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Seri(e)ös: Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

Viele Dinge im Leben lassen sich nicht erklären. Das gilt besonders für Vorlieben. Warum schmeckt mir Crème Brûlée so gut, dass ich sie jeden Tag essen könnte? Warum ist meine Lieblingsfarbe Rot und nicht Gelb? Warum mag ich das Meer lieber als die Berge, tanzen lieber als joggen, Rockmusik lieber als Hip-Hop und den Samstag lieber als den Sonntag? Ich kann Vermutungen anstellen (bei der Samstag-/Sonntag-Frage habe ich eine vage Ahnung… 😉 ), aber völlig aufklären werde ich die Gründe für diese Vorlieben wohl nicht. Das soll mich aber nicht davon abhalten, heute mal ein wenig darüber zu sinieren, warum ich zwar viele TV-Serien, die ich bislang gesehen habe, mag, aber es doch nur etwa ein Dutzend auf die Liste meiner Lieblingsserien geschafft hat. Seid ihr dabei?

Schreibtisch-Lieblingsserien

Bevor ich hier Überlegungen dazu anstelle, warum mir manche Serien besser gefallen als andere, erscheint es mir sinnvoll, kurz aufzulisten, welche Produktionen es auf meine Lieblingsserienliste geschafft haben. Ich wähle dafür einfach die alphabetische Reihenfolge:

  1. Fringe
  2. Gilmore Girls
  3. Gossip Girl
  4. House of Cards
  5. Lost
  6. Mad Men
  7. Six Feet Under
  8. Sons of Anarchy
  9. Suits
  10. The Sopranos
  11. The Wire
  12. Twin Peaks

Was macht eine Serie zur Lieblingsserie?

Nachdem geklärt ist, welche Serien sich einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert haben, fällt es deutlich leichter, sich über das „Warum“ Gedanken zu machen. Ich habe dafür vor allem folgende Gründe identifiziert:

1. Eine Lieblingsserie würde ich bedingungslos weiterempfehlen.

Die persönliche Empfehlung eines Produktes oder einer Dienstleistung durch eine Person, der wir vertrauen, ist heutzutage Gold wert. Kein Wunder, dass Influencer Marketing so durch die Decke geht. Wenn mich jemand nach Serien fragt, die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann, sind es (mindestens) diese 12. Einige davon empfehle ich grundsätzlich immer allen, die sie noch nicht kennen (Fringe, Lost, The Sopranos, The Wire, Twin Peaks, Suits und neuerdings auch Sons of Anarchy), andere sind wohl nicht für jeden das große Los (Die Gilmore Girls zum Beispiel funktionieren für viele Männer nicht so gut, habe ich mir sagen lassen…). Dennoch hat jede der genannten Serien etwas, das sie sehenswert macht. Damit sind wir auch schon bei den nächsten Punkten:

2. Eine Lieblingsserie hat eine starke und/oder klug und/oder fesselnd erzählte Geschichte.

Menschen lieben gute Geschichten. Sie müssen nicht immer gut ausgehen, müssen nicht immer lustig oder dramatisch oder überraschend sein, sondern einfach nur konsequent und glaubwürdig erzählt. The Wire ist für mich das beste Beispiel dafür: Eine Serie, die in einem trostlosen Umfeld spielt und eigentlich nur tragische Handlungsstränge hat, es aber trotzdem schafft, eine komplexe Geschichte fesselnd und unterhaltsam zu erzählen. Gutes Storytelling funktioniert natürlich auch in ganz anderen Milieus und auf wesentlich simplere Weise. Gossip Girl zum Beispiel dreht sich eigentlich nur darum, dass alle – der Zuschauer inklusive – herausfinden möchten, wer denn dieses Gossip Girl nun ist. Einfacher kann man keine Spannung erzeugen.

3. Eine Lieblingsserie schafft es, dass das Schicksal ihrer Figuren den Zuschauer emotional berührt.

Ich stelle oft schon bei der ersten Sichtung einer Serie fest, dass diese es wohl auf meine Lieblingsserienliste schaffen wird. Dafür gibt es ein ganz einfaches Anzeichen, wenn sie sich dem Ende nähert: Ich spare mir die letzten Folgen auf, zögere das Serienfinale so lange wie möglich hinaus, weil ich nicht möchte, dass die Serie endet. Ich möchte mich nicht endgültig von den Figuren und ihrer Welt verabschieden, sondern noch möglichst lange Teil des Serienuniversums bleiben. Irgendwann siegt dann natürlich doch die Neugier. Eine echte Lieblingsserie schafft es dann, dass mich das Schicksal ihrer Figuren emotional berührt. Und zwar so richtig. Six Feet Under ist wohl das Paradebeispiel für ein emotionales und unglaublich berührendes Ende – das vielleicht beste Serienende ever.

Aber natürlich ist auch bei einer Lieblingsserie eigentlich der Weg das Ziel: In ihrem Verlauf muss sie es darum schaffen, dass mir ihre Figuren ans Herz wachsen und mich mitnehmen auf eine emotionale Reise, bei der ich mich mit ihnen freue, leide und schockiert vor dem TV sitze, wenn sie den Serientod sterben.

4. Eine Lieblingsserie macht Spaß.

Bei all den emotionalen Momenten und der starken Story ist für mich dennoch wichtig, dass eine gewisse Leichtigkeit nicht komplett verloren geht. Ich möchte schließlich unterhalten werden! Oft geschieht das über Wortwitz (Suits ist hier ein gutes Beispiel). Manchmal fällt diese Aufgabe aber auch explizit einer, zwei oder mehreren Personen zu. In Fringe ist es Walters Spleenigkeit, die für Unterhaltung sorgt, in Sons of Anarchy sind es Tig und Chucky, in Mad Men ist es meistens Roger.

5. Eine Lieblingsserie hebt sich vom Serien-Einheitsbrei ab.

Vor über 25 Jahren revolutionierte David Lynch die Serienwelt, als er Twin Peaks schuf. Verstörend, tiefgründig, erschreckend, komisch, aber vor allem anders war diese Serie. Grundsätzlich ist Andersartigkeit für mich ein gutes Kriterium, um eine Lieblingsserie zu beschreiben. Dabei kann sich diese Andersartigkeit auf die Figuren, die Geschichte, die Erzählweise, den Ort etc. beziehen. Gilmore Girls lebt von der ganz besonderen Mutter-Tochter-Beziehung; Lost unterscheidet sich von anderen Serien durch seine Ortsgebundenheit und die Besonderheit dieses Ortes; Fringe spielt mit Zeit, Raum und Universen, ohne dabei Science-Fiction zu sein (außer in Staffel 5 vielleicht). Statt ein bekanntes Thema das x-te mal auf die gleiche Weise aufzurollen, wählt eine Lieblingsserie meistens einen anderen Ansatz oder erzählt direkt eine Geschichte, die es so vorab noch nie gab.

Fazit

Sich dem Thema Lieblingsserien auf analytische Art und Weise zu nähern, ist gar nicht so leicht. Letztendlich ist für mich meist die emotionale Bindung an eine Serie entscheidend, damit ich ihr das Prädikat Lieblingsserie angedeihen lasse. Das tue ich nämlich nicht leichtfertig. Ich dachte sogar, ich hätte all meine Lieblingsserien bereis gefunden, da ich die genannten zu großen Teilen schon vor über zwei, drei Jahren oder sogar noch früher für mich entdeckt habe. Zum Glück habe ich aber vor Kurzem festgestellt, dass Serien mich auch heute noch emotional so richtig berühren können (nämlich Sons of Anarchy). Die obige Liste ist also nur eine Momentaufnahme und wird in den nächsten Monaten und Jahren bestimmt noch wachsen. Ich freue mich darauf.

Welche Serien sind Eure Lieblingsserien – und warum? Könnt Ihr erklären, warum ihr gerade diese Serien so gern mögt und andere vielleicht nicht? Und was haltet Ihr von meinen oben aufgestellten Kriterien über Lieblingsserien?

