlich alle Meinungen verstehen, denn Staffel 4 ist nicht wie die vorherigen Staffeln. Sie stellt die Beziehungen der einzelnen Hauptfiguren mehr in den Fokus und auch auf die Probe. Es wird (erneut) tief in der Vergangenheit gegraben, sodass die Fälle in den Hintergrund rücken. Viel mehr noch: Immer öfter sind die Hauptfiguren selbst die Fälle. Das ist eine andere Ausrichtung als noch in früheren Folgen – und etwas, das man mögen muss. Während Folge 1 sich auf Mary konzentriert, geht es in Folge 3 um Sherlock und seine Familie. Folge 2 folgt am ehesten noch der gewohnten sherlock’schen Erzählweise, in der ein  Bösewicht im Mittelpunkt steht, auch wenn dieser Fall schon von Eunus – und auch Mary – manpuliert wurde. Das erfährt der Zuschauer freilich erst in Folge 3. Er ist damit Zeuge eines großen Verwirrspiels, dessen Komplexität sich erst am Ende von besagter dritter Folge erschließt. Sherlock verabschiedet sich in dieser Staffel davon, eine klassische Detektivserie zu sein und verwandelt sich meiner Meinung nach zunehmend eine spannende Krimi-Dramaserie.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber für mich fühlte sich das Staffelfinale stark nach einem Serienfinale an. Auch wenn Benedict Cumberbatch bereits für Staffel 5 unterschrieben hat – Steven Moffat und Mark Gatiss lassen die Zukunft der Serie nach wie vor offen und es gibt weder einen konkreten Dreh- oder Erscheinungstermin. Nach den gemischten Reaktionen auf Staffel 4 werden sich alle Beteiligten wahrscheinlich sehr genau überlegen, ob Cumberbatch und Freeman erneut in der Baker Street 221B tätig werden. Ich persönlich mochte vor allem die zweite Folge der vierten Staffel, wahrscheinlich weil sie sich so sehr nach den früheren Staffeln anfühlte. Folge 1 hingegen hat mich fast durchweg gelangweilt. In Folge 3 schließt die Staffel noch einmal mit einem interessanten Kniff ab, wenngleich die Story deutliche Logikschwächen hat. Die Geschichte rund um Eunus Holmes weiß dennoch zu überzeugen und versöhnte mich ein wenig mit dieser Staffel, einfach weil sie eine neue, interessante Figur ins Zentrum stellte. Insgesamt empfand ich diese Staffel dennoch schwächer als Staffel 1 bis 3, wenn auch deutlich stärker als das Weihnachtsspecial 2017. Ein bisschen mehr Sherlock & Watson-Action und etwas weniger private Probleme aller Beteiligten hätten mein Urteil noch positiver ausfallen lassen. Aber wer weiß – vielleicht erwartet uns ja wirklich irgendwann noch eine fünfte Staffel. Sollte das vor 2019 der Fall sein, würde ich mich allerdings sehr wundern.

Weiterempfehlung: Die Serienversion des Klassikers von Arthur Conan Doyle transportiert die Geschichte seines Meisterdetektivs Sherlock Holmes ins modernde London. Sich mal mehr, mal weniger stark an der Vorlage orientierend, erzählen die Macher auch in Staffel 4 drei spannende Fälle, die sich allerdings mehr der Hintergrundgeschichte einzelner Figuren widmen als das in früheren Staffeln der Fall war. Es ist daher empfehlenswert, Staffel 1 bis 3 geschaut zu haben, bevor Staffel 4 auf den Bildschirm wandert.

Habt Ihr die neueste Staffel Sherlock bereits gesehen? Wie hat sie Euch gefallen? Und findet Ihr auch, dass die neuen Folgen eine andere Ausrichtung haben als noch diejenigen in Staffel 1 bis 3?