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Seri(e)ös: Sherlock (Staffel 4)

Über drei Jahre ist es her, dass ich die letzte volle Staffel über den Meisterdetektiv und seinen Kompagnon besprochen habe. Wenn ich mir den Text von damals durchlese, fühle ich mich, als wäre es nicht zwei, sondern eher zehn Jahre her, so viel hat sich seitdem in meinem Leben und auch auf diesem Blog verändert. In der langen, langen Sherlockpause gab es lediglich ein Weihnachtsspecial Anfang 2017 zu sehen, das ich aber hier nicht besprochen habe. Ein Beitrag über eine einzige Folge schien mir doch etwas albern. Außerdem hat mich dieses Special auch nicht sonderlich vom Hocker gehauen, was meine Motivation, darüber zu schreiben, noch einmal deutlich gedämpft hat. Jetzt aber hat Staffel 4 mit drei brandneuen Folgen ihren Weg nach Deutschland gefunden und ich habe es endlich geschafft, sie mir anzuschauen. Wie sie mir gefallen hat und ob sie an das Niveau früherer Staffeln anknüpfen kann? Das lest Ihr in folgender Review:

Zur Handlung

Zeitlich schließt Staffel 4 direkt an die Geschehnisse des Finales der Vorgängerstaffel an. Sherlock zweifelt daran, dass Moriarty wirklich getorben ist und wartet darauf, dass dieser seinen nächsten Zug unternimmt. Währenddessen ermittelt er zusammen mit Scotland Yard in einem mysteriösen Mordfall, bei dem es jemand auf Besitzer bestimmter Margarete Thatcher-Büsten abgesehen hat. Es stellt sich heraus, dass es zwischen diesen Ereignissen und Mary Watsons Agentenvergangenheit einen Zusammenhang gibt – mit tödlichem Ausgang.

Nach Marys Tod entfremden Sherlock und John sich zusehends. John gibt Sherlock die Schuld an Marys Tod und auch der Meisterdetektiv sieht sich als Schuldigen in dieser Sache und versinkt tief im Drogensumpf. Währenddessen muss er versuchen, den reichen und mächtigen Unternehmer Culverton Smith als Serienmörder zu überführen. Im Verlauf der Ermittlungen stellt sich heraus, dass nicht nur seine Klientin, Smiths vermeintliche Tochter, in diesem Fall die Fäden zieht, sondern auch Mary noch nach ihrem Tod Einfluss auf das Leben von Sherlock und John nimmt. So kommt es, dass sich beide wieder versöhnen. Als John jedoch seine neue Therapeutin aufsucht, findet er sich unvermittelt in einer gefährlichen Situation wieder, als diese eine Waffe auf ihn richtet und abdrückt.

Wie sich am Anfang von Folge 3 herausstellt, handelt es sich bei der Frau gar nicht um eine Therapeutin, sondern um Sherlocks Schwester Eunus, die seit ihrer Kindheit im Hochsicherheitsgefängnis Sherrinford einsitzt. Eunus ist mehr als hochintelligent und in der Lage, andere mit ihrem brillanten Geist zu manipulieren. Dies gelingt ihr auch, als Sherlock, Mycroft und Watson Sherrinford aufsuchen, um zu ergründen, wie es Eunus gelingen konnte, von dort zu entfliehen. Sie zwingt alle drei, verschiedene Rätsel zu lösen und ihre Psychospiele mitzuspielen (wobei sie auch eine Verbindung zu Moriarty offenbart), bevor Sherlock herausfindet, wonach Eunus sich wirklich sehnt. Schließlich gelingt es, Eunus wieder sicher in Sherrinford unterzubringen, während John Watson in die Wohnung in der Baker Street 221B einzieht, um dort gemeinsam mit Sherlock und Mrs. Hudson seine Tochter aufzuziehen.

Sherlock, Staffel 4 – mehr Verwirrspiel als Detektivkrimi

Ich habe vor der Sichtung der Staffel keine Kritiken dazu gelesen, aber durch Kommentare hier auf dem Blog bereits mitbekommen, dass Staffel 4 gemischte Gefühle bei den Sherlock-Fans ausgelöst hat. Während sie einigen gut gefiel, mochten andere sie gar nicht; manche mochten Folge 1, aber Folge 2 und 3 nicht, bei wieder anderen war es genau andersherum. Ich kann tatsächlich alle Meinungen verstehen, denn Staffel 4 ist nicht wie die vorherigen Staffeln. Sie stellt die Beziehungen der einzelnen Hauptfiguren mehr in den Fokus und auch auf die Probe. Es wird (erneut) tief in der Vergangenheit gegraben, sodass die Fälle in den Hintergrund rücken. Viel mehr noch: Immer öfter sind die Hauptfiguren selbst die Fälle. Das ist eine andere Ausrichtung als noch in früheren Folgen – und etwas, das man mögen muss. Während Folge 1 sich auf Mary konzentriert, geht es in Folge 3 um Sherlock und seine Familie. Folge 2 folgt am ehesten noch der gewohnten sherlock’schen Erzählweise, in der ein  Bösewicht im Mittelpunkt steht, auch wenn dieser Fall schon von Eunus – und auch Mary – manpuliert wurde. Das erfährt der Zuschauer freilich erst in Folge 3. Er ist damit Zeuge eines großen Verwirrspiels, dessen Komplexität sich erst am Ende von besagter dritter Folge erschließt. Sherlock verabschiedet sich in dieser Staffel davon, eine klassische Detektivserie zu sein und verwandelt sich meiner Meinung nach zunehmend eine spannende Krimi-Dramaserie.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber für mich fühlte sich das Staffelfinale stark nach einem Serienfinale an. Auch wenn Benedict Cumberbatch bereits für Staffel 5 unterschrieben hat – Steven Moffat und Mark Gatiss lassen die Zukunft der Serie nach wie vor offen und es gibt weder einen konkreten Dreh- oder Erscheinungstermin. Nach den gemischten Reaktionen auf Staffel 4 werden sich alle Beteiligten wahrscheinlich sehr genau überlegen, ob Cumberbatch und Freeman erneut in der Baker Street 221B tätig werden. Ich persönlich mochte vor allem die zweite Folge der vierten Staffel, wahrscheinlich weil sie sich so sehr nach den früheren Staffeln anfühlte. Folge 1 hingegen hat mich fast durchweg gelangweilt. In Folge 3 schließt die Staffel noch einmal mit einem interessanten Kniff ab, wenngleich die Story deutliche Logikschwächen hat. Die Geschichte rund um Eunus Holmes weiß dennoch zu überzeugen und versöhnte mich ein wenig mit dieser Staffel, einfach weil sie eine neue, interessante Figur ins Zentrum stellte. Insgesamt empfand ich diese Staffel dennoch schwächer als Staffel 1 bis 3, wenn auch deutlich stärker als das Weihnachtsspecial 2017. Ein bisschen mehr Sherlock & Watson-Action und etwas weniger private Probleme aller Beteiligten hätten mein Urteil noch positiver ausfallen lassen. Aber wer weiß – vielleicht erwartet uns ja wirklich irgendwann noch eine fünfte Staffel. Sollte das vor 2019 der Fall sein, würde ich mich allerdings sehr wundern.

Weiterempfehlung: Die Serienversion des Klassikers von Arthur Conan Doyle transportiert die Geschichte seines Meisterdetektivs Sherlock Holmes ins modernde London. Sich mal mehr, mal weniger stark an der Vorlage orientierend, erzählen die Macher auch in Staffel 4 drei spannende Fälle, die sich allerdings mehr der Hintergrundgeschichte einzelner Figuren widmen als das in früheren Staffeln der Fall war. Es ist daher empfehlenswert, Staffel 1 bis 3 geschaut zu haben, bevor Staffel 4 auf den Bildschirm wandert.

Habt Ihr die neueste Staffel Sherlock bereits gesehen? Wie hat sie Euch gefallen? Und findet Ihr auch, dass die neuen Folgen eine andere Ausrichtung haben als noch diejenigen in Staffel 1 bis 3?

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Seri(e)ös: Stromberg (Staffel 1)

Büro ist kein Ponyhof. Jeder von Euch, der ebenso wie ich zu den Schreibtischtätern gehört, kann das bestimmt bestätigen. Ich habe das Glück, wirklich tolle Kollegen zu haben, aber selbst in einem gut funktionierenden Team gibt es die üblichen Büroprobleme. Jemand hat aus irgendeinem Grund schlechte Laune, die Kaffeemaschine spinnt (absoluter Super-GAU!), das Telefon klingelt ohne Unterlass, zwanzig Kunden wollen irgendeine spontane Extraleistung, es ist heiß oder kalt oder stickig oder der Tag zieht sich wie Kaugummi.

Man multipliziere diesen normalen Wahnsinn nun mit zehn, stecke völlig verschiedene Menschen in eine Abteilung, füge einen unfähigen und bisweilen rassistischen Chef hinzu und voilà – fertig ist die bitterböse Bürosatire mit dem Namen Stromberg, deren erste Staffel der Herr Koch und ich uns (als Ausgleich zu Black Mirror…) in den letzten Wochen angeschaut haben.

Zur Handlung

Büro ist wie Achterbahn fahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das 8 Stunden machen muss, TÄGLICH, dann kotzt man irgendwann. – Bernd Stromberg

Die Serie spielt in der fiktiven „Capitol Versicherung AG“ und dort vor allem in der Abteilung „Schadensregulierung M-Z“, die von Bernd Stromberg geleitet wird. Ein Fernsehteam begleitet mit der Kamera den Büroalltag der Angestellten. Als Chef ist Stromberg bemüht, sein Team und vor allem sich selbst von der besten Seite zu präsentieren, was ihm aber kaum gelingt. Hautpfiguren aus der Schadenregulierung A-M sind neben Stromberg der faule und unmotivierte Ulf, die hübsche Tanja, der seltsame Berthold, der von allen gemobbt und immer nur Ernie genannt wird sowie die naive Erika. Außerhalb von Strombergs Abteilung spielen in Staffel 1 vor allem Frau Berkel, Strombergs Vorgesetzte, die ihn regelmäßig wegen verschiedener Vorfälle in ihr Büro zitiert, sowie Herr Turculu, erfolgreicher Leiter der Abteilung „Schadenregulierung A-L“, eine wichtige Rolle. Stromberg fühlt sich von beiden regelmäßig missverstanden bzw. in seiner Autorität bedroht und manövriert sich damit meistens noch tiefer in den Schlamassel.

Mockumentary nach britischem Vorbild

Als Vorbild für Stromberg diente die britische Mockumentary The Office. Im selben Stil parodiert Stromberg nicht nur den (deutschen) Büroalltag, sondern auch die Anfang der 2000er Jahre sehr beliebten Doku-Soaps. Verwackelte Kameraeinstellungen, Interviews mit den Angestellten sowie Szenen, die scheinbar heimlich und ohne Wissen der beteiligten Personen aufgezeichnet wurden, verstärken den dokumentarischen Charakter und erzeugen beim Zuschauer das Gefühl, hier wirklich in einem Büro gelandet zu sein und den Menschen dort bei der „Arbeit“ zuzuschauen. Wenn man das denn Arbeit nennen kann, was dort passiert, denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen nicht die Schadensfälle, sondern die Probleme der Mitarbeiter mit sich selbst, ihren Kollegen oder dem Chef. Ulf spielt eigentlich den ganzen Tag nur am PC oder mobbt Ernie; Ernie hingegen möchte wirklich arbeiten, lässt sich durch das Mobbing aber so ablenken, dass er es nicht schafft; Tanja muss sich permanent den amourösen Annäherungen der beiden erwehren und Erika ist als Tratschtante mit allem beschäftigt, nur nicht mit der Schadenregulierung. Auch Stromberg kümmert sich um Vieles, aber nicht darum, dass es in seiner Abteilung rundläuft. Im Umgang mit seinen Mitarbeitern besitzt er in etwa so viel Taktgefühl wie ein Stein. Auch politische Korrektheit gehört nicht zu seiner Stärke, etwa wenn er sich weigert, seinen Behindertenparkplatz an einen Rollstuhlfahrer abzutreten. Einige Beispielsprüche gefällig?

Als Chef ist Sensibilität sehr wichtig. Gerade mit andersgeschlechtigen Mitarbeitern. Zum Beispiel Frauen.

Der Türke kann Kaffee, Döner, Bauchtanz. Mehr nicht. Das ist kein Vorurteil, sondern historisch erwiesen. Die alten Griechen, die haben historisch was geleistet, aber der Türke, da wird es eng.

Die Berkel, also Frau Berkel ist ja so gesehen meine Vorgesetzte. Ich sach ja immer Tuberkel oder Eva Braun, also intern.

Fazit

Stromberg polarisiert. Damit meine ich die Hauptfigur, aber auch die Serie als Ganzes. Die Erzählweise, den Mockumentary-Stil, die völlig überzeichneten Charaktere und Situationen und auch den Humor – das muss man mögen, keine Frage. Wenn man es aber mag, dann bietet Stromberg beste Unterhaltung. Gerade Christoph Maria Herbst füllt die Rolle des Ekelchefs einfach so großartig aus, dass man sich fragen muss, ob er eigene Büroerfahrungen (er ist gelernter Bankkaufmann) in die Umsetzung dieser Figur einfließen lassen konnte. Ich habe mich durchaus amüsiert während der ersten acht Folgen, auch wenn die Sprüche manchmal hart an der Grenze (oder auch drüber) sind. Da hier aber zu jedem Zeitpunkt deutlich wird, dass es sich um eine Parodie (der Parodie, um hier noch einmal eine Metaebene aufzumachen…) handelt, darf politische Korrektheit meiner Meinung nach auch mal hintenanstehen.

Weiterempfehlung: Stromberg ist eine deutsche Comedyserie aus dem Jahr 2004, die im Stile einer Dokumentation den Büroalltag parodiert – und zwar ohne Rücksicht auf politische Korrektheit oder guten Geschmack. Im Zentrum steht der unfähige Chef Bernd Stromberg, der seine Abteilung einfach nicht in den Griff bekommt. Ob ihm dies in Staffel 2 vielleicht doch noch gelingt, werde ich mir auf jeden Fall anschauen.

Nach Friends hole ich nun also auch noch einen deutschen Comedyklassiker nach! Habt Ihr Stromberg – oder auch das britische Vorbild The Office – geschaut? Wie gefällt Euch dieses recht spezielle Serienformat?

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Seri(e)ös: The Good Wife (Staffel 3)

Kennt Ihr das? Ihr beginnt eine Serienstaffel, schaut fröhlich vor Euch hin – und auf einmal – schwupps! – ist sie auch schon wieder vorbei, bevor Ihr es überhaupt gemerkt habt. Genau so ging es mir mit der dritten Staffel von The Good Wife. Ob das ein gutes Zeichen ist?