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Seri(e)ös: Stromberg (Staffel 1)

Büro ist kein Ponyhof. Jeder von Euch, der ebenso wie ich zu den Schreibtischtätern gehört, kann das bestimmt bestätigen. Ich habe das Glück, wirklich tolle Kollegen zu haben, aber selbst in einem gut funktionierenden Team gibt es die üblichen Büroprobleme. Jemand hat aus irgendeinem Grund schlechte Laune, die Kaffeemaschine spinnt (absoluter Super-GAU!), das Telefon klingelt ohne Unterlass, zwanzig Kunden wollen irgendeine spontane Extraleistung, es ist heiß oder kalt oder stickig oder der Tag zieht sich wie Kaugummi.

Man multipliziere diesen normalen Wahnsinn nun mit zehn, stecke völlig verschiedene Menschen in eine Abteilung, füge einen unfähigen und bisweilen rassistischen Chef hinzu und voilà – fertig ist die bitterböse Bürosatire mit dem Namen Stromberg, deren erste Staffel der Herr Koch und ich uns (als Ausgleich zu Black Mirror…) in den letzten Wochen angeschaut haben.

Zur Handlung

Büro ist wie Achterbahn fahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das 8 Stunden machen muss, TÄGLICH, dann kotzt man irgendwann. – Bernd Stromberg

Die Serie spielt in der fiktiven „Capitol Versicherung AG“ und dort vor allem in der Abteilung „Schadensregulierung M-Z“, die von Bernd Stromberg geleitet wird. Ein Fernsehteam begleitet mit der Kamera den Büroalltag der Angestellten. Als Chef ist Stromberg bemüht, sein Team und vor allem sich selbst von der besten Seite zu präsentieren, was ihm aber kaum gelingt. Hautpfiguren aus der Schadenregulierung A-M sind neben Stromberg der faule und unmotivierte Ulf, die hübsche Tanja, der seltsame Berthold, der von allen gemobbt und immer nur Ernie genannt wird sowie die naive Erika. Außerhalb von Strombergs Abteilung spielen in Staffel 1 vor allem Frau Berkel, Strombergs Vorgesetzte, die ihn regelmäßig wegen verschiedener Vorfälle in ihr Büro zitiert, sowie Herr Turculu, erfolgreicher Leiter der Abteilung „Schadenregulierung A-L“, eine wichtige Rolle. Stromberg fühlt sich von beiden regelmäßig missverstanden bzw. in seiner Autorität bedroht und manövriert sich damit meistens noch tiefer in den Schlamassel.

Mockumentary nach britischem Vorbild

Als Vorbild für Stromberg diente die britische Mockumentary The Office. Im selben Stil parodiert Stromberg nicht nur den (deutschen) Büroalltag, sondern auch die Anfang der 2000er Jahre sehr beliebten Doku-Soaps. Verwackelte Kameraeinstellungen, Interviews mit den Angestellten sowie Szenen, die scheinbar heimlich und ohne Wissen der beteiligten Personen aufgezeichnet wurden, verstärken den dokumentarischen Charakter und erzeugen beim Zuschauer das Gefühl, hier wirklich in einem Büro gelandet zu sein und den Menschen dort bei der „Arbeit“ zuzuschauen. Wenn man das denn Arbeit nennen kann, was dort passiert, denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen nicht die Schadensfälle, sondern die Probleme der Mitarbeiter mit sich selbst, ihren Kollegen oder dem Chef. Ulf spielt eigentlich den ganzen Tag nur am PC oder mobbt Ernie; Ernie hingegen möchte wirklich arbeiten, lässt sich durch das Mobbing aber so ablenken, dass er es nicht schafft; Tanja muss sich permanent den amourösen Annäherungen der beiden erwehren und Erika ist als Tratschtante mit allem beschäftigt, nur nicht mit der Schadenregulierung. Auch Stromberg kümmert sich um Vieles, aber nicht darum, dass es in seiner Abteilung rundläuft. Im Umgang mit seinen Mitarbeitern besitzt er in etwa so viel Taktgefühl wie ein Stein. Auch politische Korrektheit gehört nicht zu seiner Stärke, etwa wenn er sich weigert, seinen Behindertenparkplatz an einen Rollstuhlfahrer abzutreten. Einige Beispielsprüche gefällig?