Zum Inhalt

Das Ende von Staffel 2 brachte für Alicia große private Veränderungen mit sich, vollzog sie doch die räumliche Trennung von Peter und begann (endlich!) eine Affäre/Beziehung mit Will, ihrem Chef. Dadurch gewinnt sie in Staffel 3 nicht nur abseits der Arbeit, sondern auch in der Kanzlei neues Selbstvertrauen. Sie geht gestärkt aus dieser Entscheidung hervor und weiß nun auch beruflich, was sie kann und was sie erreichen möchte. So ist es kein Wunder, dass sie kurz darauf befördert wird und vermehrt allein an größeren Fällen arbeiten darf. Zentrale Ereignisse, die die Kanzlei in diesen 22 Folgen beschäftigen, sind vor allem interne: Will sieht einer Anklage wegen Bestechung eines Richters entgegen und verliert deswegen für sechs Monate seine Lizenz. Das daraus entstehende Machtvakuum versuchen verschiedene andere Anwälte auszunutzen, um sich seinen Platz in der Kanzlei zu sichern. Auch privat läuft es für Will ab etwa Mitte der Staffel nicht gut, da Alicia sich von ihm trennt, um sich mehr ihren Kindern widmen zu können. Das ist auch nötig, denn ihre Probleme mit Peter reißen nicht ab. Für seine politischen Ambitionen braucht er nämlich eine Frau an seiner Seite, aber Alicia ist nur widerwillig bereit, diese Rolle auszufüllen. Als Peters Mutter Alicia schließlich beim Versuch, ihr altes Haus zurückzukaufen, ausbootet, droht die Situation völlig zu eskalieren. Am Ende zieht Peter in das ehemalige Familienzuhause ein – und Alicia bleibt mit der Frage zurück, welche Rolle sie in ihrer Familie zukünftig einnehmen kann und will.

Alicia Florrick – eine Frau auf der Suche

In der Review zu Staffel 1 beschrieb ich Alicia als eine Frau zwischen allen Stühlen. Eine Frau, die es allen recht machen will und das doch niemals schafft. Nach zwei weiteren Staffeln hat sich diese Situation etwas verbessert, denn Alicia kommt definitiv besser mit den Anforderungen ihrens Lebens zurecht. Die Kinder sind größer, im Job hat sie sich Respekt erarbeitet und auch privat hat sie für sich zumindest entschieden, was sie nicht mehr sein will: Peter Florricks Ehefrau. Ich glaube, diese Entscheidung hat weniger damit zu tun, dass sie keine Gefühle mehr für ihn hat (denn die hat sie noch, da bin ich fast sicher) als vielmehr mit den Pflichten, die sie als seine Ehefrau zu erfüllen hätte. Sie ist nicht mehr diese Frau, die jahrelang nur daneben gestanden hat, während ihr Mann bejubelt wurde. Sie ist aus seinem Schatten herausgetreten und hat sich selbst einen Namen als Anwältin gemacht – kein Wunder also, dass es ihr nun stinkt, auf irgendwelchen Wahlkampfveranstaltungen lächelnd mit ihrem Mann Händchen zu halten und nur hübsch auszusehen. Auch ihre Trennung von Will zeigt, dass sie noch nicht genau weiß, wohin sie ihre Lebensreise privat führen soll. So gibt sie erst einmal den Kindern den Vorzug und entscheidet sich für ein Leben als Singlefrau, auch wenn ihr dies merklich schwerfällt.

Fazit

Die inhaltliche Beschreibung dieser Staffel klingt sehr nüchtern, ist aber keineswegs negativ gemeint. In Staffel 3 habe ich nämlich das Gefühl, nun so richtig in dieser Serie angekommen und mit den Charakteren vertraut zu sein. Alicia ist eine sympathische Hauptfigur, die jede Menge Identifikationspotential bietet – vor allem, weil sie nicht perfekt ist und oft genug an sich und ihren Ansprüchen scheitert. Die Mischung aus folgenübergreifenden Geschichten (Wills Suspendierung, der Kampf um seine Nachfolge, Peters politische Ambitionen, Alicias und Wills Liebesgeschichte) ist geschickt mit den „cases of the week“ verknüpft, welche auch Rückbezüge zu früheren Staffeln aufweisen (zum Beispiel durch den gruseligen Colin Sweeney, den wir in Staffel 3 bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen haben…). So fügt sich auch Staffel 3 nahtlos in die Geschichte ein und macht richtig Lust auf mehr.

Weiterempfehlung: Die amerikanische Dramaserien The Good Wife setzt in ihrem dritten Jahr erneut auf eine starke weibliche Haupfigur und bietet genau die richtige Mischung aus Drama und Unterhaltung. Es wird spannend zu sehen, ob dieses (eigentlich recht simple) Konzept auch in den weiteren Staffeln so gut funktionieren kann. Ich schaue mir diese auf jeden Fall an.

The Good Wife macht einfach Spaß! Welche Serie zieht Euch aktuell so richtig in den Bann?

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Seri(e)ös: Friends (Staffel 2)

Was haben Tom Selleck, Julia Roberts, Jean-Claude Van Damme und Charlie Sheen gemeinsam? Richtig, sie haben alle einen Auftritt als Gaststar in der zweiten Staffel Friends, einer Serie, die mich mehr und mehr in ihren Bann zieht. Aber Staffel 2 hat noch mehr zu bieten als nur große Namen…

Zur Handlung

Nachdem das Ende von Staffel 1 die Ross-Rachel-Situation ungeklärt ließ, stellt diese in der zweiten Staffel einen wichtigen Handlungsstrang dar. Ross hat auf seiner Chinareise nämlich eine alte Freundin wiedergetroffen und mit dieser angebandelt. Rachel ist untröstlich und versucht zunächst, Ross zurückgewinnen, beginnt dann aber, mit anderen Männern auszugehen – u. a. auch einem Mann namens Russ, der Ross zum Verwechseln ähnlich sieht. Nach und nach wird Rachel klar, dass sie nicht über Ross hinwegkommt und auch Ross besinnt sich und entscheidet sich schließlich gegen seine Freundin und für Rachel. Monica hingegen ist immer noch auf der Suche nach der großen Liebe und auch nach dem richtigen Job. Als sie für den besten Freund ihres Vaters, Richard (Tom Selleck! ♥), ein Catering übernimmt, verliebt sie sich in diesen und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die Monica zunächst vor ihren Eltern geheimhält. Als die Beziehung ernsthafter wird, stellen beide allerdings fest, dass sie unterschiedliche Vorstellungen von ihrer gemeinsamen Zukunft haben und es kommt zur Trennung. Joey hat endlich Erfolg als Schauspieler, als er die Rolle des Dr. Ramoray in der Soap „Days of our lives“ ergattert. Allerdings steigt ihm dies bald zu Kopf und so erleidet seine Figur einen überraschenden und brutalen Seirentod. Phoebe trifft sowohl ihren schwulen Scheinehemann als auch ihren „Navylover“ Ryan (Charlie Sheen) wieder, mit dem sie jedes Jahr während seines Landgangs zwei aufregende Wochen verbringt. Außerdem tut sich etwas in ihrem Familienleben, als sie herausfindet, dass sie einen Halbbruder hat.

Leicht, aber nicht platt – Was Friends so besonders macht

Ich wiederhole mich, aber eigentlich ist Comedy nicht mein Genre. Es gibt einige wenige Serien, die ich mag – und Friends gehört definitiv dazu. Die (Literatur-)Wissenschaftlerin in mir fragt sich in solchen Situationen stets, woran das liegen könnte: Was unterscheidet Friends von den tausenden anderen Comedyserien, die es in den letzten Jahrzehnten gab und auch aktuell gibt? Was macht diese Serie richtig, was andere (meiner Meinung nach) falsch machen? Kommen wir zunächst zum Offensichtlichen: Friends ist einfach lustig. Punkt. Die Autoren verstehen es, die sechs Freunde in Situationen zu manövrieren, die komödiantisches Potential bieten und dabei nicht komplett unrealistisch sind. Außerdem hat der Zuschauer nie das Gefühl, dass sich Witz an Witz reiht und manche dieser Scherze eigentlich nur um ihrer selbst Willen da sind, so nach dem Motto: „Eine Sitcom muss mindestens alle 90 Sekunden einen Witz enthalten“. Nein, Friends hat auch die ernsteren Situationen wie Liebeskummer, Tod und Streit, die humoristisch, aber niemals platt aufbereitet werden.

Viel zum Gelingen dieses Spagats tragen selbstredend die Figuren bei, die einfach alle auf ihre eigene Art liebenswert sind. In meiner dunklen 90er-Erinnerung an Friends war Joey zum Beispiel ein richtig dämlicher Chaot. Das ist er aber überhaupt nicht, seine vermeintliche „Dummheit“ folgt einem klaren Konzept und manchmal denke ich, die Konzeption dieser Figur war wahrscheinlich am schwersten und musste mit der größten Sorgfalt durchgeführt werden.

Was Friends natürlich noch von anderen Serien des Genres unterscheidet, ist die aufeinander aufbauende Geschichte. Der Zuschauer begleitet die Freunde nicht bei ihrem Leben, das Tag für Tag gleich verläuft, sondern er erlebt ihre Entwicklung mit: Rachel und Ross werden ein Paar. Joey macht einen Karrieresprung. Phoebe lernt ihre Familie kennen. Chandler und Joey gehen einen Zeitlang getrennte Wege. Monica sucht nach ihrer (beruflichen) Berufung. Wer eine Folge verpasst, dem ist vielleicht ein wichtiges Ereignis im Leben einer Figur entgangen. Welche anderen Comedyserie kann schon eine solch stringente Handlung vorweisen?

Fazit

Friends vereint Elemente klassischer Dramaserien (folgenübergreifende Story) mit der Leichtigkeit einer Sitcom und sympathischen Charakteren. Was so einfach klingt, ist es in Wirklichkeit überhaupt nicht, denn der Grat zwischen „lustig“ und „lächerlich“, zwischen „ernst“ und „humorvoll“ ist ein sehr schmaler und eine schwieriger dazu. Ich glaube, dass viele Comedyserien an diesem Anspruch kläglich gescheitert sind und auch weiterhin scheitern werden, vielleicht auch, weil Friends einfach Maßstäbe gesetzt hat, an die auch zwanzig Jahre später nur wenige Serien herankommen. How I Met Your Mother hat das phasenweise geschafft, andere Serien würden es gerne, sind aber doch – obwohl durchaus gelungen – qualitätsmäßig ein ganzes Stück davon entfernt (The Big Bang Theory, Modern Family). So hat Friends sich bereits nach zwei Staffeln den Spitzenplatz auf meiner (kurzen) Comedy-Favoritenliste gesichert und andere, wesentlich neuere und wahrscheinlich auch wesentlich teurer produzierte Serien, problemlos ausgebootet. Ich bin mehr als gespannt, was mich in den nächsten acht Staffeln erwartet.

Weiterempfehlung: In seiner zweiten Staffel knüpft Friends mühelos an die Qualität von Staffel 1 an und übertrifft diese sogar noch. Charmante Figuren treffen auf eine ideenreiche Story, die durch Gastauftritte nahmhafter Filmgrößen bereichert werden. Ich für meinen Teil hoffe ja auf ein Liebescomeback zwischen Monica und Richard, da ich Tom Selleck einfach gern noch länger dabei hätte. Sollte dem nicht so sein, schaue ich dennoch weiter, denn Friends bietet einfach perfekte Unterhaltung.

Da beginne vor einigen Wochen nichtsahnend diese Serie und nun hat sie sich bereits einen Platz auf meiner Favoritenliste gesichert! Seid Ihr Fans der ersten Stunde oder auch erst später auf Friends aufmerksam geworden? Und kennt Ihr eine Comedyserie, die Eurer Meinung nach mit dem Niveau von Friends mithalten kann?

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Seri(e)ös: Grey’s Anatomy (Staffel 13)

Die erste Folge Grey’s Anatomy wurde am 27.03.2005 (!) auf ABC ausgestrahlt. Damit ist die Krankenhausschmonzette die am längsten laufenden Serie meines kleinen Projektes. 13 Staffeln sind wahrlich eine Leistung in unserer kurzlebigen und auf Erfolg getrimmten Fernsehzeit. In den letzten Wochen war ProSieben so gütig, die aktuelle Staffel auch dem deutschen Publikum zu präsentieren, sodass ich mir mittwochs keine Gedanken um meine Abendgestaltung machen musste. Ist doch schön, wenn ein Sendeplatz so in Stein gemeißelt ist. Wie mir die neuen Abenteuer von Meredith, Alex und Co. gefallen haben, lest Ihr in dieser Review.

Zum Inhalt

Wie eh und je bietet Grey’s Anatomy auch in dieser Staffel die altbekannte Mischung aus medizinischen und menschlichen Dramen. Während Meredith nach Dereks Tod langsam wieder bereit ist für eine neue Liebe und auch Arizona sich in ein Abenteuer mit einer Kollegin stürzt, stehen andere Paare vor schweren Problemen: April und Jackson sind geschieden, versuchen aber trotzdem, sich gleichberechtigt um ihre Tochter zu kümmern; Owen und Amelia geraten beim Thema Familienplanung aneinander, Alex und Jo entzweit eine gewalttätige Auseinandersetzung mit DeLuca und auch beim Ehepaar Webber/Avery steht nicht immer alles zum Besten. Maggie hat indes mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen, während Stephanie nicht nur den Tod ihres Freundes, sondern auch den eines kleinen Jungen im OP verarbeiten muss. Im Krankenhaus sorgt vor allem die Umstrukturierung des Ausbildungsprogramms für Unruhe, was zu Auseinandersetzungen zwischen Bailey und mehreren anderen Ärzten führt.

Alles wie immer? Vielleicht auch nicht!

Grey’s Anatomy ist eine Serie mit einem simplen Konzept und einer klaren Zielgruppe: Frauen. Gut, es gibt auch ein paar Männer (oder Wölfe), die gerne zuschauen, aber die Mischung aus Liebesschnulze und Drama im OP spricht Frauen einfach mehr an. Staffel 13 bietet genau das, ebenso wie alle früheren Staffeln. Dennoch hat mir diese Staffel besser gefallen als noch die vorherige. Und ich glaube auch zu wissen, warum: Es liegt an der Erzähweise. Die Folgen dieser Staffel waren ruhiger und die Handlungsstränge nicht so verworren. Jede Figur hatte ihr eigenes Problem – und zwar genau eines: Meredith haderte mit ihren neuen Liebe. Maggie trauerte um ihre Mutter. April war hin- und hergerissen zwischen Kind und Karriere. Richard wurde degrediert und musste damit klarkommen. Owen wurde von Amelia enttäuscht. Teilweise konzentrierten sich ganze Folgen auf einzelne Figuren und ihre Geschichte: So müssen Meredith und Nathan in einem Flugzeug erste Hilfe leisten und kommen sich dabei genauso näher wie Jackson und April bei ihrem Trip nach Montana. Die Geschichten aller Figuren sind relativ klar voneinander getrennt und nur durch einzelne gemeinsame Szenen im Krankenhaus oder zu Hause miteinander verwoben.

Ich weiß nicht, ob das eine Taktik ist, neuen Zuschauern den Einstieg in diese Serie zu erleichtern, kann mir aber keinen anderen Grund vorstellen. Der Zeitpunkt ist dafür nicht schlecht, hat die Serie doch seit Dereks Tod eine ganz andere Ausrichtung, ja fast einen kleinen Neustart erhalten. Während elf Staffeln lang ein Liebespaar im Zentrum der Geschichte stand, sind es jetzt die drei Schwestern Meredith, Maggie und Amelia (auch wenn Amelia eigentlich Dereks Schwester war, aber wir wollen hier nicht kleinlich sein.), die durch dick und dünn gehen und sich gegenseitig unterstützen. Maggie und Amelia ersetzen dabei nicht nur Derek, sondern inzwischen auch Cristina, Merediths ehemalige „Person“.