Als Chef ist Sensibilität sehr wichtig. Gerade mit andersgeschlechtigen Mitarbeitern. Zum Beispiel Frauen.

Der Türke kann Kaffee, Döner, Bauchtanz. Mehr nicht. Das ist kein Vorurteil, sondern historisch erwiesen. Die alten Griechen, die haben historisch was geleistet, aber der Türke, da wird es eng.

Die Berkel, also Frau Berkel ist ja so gesehen meine Vorgesetzte. Ich sach ja immer Tuberkel oder Eva Braun, also intern.

Fazit

Stromberg polarisiert. Damit meine ich die Hauptfigur, aber auch die Serie als Ganzes. Die Erzählweise, den Mockumentary-Stil, die völlig überzeichneten Charaktere und Situationen und auch den Humor – das muss man mögen, keine Frage. Wenn man es aber mag, dann bietet Stromberg beste Unterhaltung. Gerade Christoph Maria Herbst füllt die Rolle des Ekelchefs einfach so großartig aus, dass man sich fragen muss, ob er eigene Büroerfahrungen (er ist gelernter Bankkaufmann) in die Umsetzung dieser Figur einfließen lassen konnte. Ich habe mich durchaus amüsiert während der ersten acht Folgen, auch wenn die Sprüche manchmal hart an der Grenze (oder auch drüber) sind. Da hier aber zu jedem Zeitpunkt deutlich wird, dass es sich um eine Parodie (der Parodie, um hier noch einmal eine Metaebene aufzumachen…) handelt, darf politische Korrektheit meiner Meinung nach auch mal hintenanstehen.

Weiterempfehlung: Stromberg ist eine deutsche Comedyserie aus dem Jahr 2004, die im Stile einer Dokumentation den Büroalltag parodiert – und zwar ohne Rücksicht auf politische Korrektheit oder guten Geschmack. Im Zentrum steht der unfähige Chef Bernd Stromberg, der seine Abteilung einfach nicht in den Griff bekommt. Ob ihm dies in Staffel 2 vielleicht doch noch gelingt, werde ich mir auf jeden Fall anschauen.

Nach Friends hole ich nun also auch noch einen deutschen Comedyklassiker nach! Habt Ihr Stromberg – oder auch das britische Vorbild The Office – geschaut? Wie gefällt Euch dieses recht spezielle Serienformat?

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Seri(e)ös: The Good Wife (Staffel 3)

Kennt Ihr das? Ihr beginnt eine Serienstaffel, schaut fröhlich vor Euch hin – und auf einmal – schwupps! – ist sie auch schon wieder vorbei, bevor Ihr es überhaupt gemerkt habt. Genau so ging es mir mit der dritten Staffel von The Good Wife. Ob das ein gutes Zeichen ist?

Zum Inhalt

Das Ende von Staffel 2 brachte für Alicia große private Veränderungen mit sich, vollzog sie doch die räumliche Trennung von Peter und begann (endlich!) eine Affäre/Beziehung mit Will, ihrem Chef. Dadurch gewinnt sie in Staffel 3 nicht nur abseits der Arbeit, sondern auch in der Kanzlei neues Selbstvertrauen. Sie geht gestärkt aus dieser Entscheidung hervor und weiß nun auch beruflich, was sie kann und was sie erreichen möchte. So ist es kein Wunder, dass sie kurz darauf befördert wird und vermehrt allein an größeren Fällen arbeiten darf. Zentrale Ereignisse, die die Kanzlei in diesen 22 Folgen beschäftigen, sind vor allem interne: Will sieht einer Anklage wegen Bestechung eines Richters entgegen und verliert deswegen für sechs Monate seine Lizenz. Das daraus entstehende Machtvakuum versuchen verschiedene andere Anwälte auszunutzen, um sich seinen Platz in der Kanzlei zu sichern. Auch privat läuft es für Will ab etwa Mitte der Staffel nicht gut, da Alicia sich von ihm trennt, um sich mehr ihren Kindern widmen zu können. Das ist auch nötig, denn ihre Probleme mit Peter reißen nicht ab. Für seine politischen Ambitionen braucht er nämlich eine Frau an seiner Seite, aber Alicia ist nur widerwillig bereit, diese Rolle auszufüllen. Als Peters Mutter Alicia schließlich beim Versuch, ihr altes Haus zurückzukaufen, ausbootet, droht die Situation völlig zu eskalieren. Am Ende zieht Peter in das ehemalige Familienzuhause ein – und Alicia bleibt mit der Frage zurück, welche Rolle sie in ihrer Familie zukünftig einnehmen kann und will.