Fazit

Fast finde ich es selbst etwas unheimlich, aber in Staffel 13 hat mir Grey’s Anatomy überraschend viel Spaß gemacht und mittwochs definitiv für entspannte Unterhaltung gesorgt. Qualitäts-TV ist das (immer noch) nicht, aber ich finde, Serien dürfen auch einfach mal für seichte Bespaßung sorgen. Diesem Anspruch wird Staffel 13 wesentlich besser gerecht als Staffel zwölf. Sollte Grey’s Anatomy im fortgeschrittenen Alter nochmal zu neuen Höhenflügen ansetzen? Wir werden sehen…

Weiterempfehlung: Grey’s Anatomy ist eine amerikanische Krankenhausserie, die im fiktiven Grey Sloan Memorial Hospital in Seattle spielt und dort Leben und Leiden mehrer Ärzte begleitet. Staffel 13 bietet solide Unterhaltung und definitiv einen Qualitätssprung zur vorherigen Staffel. Nächsten Frühling halte ich mir schon mal präventiv die Mittwochabende für die Folgen der 14. Staffel frei.

Oh, jetzt ist diese Besprechung wirklich sehr positiv ausgefallen. Aber es ist wahr, ich habe Staffel 13 gerne geschaut. Wie hat sie Euch gefallen? Oder seid ihr schon vor Jahren aus Grey’s Anatomy ausgestiegen?

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Seri(e)ös: Drei Serien…

Ich habe den Abschied aus Charming bzw. von den Sons of Anarchy immer noch nicht ganz geschafft. Es ist lange her, dass ich einer Serie so nachgehangen habe. Darum konnte ich einfach nicht anders, also zumindest in diesem Beitrag nochmal einen Abstecher in ihre Heimat zu machen: Kalifornien! Kalifornien… da denke ich an Sonne, Palmen, Hollywood, die Route 66 und schöne Menschen. Nicht wenige dieser Klischees finden sich auch in Serien wieder, die dort spielen. Drei Exemplare dieser Gattung habe ich einmal herausgepickt.

~ Drei Serien, die in Kalifornien spielen ~

1. Six Feet Under

Dass Six Feet Under in Los Angeles spielt, merkt der Zuschauer eigentlich nur daran, dass permanent die Sonne scheint. Wo auch immer Nate und David eine Leiche abholen, wann auch immer bei den Fishers eine Trauerfeier stattfindet – draußen brennt erbarmunglos die Sonne vom Himmel. Ich glaube, der Schauplatz Los Angeles wurde sehr bewusst gewählt, um einerseits einen Kontrast zu schaffen zwischen dem doch recht düsteren Haus der Fishers und der Welt „da draußen“, andererseits zwischen dem Glamour, der dieser Stadt anhaftet und ihrem Alltagsleben. Letztlich hätte die Geschichte so wohl auch in Nevada oder New Mexico funktioniert, aber das Setting L. A. bietet einfach weitere geographische Vorteile, die der Geschichte zugute kommen (Nähe zum Meer, Flughafen in der Stadt, Schwulenszene, …).

2. Sons of Anarchy

Das Kalifornien der Sons ist ein anderes als das der Fishers. Ja, es ist auch beherrscht von gutem Wetter und fast durchgängigem Sonnenschein. Dennoch ist es rauer und dreckiger. Charming ist ein karger Ort mit wenig Grün und viel verdorrtem Gestrüpp; mit Sand, der aufgewirbelt wird, wenn ein Motorrad durchheizt und Menschen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit Sonnenbrillen und Hoodies tragen. Kaum ein Ort könnte sich mehr von der bunten Glitzerwelt Hollywood unterscheiden, für die Kalifornien bekannt ist. Dennoch greift die Serie ein anderes Klischee auf, das untrennbar mit Kalifornien verbunden ist: Motorrad fahren. Jax und Co. cruisen zwar nicht über die Route 66, aber auch ihre Heimat hat Highways zu bieten.

3. The O. C.

Müsste ich die liebste Guilty-Pleasure-Serie meiner Teenagerzeit nennen, dann hätte The O. C. gute Chancen auf Platz eins. Newport Beach ist eben ein Ort, der Sehnsüchte weckt. Schöne Menschen leben in schönen Häusern, kaufen schöne Dinge und verbringen ihre Freizeit bei bestem Wetter mit Freunden am kalifornischen Strand – fantastisch! Das einfache kalifornische Leben nimmt den (jugendlichen, aber auch erwachsenen) Zuschauer mit in eine Welt, in der alles perfekt und einfach zu sein scheint. Dem ist natürlich nicht so und gerade durch die Hauptfigur Seth Cohen merkt der Zuschauer schnell, dass in Newport Beach vielleicht ein klein wenig zu viel auf Oberflächlichkeiten geachtet wird. Nach und nach fängt die Fassade eines jeden einzelnen Charakters an zu bröckeln und es treten hässliche Eigenschaften und Intrigen zu Tage. Auch unter Palmen ist eben nicht alles so, wie es scheint.

Es gibt noch zig weitere Serien, die in Kalifornien spielen. Welche ist Euer Favorit?

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Seri(e)ös: Sons of Anarchy (Staffel 7)

Doubt thou the stars are fire;

Doubt thou the sun doth move;

Doubt truth to be a liar;

But never doubt I love.

– William Shakespeare

Sons of Anarchy erzählt über sieben Staffeln eine eigentlich altbekannte Geschichte. Eine Geschichte über einen Anführer und seinen Nachfolger, die zu Rivalen werden. Eine Geschichte über Liebe und Verrat, über Macht und Neid und den Wunsch nach Veränderung. Dass Serienschöpfer Kurt Sutter sich dazu von Shakespeares Hamlet inspirieren ließ, ist kein Geheimnis. Wie auch Shakespeare ist Sutter mit den Figuren in seiner Geschichte nicht zimperlich, denn beide wissen, was das Erfolgsrezept einer guten Geschichte ist: Es ist nie die Story selbst, es sind immer die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, die einer Handlung Relevanz geben. Beachtet man diese simple Regel, dann ist es nicht nur möglich, sondern eine wunderbare Idee, eine bekannte Geschichte in einem ungewöhnlichen Milieu neu zu erzählen. Genau so eine Geschichte erlebt der Zuschauer in Sons of Anarchy, dessen finale Staffel ich in diesem Beitrag Revue passieren lasse und mit einem Fazit zur kompletten Serie ausklingen lasse.

Zur Handlung

Die finale Staffel besteht wie alle anderen Staffeln (außer Staffel 4) aus 13 Folgen. Diese sind allerdings teilweise deutlich länger als in vorigen Staffeln (deutlich über 40 Minuten, teilweise über 80 Minuten). So ist es nicht verwunderlich, dass die Story in Staffel 7 noch einmal richtig in Schwung kommt und viel zu komplex ist, um ihrer in wenigen Sätzen gerecht zu werden. Im Zentrum steht natürlich die Rache für Taras Tod, die aufgrund von Gemmas und Juice‘ Lüge nicht nur die beiden, sondern auch weitere Clubmitglieder in Gefahr bringt. Während Jax zunächst von Wut und Verzweiflung geblendet ist und seine Gefühle in direkte Gewalt umschlagen, welche die Beziehungen zu anderen Gangs gefährden, ändert sich das bald. Der Verlust weiterer geliebter Menschen macht ihm schmerzhaft bewusst, dass er der Gewaltspirale keinen Einhalt gebieten kann und seine Söhne deshalb auf dasselbe Leben zusteuern, das er lebt und das er und Tara für sie nie wollten. Am Ende muss Jax sich entscheiden, ob er bereit ist, das ultimative Opfer zu bringen, damit die Vision seines Vaters von einem gewaltfreien Club noch wahr werden kann.

Das Ende

This is who I am. I can’t change.