Alicia Florrick – eine Frau auf der Suche

In der Review zu Staffel 1 beschrieb ich Alicia als eine Frau zwischen allen Stühlen. Eine Frau, die es allen recht machen will und das doch niemals schafft. Nach zwei weiteren Staffeln hat sich diese Situation etwas verbessert, denn Alicia kommt definitiv besser mit den Anforderungen ihrens Lebens zurecht. Die Kinder sind größer, im Job hat sie sich Respekt erarbeitet und auch privat hat sie für sich zumindest entschieden, was sie nicht mehr sein will: Peter Florricks Ehefrau. Ich glaube, diese Entscheidung hat weniger damit zu tun, dass sie keine Gefühle mehr für ihn hat (denn die hat sie noch, da bin ich fast sicher) als vielmehr mit den Pflichten, die sie als seine Ehefrau zu erfüllen hätte. Sie ist nicht mehr diese Frau, die jahrelang nur daneben gestanden hat, während ihr Mann bejubelt wurde. Sie ist aus seinem Schatten herausgetreten und hat sich selbst einen Namen als Anwältin gemacht – kein Wunder also, dass es ihr nun stinkt, auf irgendwelchen Wahlkampfveranstaltungen lächelnd mit ihrem Mann Händchen zu halten und nur hübsch auszusehen. Auch ihre Trennung von Will zeigt, dass sie noch nicht genau weiß, wohin sie ihre Lebensreise privat führen soll. So gibt sie erst einmal den Kindern den Vorzug und entscheidet sich für ein Leben als Singlefrau, auch wenn ihr dies merklich schwerfällt.

Fazit

Die inhaltliche Beschreibung dieser Staffel klingt sehr nüchtern, ist aber keineswegs negativ gemeint. In Staffel 3 habe ich nämlich das Gefühl, nun so richtig in dieser Serie angekommen und mit den Charakteren vertraut zu sein. Alicia ist eine sympathische Hauptfigur, die jede Menge Identifikationspotential bietet – vor allem, weil sie nicht perfekt ist und oft genug an sich und ihren Ansprüchen scheitert. Die Mischung aus folgenübergreifenden Geschichten (Wills Suspendierung, der Kampf um seine Nachfolge, Peters politische Ambitionen, Alicias und Wills Liebesgeschichte) ist geschickt mit den „cases of the week“ verknüpft, welche auch Rückbezüge zu früheren Staffeln aufweisen (zum Beispiel durch den gruseligen Colin Sweeney, den wir in Staffel 3 bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen haben…). So fügt sich auch Staffel 3 nahtlos in die Geschichte ein und macht richtig Lust auf mehr.

Weiterempfehlung: Die amerikanische Dramaserien The Good Wife setzt in ihrem dritten Jahr erneut auf eine starke weibliche Haupfigur und bietet genau die richtige Mischung aus Drama und Unterhaltung. Es wird spannend zu sehen, ob dieses (eigentlich recht simple) Konzept auch in den weiteren Staffeln so gut funktionieren kann. Ich schaue mir diese auf jeden Fall an.

The Good Wife macht einfach Spaß! Welche Serie zieht Euch aktuell so richtig in den Bann?

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