– Jax Teller

Auch wenn Sons of Anarchy eine Ensemble-Serie ist und viele sehenswerte und interessante Charaktere die Handlung gestalten, steht Jax Teller von Anfang an im Mittelpunkt. Er ist der Fixpunkt, der Stern, um den sich das SAMCRO-Universum dreht. Selbst in den ersten Staffeln, in denen Clay noch President ist, zieht Jax mehr und mehr die Fäden und ist derjenige, der eine größere Vision für den Club hat und sich nicht mit Waffenhandel zufriedengeben will. Sein persönliches Schicksal ist untrennbar mit dem seines Clubs verknüpft. Das wird ihm in der finalen Staffel nach Taras Tod schmerzlich bewusst. Fast wirkt er erleichtert, als klar wird, dass der überstürzte Mord an Jury sein Todesurteil ist. Das gibt ihm die Kraft, all die Dinge zu regeln, die er vorher entweder nicht über sich gebracht hat (seine Söhne aus Charming wegbringen und ihnen ein Leben abseits des Clubs ermöglichen) oder die harte Konsequenzen nach sich gezogen hätten (Feinde wie Barosky und Marks ermorden). Seine Tage sind gezählt und er erkennt, dass dies seine Chance ist, den Club doch noch in die richtige Richtung zu lenken und das Erbe seines Vaters zu erfüllen. Und es gelingt: Die Waffengeschäfte wandern von SAMCRO zu den Mayans und auch von Marks und Barosky droht keine Gefahr mehr. Als er sich auf das Motorrad seines Vaters setzt und damit in den Tod fährt, hat er alles geregelt und den Sons in Charming einen Neuanfang ohne die Familie Teller-Morrow ermöglicht. Selbst alte Fotos und seine Tagebücher hat er vorab vernichtet, damit seine Söhne nicht in seine Fußstapfen treten können.

Jax Teller bringt damit das ultimative Opfer – sein eigenes Leben für die gewaltfreie Zukunft seiner Familie und des Clubs. Ich war darauf vorbereitet, dass er am Ende der Serie sterben würde; alles andere hätte mich sehr gewundert. Allerdings hatte ich gedacht, dass das Ende der Serie auch das Ende des Charming-Chapters bringen würde. Das tat es nicht. Zurück bleibt eine kleine Truppe, angeführt von Chibs (ich muss nochmal sagen, wie großartig ich Tommy Flanagan finde!) und Tig, die sich den legalen Unternehmungen in der Pornoindustrie zuwenden kann. Die Geschichte von SAMCRO geht also weiter, schlägt aber ohne ihren Mittelpunkt – die Teller-Familie – ein ganz anderes Kapitel auf, das wenig mit dem Geschehnissen der sieben Staffeln zu tun hat. Diesen Cut als Serienfinale zu nehmen, empfinde ich als durchaus befriedigenden und folgerichtigen Abschluss.

Fazit

Es war eine lange und bewegte Reise, auf welcher der Herr Koch und ich die Sons in insgesamt 92 großartigen Episoden begleiten durften. War ich anfangs doch sehr skeptisch, ob ich mit dieser „Männerserie“ warm werden kann, hat sich diese Reserviertheit im Laufe der ersten Staffel ins komplette Gegenteil verkehrt. Dass ich mich in die SAMCRO-Welt so gut eingefunden und mich dort so wohlgefühlt habe, liegt vor allem an den Figuren und ihren Beziehungen zueinander. Nein, sie sind nicht (alle) nett. Nein, sie halten sich nicht (alle) an Gesetze. Nein, sie sehen nicht (alle) gut aus. Hier begegnet der Zuschauer Menschen aus einem rauen Milieu, die nach eigenen Wertvorstellungen und Normen leben, lieben und hassen und die füreinander alles tun würde. Und alles heißt in diesem Fall wirklich alles, wie Jax am Ende der Serie zeigt. Ich bin sehr froh, diese „Serienfamilie“ kennengelernt und mit ihnen ein Kapitel ihrer Geschichte erlebt zu haben, auch wenn der Abschied mir sehr schwer fällt. Als Trost bleibt mir aber wie so oft die Gewissheit, dass gute Geschichten unsterblich sind und ich jederzeit für einen Besuch nach Charming zurückkehren kann. Bei Lieblingsserien ist es schließlich gute Gewohnheit, dass ich ihnen den einen oder anderen Rewatch angedeihen lasse.

Weiterempfehlung: Sons of Anarchy ist eine amerikanische Dramaserie, in der die Geschichte des fiktiven Motorradclubs Sons of Anarchy erzählt wird. Im Zentrum steht Jax Teller, dessen persönliches Schicksal untrennbar mit dem seines Clubs verbunden ist und der dafür auch zu großen Opfern bereit ist. Wer die vorigen Staffeln mochte, wird auch von den finalen 13 Episoden und dem Serienende nicht enttäuscht sein. Allen, die noch nicht in Charming zu Besuch waren, möchte ich eine Reise in die SAMCRO-Welt dringend empfehlen. Freunde gut gemachter Dramaserien, die kein Problem mit Gewaltdarstellungen haben, sind hier auf jeden Fall richtig. Bonus: Der Soundtrack zur Serie ist großartig. Bedingungslose Weiterempfehlung!

Nach einem halben Jahr ist nun der Moment gekommen, um mich von den Sons zu verabschieden. Das stimmt mich traurig, denn die Serie hat mich fantastisch unterhalten die letzten Monate. Andererseits bin ich sehr froh, diese Serienperle im Dschungel des Seriendickichts entdeckt zu haben. Wie hat Euch Sons of Anarchy gefallen? Findet Ihr das Serienende passend oder hättet ihr Euch ein anderes gewünscht? Diskutiert mit mir!   

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Seri(e)ös: Was 2017 bisher geschah (und wie es weitergeht)

Sechs Monate gehen wirklich erschreckend schnell vorbei. Bevor ich am Ende des Jahres wieder lange rechnen muss, was 2017 alles über meine Mattscheibe flimmerte, nutze ich die Jahresmitte für ein kleines Zwischenfazit und auch zur Planung meines weiteren Serienkonsums in den kommenden Monaten. Seid ihr dabei? 😉

Status Quo: Diese Serien habe ich zwischen Anfang Januar und Ende Juni gesehen

Wer hier regelmäßig vorbeischaut, wird bemerkt haben, dass ich in den letzten Monaten vor allem für eine Serie geschwärmt habe: Sons of Anarchy! ♥ Das schlägt sich auch in meiner Serienliste von Januar bis Juni überdeutlich nieder. In dieser lassen sich insgesamt 15 Staffeln acht verschiedener TV-Serien finden lassen – sieben davon entfallen allerdings allein auf besagte Serie:

Aktuell arbeite ich mich noch an folgenden Serienstaffeln ab, zu denen euch folglich Rezensionen im zweiten Halbjahr erwarten:

  • Chef’s Table: Staffel 3
  • Chicago Fire: Staffel 4
  • Friends: Staffel 2 ff.
  • Grey’s Anatomy: Staffel 13
  • The Good Wife: Staffel 3 ff.
  • This is us: Staffel 1

What’s next? Serienplanung Juli bis Dezember 2017

Anfang des Jahres hatte ich ja schon einige Serienstaffeln genannt, die ich mir gerne anschauen wollte. Einige davon konnte ich erfreulicherweise im ersten Halbjahr in Angriff nehmen, andere rutschen nun aus verschiedenen Gründen in die zweite Jahreshälfte, zum Beispiel:

  • Downton Abbey: Staffel 5 + Staffel 6
  • Fargo: Staffel 2
  • House of Cards: Staffel 5
  • Modern Family: Staffel 6
  • Orphan Black: Staffel 5
  • Pretty Little Liars: Staffel 6
  • Sherlock: Staffel 4
  • The Vampire Diaries: Staffel 7

Diese kleine Liste möchte ich noch um folgende Serien(staffeln) ergänzen:

  • Arrow: Staffel 4
  • Broadchurch: Staffel 3

Außerdem steht nach wie vor die große Frage im Raum, womit der Herr Koch und ich die riesige Lücke füllen sollen, die das Ende von Son of Anarchy hinterlassen hat. Wir schauen immer eine Serie gemeinsam an, die wir abwechselnd aussuchen. Er wählte vor einigen Monaten Sons of Anarchy aus – nun bin ich am Zug und recht ratlos, was auf diese Serienperle folgen kann. Es muss eine bereits abgeschlossene Serien sein (am besten auch eine mit einem richtigen Ende und keine, die einfach abgesetzt wurde) und sie sollte auf Netflix verfügbar sein. Das ist wirklich keine leichte Aufgabe. Dexter ist in der engeren Auswahl, auch über Luther (kriegt ja jetzt doch noch eine Fortsetzung…), Black Mirror, Prison Break oder Californication denke ich nach, aber richtig vom Hocker haut mich keine davon. Vielleicht sollten wir es einfach mal mit einer Comedyserie versuchen? Arrested Development konnte ich alleine nichts abgewinnen – vielleicht funktioniert die Serie in Gesellschaft besser? Stromberg wäre auch noch eine Möglichkeit. Oder oder oder…

Puh, ich bin richtig ratlos! Habt Ihr einen Tipp für mich, welche abgeschlossene Serie bei Netflix verfügbar ist und sich richtig lohnt? Und was sollte sonst noch unbedingt auf meine Watchlist wandern?

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Seri(e)ös: Designated Survivor (Staffel 1, Teil 2)

Bereits Anfang Februar schrieb ich eine Review zu den ersten zehn Folgen Designated Survivor, der Serie rund um Tom Kirkman, der über Nacht amerikanischer Präsident wird. Da die Serie beim amerikanischen Publikum so gut ankam, spendierte ABC ihr kurzfristig eine volle Staffel, sprich 21 Folgen. Ob das eine gute Entscheidung war? Das lest Ihr in der folgenden Besprechung, die leichte Spoiler enthält.

Rückblick: Das passierte in Teil 1 (Folgen 1-10)…

Ich zitiere aus meiner Review vom 01.02.2017:

Während alle anderen Senats- und Regierungsmitglieder beim State of the Union im Kapitol sind, sitzt Kirman mit seiner Frau in einem Regierungsbunker und schaut sich Sport im TV an. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, ereilt ihn die Neuigkeit, dass bei einer Explosion im Kapitol alle Anwesenden verstorben sind und er nun amerikanischer Präsident wird. (…) An Kirkmans Seite dabei: Seine langjährige Vertraute Emily Rhodes, sein Chief of Staff Aaron Shore und sein Pressesprecher Seth Wright, die mit ihm zusammen versuchen, den Laden am Laufen zu halten. Denn wie sich herausstellt, gab es doch zwei Überlebende in dieser Nacht: Zum einen ist da Kimble Hookstraten, die als unoffizieller Designated Survivor der Republikaner, der anderen Partei, ebenfalls nicht an der Veranstaltung teilgenommen hat und Kirkman zwar unterstützt, aber auch bisweilen undurchsichtige eigene Aktionen durchführt. Zum anderen ist da aber noch Peter MacLeish, der fast unverletzt aus den Trümmern des Kapitols geborgen werden kann. MacLeish, ein amerikanischer Kriegsheld und Kongressabgeordneter, wird schnell zum nationalen Helden und zu Kirkmans Vertrautem, der ihn gerne in seiner Regierung sieht. Wäre da nicht FBI-Agentin Hannah Wells, die MachLeishs Überleben mehr als merkwürdig findet und eigene Nachforschungen anstellt. Und siehe da – auch MacLeish ist nicht so sauber, wie er auf den ersten Blick erscheint…

…und in Teil 2 (Folgen 11-21)

Die Geschichte geht genau da weiter, wo sie in Folge zehn aufhörte: Hannah Wells ist Peter MacLeish auf der Spur und versucht, Beweise dafür zu beschaffen, dass er nicht der ist, der er vorzugeben scheint und am Bombenangriff auf das Kapitol beteiligt war. Doch bevor sie ihn festnehmen und befragen kann, wird er von seiner Frau erschossen, die im Anschluss daran Selbstmord begeht. Wells und Kirkman arbeiten fortan gemeinsam daran, die Verschwörung aufzudecken. Auch Jason Atwood beteiligt sich, ist er doch auf Rache für den Tod seines Sohnes aus. Schnell finden sie zusammen mit Mike Ritter, Kirmans Sicherheitschef, heraus, dass es sich nicht um die Tat einzelner Extremisten handelt, sondern eine größere amerikanische Terrorzelle hinter dem Angriff steckt – und auch, dass die Zelle Pläne und Ressourcen (Geld und Sprengstoff) besitzt, um weitere Anschläge zu verüben. Die Jagd nach den Anführern wird immer gefährlicher und zu einem Wettlauf mit der Zeit…

Spannung, Herz und Patriotismus (zum Zweiten)

Auch im zweiten Teil der ersten Staffel macht Designated Survivor viel richtig: Die Story ist spannend und zumeist unvorhersehbar. Die Serientode trafen mich immer unvorbereitet, was zeigt, dass die Macher der Serie bereit sind, nicht den einfachen Gut/Böse-Weg zu gehen. Die Hautpfiguren sind sympathisch und/oder interessant und bieten dem Zuschauer Identifikationspotential. Gerade Emily blüht im zweiten Teil richtig auf und darf mehr Aufgaben übernehmen als nur persönliches Assistentin zu spielen, was mir gut gefallen hat. Kal Penn als Pressesprecher Seth Wright fand ich schon in Teil 1 super – und seit ich herausgefunden habe, dass er neben seiner Schauspielerei auch Politiker ist und unter Obama im Weißen Haus gearbeitet hat, ist er mir auch als Mensch sehr sympathisch.

Womit ich mich in den neuen Folgen schwer getan habe, waren weiterhin die patriotischen Themen und auch die Familiengeschichte. Für mich stimmt die Chemie zwischen Tom (Kiefer Sutherland) und Alex (Natascha McElhone) einfach nicht; auch die Szenen mit den Kindern wirken irgendwie hölzern oder sehr pathetisch. Hier würde ich mir einen Tick mehr Realismus wünschen. Was die patriotischen Töne angeht, ist dies wohl der Zielgruppe geschuldet. Wir haben es hier, das darf man nicht vergessen, nicht mit einer Netflix-Eigenproduktion zu tun, sondern mit einer Serie des Networks ABC. Im Vergleich zu Frank Underwood ist Tom Kirkman wirklich ein echter Patriot, dem das Wohl seines Landes deutlich wichtiger ist als sein eigenes. Welcher TV-Serien-Präsident unterhaltsamer ist, das muss jeder für sich entscheiden.

Fazit

Ich bin unschlüssig, ob ich es gut finde, dass die erste Staffel um weitere Folgen aufgestockt wurde. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass in der Story mehr drin gewesen wäre, wenn man sich mehr Zeit für ihre Entwicklung genommen hätte. Die ersten zehn Folgen waren ein Hit und die Fans hätten bis zum Herbst auf Staffel 2 hingefiebert, denn der Cliffhanger am Ende der zehnten Folge war stark – bedeutend stärker als der Cliffhanger, der nun das Staffelende markiert. ABC hat bereits eine zweite Staffel bestellt und so bleibt abzuwarten, welche Akzente diese setzen wird. Die „Nobody wird über Nacht Präsident“-Nummer ist jedenfalls auserzählt und damit ich am Ball bleiben soll, wünsche ich mir eine klug konzipierte und erzählte Geschichte, die nicht zu sehr auf die Tränendrüse oder den Patriotismusknopf drückt. Bleibt abzuwarten, ob ABC das liefern kann (und will).

Weiterempfehlung: Im zweiten Teil der ersten Staffel begleitet der Zuschauer Tom Kirkman dabei, wie er langsam als Präsident Fuß fasst und innen- wie außenpolitische Probleme lösen muss. Die Serie erzählt das auf spannende und sympathische Weise, erreicht aber in Folge elf bis 21 nicht das Niveau der ersten zehn Folgen – und auch nicht das Niveau anderer Politikdramen wie etwa House of Cards oder Homeland.

Frank Underwood oder Tom Kirkman: Wer ist Euer Favorit? Ich mag beide, auch wenn sie nicht viel gemeinsam haben. 😉 Und findet Ihr den zweiten Teil der ersten Staffel Designated Survivor auch schwächer als den ersten?